14.01.2017 - 02:10 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Vor 30 Jahren: WAA-Gegner beim Wiener Opernball Demo zum Walzer

Schwandorf/Wackersdorf. Was hat der Wiener Opernball mit der Oberpfalz zu tun? Aus heutiger Sicht lautet die Antwort auf diese an sich völlig abwegige Frage: "Natürlich nichts." Doch vor nahezu genau 30 Jahren war das anders.

von Autor HOUProfil

Demnächst vollzieht sich das schillernde Spektakel wieder: Prominenz im Frack und Ballkleid, mittendrin der stets für Schlagzeilen sorgende Bauunternehmer "Mörtel" Lugner, der Jahr für Jahr irgendeinen hochbezahlten weiblichen US-Star mit in seine Loge bringt. Lugner war auch schon am 15. Januar 1987 mit dabei, als es am Parkett hieß "Alles Walzer!"

Draußen warteten nicht nur Schaulustige, die etwas von Glanz und Glamour abbekommen wollten. Nach und nach zogen vor nun fast exakt 30 Jahren Demonstranten auf, die so gar nicht zum noblen Bild des Opernballs passten. Sie kamen aus Österreich und Bayern, hielten Transparente hoch und protestierten gegen die seinerzeit im Bau befindliche Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf. Im Visier hatten sie dabei ganz besonders den bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß, der als Ehrengast beim Opernball erwartet worden war.

Die mit starken Einheiten aufgezogene österreichische Polizei schuf eine Abstandszone zwischen Demonstranten und Ballbesuchern. Sie griff erst ein, als ein Stück symbolischer WAA-Bauzaun in unmittelbarer Nähe der Wiener Staatsoper aufgestellt werden sollte. Bis dahin aber waren die Kernkraftgegner, etliche davon auch aus dem Raum Schwandorf, längst in den Fokus von Reportern und Fernsehkameras geraten. Womit genau das erreicht war, was sie beabsichtigten: Ihr Anliegen via TV in viele Länder der Welt zu transportieren.

1986 bereits hatte sich bei den Salzburger Festspielen eine ähnliche Demonstration abgespielt. Auch sie zeigte: Viele Österreicher standen mit deutschen Kernkraftgegnern im engen Schulterschluss, als es um die Ablehnung des gigantischen Atomprojekts im Raum Wackersdorf ging. Das führte zu Belastungen des Verhältnisses zwischen der Alpenrepublik und Bayern. Denn je mehr sich besonders im Raum Salzburg Widerstand rührte, desto heftiger drohte Franz Josef Strauß mit Sanktionen.

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