23.10.2017 - 17:51 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Urteil verpflichtet ihn zu unentgeltlicher Arbeit "Messie" vor Gericht

Er ist 21 Jahre alt, lebt gewohnheitsmäßig von staatlicher Unterstützung und verwandelte seine Wohnung in eine Art Müllkippe. Bergeweise Abfall und dann auch noch schwer entfernbare Graffitis an den Wänden resultierten daraus, ebenso Ärger, Arbeit und Kosten für den Vermieter.

von Autor HWOProfil

In den Räumen ging seit 2015 im wahrsten Sinn des Wortes der Punk ab. Als der junge Mieter einer Dachwohnung im westlichen Landkreis nicht mehr zahlte und sich dennoch gegen den Auszug hartnäckig sperrte, kam eine Räumungsklage in Gang. "Wir hatten angeboten, ihm beim Wohnungswechsel zu helfen", ließ jetzt der Vermieter vor der Jugendrichterin Petra Froschauer anklingen. Doch der damals noch 20-Jährige habe auf nichts reagiert. Daraufhin wurde ihm die Stromzufuhr gesperrt. Das Ziel sei ausschließlich gewesen, ihn endlich aus dem Haus zu bringen.

Heuer im Februar war Schluss mit lustig: Der Arbeitslose musste ausziehen. Als er fort war, sah man sich unbeschreiblichem Chaos gegenüber. "Ein Messie", wie später ein Malermeister die Hinterlassenschaft beschrieb. Die der Richterin vorliegenden Fotos belegten: Berge von Müll und Flaschen, dazu mit schwer entfernbarer Farbe an die weiß getünchten Wänden gesprühte Graffitis, die auf die Punkerszene hindeuteten.

Der Vermieter musste renovieren lassen. Mit hohen Kosten besonders für die Entfernung der Graffitis an den Wohnzimmerwänden. Auf der Rechnung dürfte er wohl nach Lage der Dinge sitzenbleiben. "Ich hatte angeboten, sie zu überstreichen", sagte nun der 21-Jährige. Frage der Richterin: "Warum haben Sie das nicht gemacht?" Antwort: "Als er den Strom abgesperrt hat, hatte ich keine Lust mehr."

Der Eindruck verfestigte sich: Da saß einer, der den Staat als seinen Unterstützer betrachtet und dem es eigentlich völlig egal ist, wer seine Hinterlassenschaften bezahlt. Heute wohnt er im nördlichen Landkreis. In dieser Gemeinde soll er nun nach dem Willen der Jugendrichterin wegen Sachbeschädigung 120 unbezahlte Arbeitsstunden ableisten. Die Kosten des Verfahrens muss er nicht bezahlen. Schwer verständlich für die Allgemeinheit. Doch wie soll der Staat bei jemandem etwas holen, der es darauf anlegt, nichts zu haben und sich der Wohlfahrt sicher sein darf?

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp