28.03.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Wetter bringt Vegetationsjahr aus dem Takt Enges Zeitfenster für Landwirte

Frühlingsanfang am 20. März? Nicht wirklich. Das frostige Wetter mit Minus 15 Grad hat das Vegetationsjahr heuer aus dem Takt gebracht. "Alles verschiebt sich um zwei, drei Wochen", so BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher zur Situation der rund 2000 Landwirte im Landkreis. Manche profitieren von der ungewöhnlichen Wettersituation.

"Auf Kartoffelfeldern war der Frost natürliche Unkrautvernichtung." Zitat: BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher
von Claudia Völkl Kontakt Profil

"Die Natur muss im Winter zur Ruhe kommen", schickt Kreisobmann Josef Irlbacher voraus. Doch im Januar, wenn dies normalerweise der Fall ist, "war es viel zu mild. Es gab fast keinen Frost". Erst im Februar und März kamen die tiefen Temperaturen, ohne Schnee, ohne Schutzschicht. Die Vegetationperiode beginnt heuer um einiges später. Doch für manche hatte der Frost auch positive Seiten. Kartoffel- und Zwischenfruchtanbauer profitieren davon. Der Frost ist natürliche Unkrautvernichtung. Die kleinen Kartoffelknollen, die noch vom Vorjahr im Boden stecken, frieren ab und schießen nicht ins Kraut. Das wäre ein Störfaktor, wenn eine neue Sorte gewählt wird oder sich auf dem Acker der Anbau ändert. Der Frost lockert auch den Boden, die Belastung durch Pilze und Schädlinge ist nicht so groß. Auch die Blattmassen auf den  Zwischenfruchtflächen sterben ab. Da muss dann nicht mehr mit Chemie nachgeholfen werden.

Das Wintergetreide steht trotz der ungewöhnlichen Wettersituation relativ gut da, meinen BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher und Geschäftsführer Josef Wittmann übereinstimmend. Anders bei Raps. Durch die Kahlfröste "ist einiges abgestorben", erläutert Wittmann mit Blick auf die reduzierte Pflanzendichte.

Irgendwann sollte jetzt aber auch gesät werden: Sommergetreide, "Märzenhafer", später Mais. Von "im Märzen der Bauer" konnte bisher kaum die Rede sein. Und bei regnerischem Wetter können die Landwirte auch noch nicht auf die Felder. Die Frühjahrsbestellung wird auf einer kürzeren Zeitschiene laufen müssen, so Josef Irlbacher. Die Natur hingegen hole den Zeitverzug relativ schnell wieder auf. "Es ist unglaublich, wie sie sich anpassen kann". Ein Indikator für das "verschobene" Frühjahr sind auch die noch braunen statt grünen Wiesen.

Apropos "braune" Flächen: Irlbacher weist auf manches Missverständnis hin, wenn Bürger in den letzten Wochen auf gefrorenen Böden Güllefahrzeuge sahen. Das wäre doch verboten. Landwirte sind an die komplexe Düngeverordnung gebunden, erklärt Irlbacher. Ausgebracht werden darf der Dünger nur, wenn die obere Bodenschicht einige Zentimeter aufgetaut ist. Für einen Laien sei das schwer zu beurteilen. Der Vorteil der noch größtenteils durchgefrorenen Flächen war, "dass sie gut befahrbar waren". Später laufe man Gefahr, die Bodenstruktur zu schädigen. Verdichtungen beeinträchtigen dann das Pflanzenwachstum. Landwirte seien gut ausgebildet und keiner wolle "seinen Boden vergewaltigen". Josef Wittmann wirbt um Verständnis für die landwirtschaftlichen Fahrzeuge, die auf den Straßen unterwegs sind, "wenn es endlich los geht" und die Ansaat läuft. "Doch das ist unser aller Essen".

Auf Kartoffelfeldern war der Frost natürliche Unkrautvernichtung.BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher
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