30.06.2017 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Vortrag von Professor Lorenz Jarass Kritik am Trassenbau

Die ÖDP formiert sich zum Widerstand gegen den Bau der Stromtrassen von Norden nach Süden. Professor Dr. Lorenz Jarass überzeugte die Anhänger der Umweltpartei von der Sinnlosigkeit von Ostbayernring und Südostlink.

ÖDP-Kreisvorsitzender Alfred Damm (links) und Bezirksvorsitzender Karlheinz Binner (rechts) bedankten sich bei Professor Dr. Lorenz Jarass (Mitte) mit einem Geschenkkorb. Bild: Hirsch
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Bei seinem Vortrag am Dienstag in der Spitalkirche erläuterte der Wirtschaftswissenschaftler aus seiner Sicht die wahren Gründe für die Ertüchtigung der Leitungen. Den Netzausbau hält Dr. Lorenz Jarass für "rein kohlebedingt". Damit zum Strom aus erneuerbarer Energien weiterhin auch Kohle-Strom eingespeist werden könne, brauche man stärkere Leitungen. Die Folge sei ein riesiger Überschuss an Strom, der in das benachbarte Ausland exportiert werden soll.

Der Energieexperte erkennt ein strukturelles Problem. Weil Wind und Sonne in den Wintermonaten nicht ausreichend Strom lieferten und eine Speicherung im erforderlichen Umfang technisch nicht möglich sei, entstünden Engpässe. Sie ließen sich aber mit leicht handhabbaren Gasturbinenkraftwerken beheben. Das Problem bei den umweltschädlichen Kohlekraftwerken: Sie haben Bestandsschutz und können nicht beliebig rauf und runter gefahren werden.

Wirtschaftlich keinen Sinn

Der Vorrang der erneuerbaren Energien bei der Einspeisung bestehe nur bei "Netzengpässen", so der Referent. Nach dem Ausbau der Leitungen werde es aber zu keinen Engpässe mehr kommen. Kohlestrom könne dann beliebig eingespeist werden. Bei einem Verzicht auf neue Trassen würde die Bundesnetzagentur einen Riegel vorschieben und die Betreiber zwingen, ihre Kohlekraftwerke abzuschalten. Doch dies sei nicht gewollt. Vielmehr seien die Stromüberschüsse für den Verkauf an der Leipziger Börse vorgesehen.

Der Bau der Trassen macht für den Diplom-Kaufmann wirtschaftlich keinen Sinn. Die geschätzten Investitionen von 25 bis 40 Milliarden Euro könnten für den dezentralen Ausbau weit sinnvoller eingesetzt werden. Das Konzept der Trassen zerstöre auch die Initiativen und guten Ansätze der Energiewende vor Ort. "Deshalb sind die Menschen auch so frustriert", glaubt Dr. Lorenz Jarass. Um den gegenwärtigen Strombedarf in Bayern zu decken, seien keine neuen Trassen erforderlich. Der Wissenschaftler schließt deshalb nicht aus, dass die Pläne für den Leitungsbau wieder aus dem Bundesbedarfsplan gestrichen werden. Wenn man schon nicht ganz verzichten wolle, dann schlägt Dr. Jarass einen Kompromiss vor: Stärkerer Ausbau der Gleichstromtrasse "Südostlink" und dafür Verzicht auf den Ersatzbau des Ostbayernrings von Redwitz in Oberfranken nach Schwandorf. "Die Oberpfalz braucht diesen Leitungsausbau nicht", ist der Experte überzeugt. Es gebe in Bayern ausreichend Leitungen.

ÖDP steht alleine da

Bei der Diskussion wurde allerdings deutlich, dass die ÖDP weitgehend alleine dastehe mit der Kritik am Trassenbau. Die anderen Parteien, einschließlich der Grünen, hätten sich mit den Plänen der Bundesnetzagentur bereits abgefunden. Dennoch wollen die Mitglieder der Umweltpartei die politischen und rechtlichen Wege zur Verhinderung beschreiten.

Die Oberpfalz braucht diesen Leitungsausbau nichtProfessor Lorenz Jarass
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.