Verbeugung vor Hans Schuierer
„Der Wackere in Wackersdorf“

Hans Schuierer (links) und Heribert Prantl: Zwei, die seit vielen Jahren miteinander bekannt sind. Nun hat Prantl ein Buch geschrieben, in dem er dem Schwandorfer Altlandrat ein Kapitel widmet und ihm darin Respekt zollt für den energischen Widerstand beim Bau der atomaren Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf. Das Foto entstand, als Prantl vor einigen Jahren den Preis der SPD-Landtagsfraktion für seinen mutigen Journalismus erhielt. Archiv-Bild: hou
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Schwandorf
03.12.2016
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Sie haben im Lauf der Zeit große menschliche Nähe zueinander aufgebaut. Nun hat der bundesweit renommierte Journalist und Autor Dr. Heribert Prantl in seinem soeben erschienenen Buch "Was ein Einzelner vermag" dem Schwandorfer Altlandrat Hans Schuierer ein Kapitel gewidmet.

Schwandorf/München. Professor Heribert Prantl stammt aus Nittenau. Er ist 63 Jahre alt und gehört zur Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung. Der Oberpfälzer, hoch renommierter Journalist, stammt aus einem konservativen Elternhaus. Doch das hat ihn nie daran gehindert, sich seine Gesprächspartner auf breiter Ebene auszusuchen. Zu diesen Leuten zählt auch der Schwandorfer Altlandrat Hans Schuierer. Ihm bringt Heribert Prantl seit Jahrzehnten hohen Respekt entgegen. Auch schon deshalb, weil der unterdessen 85-jährige SPD-Mann nie beugsam war.

Neue Perspektiven

Prantl ist nicht nur Journalist und Leitartikler bei der SZ. Er hat sich auch einen Namen als Verfasser von mehreren Dutzend Büchern gemacht. Sein neuestes Werk, unterdessen deutschlandweit beachtet, heißt "Was ein Einzelner vermag". Prantl schreibt darin Biografien aus eigener Sicht über Personen der Zeitgeschichte, die ihm im Lauf seiner langen Karriere als Zeitungsmann und promovierter Jurist begegnet sind. Das liest sich spannend und eröffnet Perspektiven, die man so bisher nicht kannte.

Der Mann mit tiefen oberpfälzischen Wurzeln wendet sich in seinem Buch Politikern wie Heiner Geißler, Gerhard Schröder, Wolfgang Schäuble, Helmut Kohl, Lothar Späth und Rainer Barzel zu. Im Reigen all dieser Prominenz aber kommen auch Leute aus der Provinz vor, deren Gespräche Heribert Prantl nicht missen möchte. Männer, wie der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Ludwig Stiegler aus Weiden, der Regensburger Richter Benno Hurt und der Schwandorfer Altlandrat Hans Schuierer.

In einem Vorwort zu seinem 400 Seiten umfassenden Band schreibt Prantl unter der Überschrift "Große Zwerge, kleine Riesen", wörtlich: "Ohne ihn, den Hans Schuierer, einem Pionier des Atomausstiegs, wäre die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf gebaut worden. Bei ihm kann man lernen, was politischer Mut ist." In dem Hans Schuierer gewidmeten Kapitel schildert Prantl die seiner Meinung nach glänzende Lebensleitung Schuierers. "Der Wackere in Wackersdorf" nennt er ihn und beschreibt, wie da ein bodenständiger Mensch hellhörig wurde, als der CSU-Ministerpräsident Franz-Josef Strauß im Schulterschluss mit der Atom-Lobby während der 1980-er Jahre die WAA im Taxöldener Forst regelrecht durchpeitschen wollte.

"Schuierer war das Gesicht des Widerstands", attestiert Prantl dem heute 85- Jährigen und unterstreicht, dass es da einem aus bescheidenen Verhältnissen stammenden SPD-Kommunalpolitiker mit Standvermögen gelang, einer sogenannten staatstragenden Partei samt deren Ministerpräsidenten Strauß die Stirn zu bieten. Erfolgreich und mit einer Bevölkerung im Rücken, die in Hans Schuierer genau denjenigen als Führungsfigur hatte, der ihre Sorgen, Ängste und Nöte artikulierte. Auch, wenn man ihn dafür vor Gericht zerrte. Dafür bekam Schuierer bei Abstimmungen unglaubliche 70 Prozent.

Verbeugung

Das Kapitel in Prantls Buch ist die Verbeugung vor einem Sozialdemokraten, der sich nicht aus Reputations- und Einschüchterungsgründen das Kreuz krümmte. Nach Prantls Meinung bestes Beispiel dafür, was ein Einzelner vermag, wenn er der Ansicht ist, für seine Heimat und deren Bürger entschlossen eintreten zu müssen. Auch mit dem Risiko, womöglich amtsenthoben oder gar eingesperrt zu werden.

Ohne ihn, den Hans Schuierer, einem Pionier des Atomausstiegs, wäre die Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf gebaut worden. Bei ihm kann man lernen, was politischer Mut ist.Heribert Prantl
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