13.10.2017 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Widerstand im Film-Fokus Dreh auf dem Sportplatz

Der Fronberger Christian Forster verlässt die Szene. Er ist Zuschauer eines Fußballspiels am Freitag auf dem Sportplatz des FC Schwandorf. Doch auch sein Auto spielt im Film "Wackersdorf" mit.

Auf dem FC-Sportplatz wurde am Freitag viel Fußball gespielt - für den "Wackersdorf"-Film.
von Irma Held Kontakt Profil

Es ist ein VW-Käfer im Originalzustand, mit dem er selbst noch gelegentlich Spritztouren unternimmt. Das macht ihm Spaß. Doch auch Ettmannsdorfer schauen kurz bei den Filmarbeiten vorbei. Bereits am Mittwoch drehte die Crew um Produzent Ingo Fliess in einem leerstehenden Haus unweit des Fußballplatzes. Ein Nachbar wundert sich, wie aufwendig "so ein Film ist". Sie seien schon den ganzen Vormittag am Arbeiten und hätten noch nichts im Kasten. Sein Augenmerk gilt besonders den alten Autos. Dass zwischendrin Johannes Zeiler alias Hans Schuierer im Trachtenanzug zu sehen ist, interessiert ihn weniger.

In dem Haus wurden zwei Zimmer im Stil der 80er Jahren eingerichtet. "Sogar tapeziert wurde und heute räumen sie das alles wieder auf," erzählt eine Ettmannsdorferin am Freitag auf dem FC-Gelände bei einer kurzen Stippvisite. Auch Irene Maria Sturm ist da. Sie beaufsichtigt die sieben Monate alte Amanda. Die Tochter von Anna Maria Sturm ist schick im Stil der 80er Jahre gekleidet. Sie bekommt einen kleinen Auftritt mit ihrer Mutter, die die Aktivistin Monika mimt.

Zwei reale Figuren

Eine Figur, die sich ganz dem Kampf gegen die WAA verschrieben hat und Züge von Irene Maria Sturm trägt. Bis auf Schuierer und den Landratsamtsjuristen Claus Bößenecker sind alles Typen und keine echten Personen aus dem Widerstand oder der Befürworterseite. Natürlich habe sie die 1983 geborene Anna Maria und ihre jüngere Schwester ans Gelände mitgenommen. "Sie waren oft dabei. Unser Leben hat sich am Bauzaun abgespielt," erzählt Irene Maria Sturm. Aber der Vorwurf von damals, dass die Kinder quasi als Schutzschild an den Zaun vorgeschoben würden, regt sie heute noch auf. "Welche Mutter macht so was?" fragt sie empört mit Blick auf die kleine Amanda. Erinnerungen an die Zeit von damals hat Anna Maria Sturm kaum. Es sei immer viel los gewesen, weiß sie noch.

Das Sportgelände des FC Schwandorf ist nach den Worten von Ingo Fliess genau der richtige Platz, obwohl sich zu WAA-Zeiten dort nichts abgespielt hat. Aber die alte Tribüne und das Gebäude würden in die Zeit passen. Außerdem umgebe das Gelände keine moderne Bebauung, die in einem Film aus den 80er Jahren unglaubwürdig erscheinen würde. Derweil laufen die Fußballer probeweise über den Platz und die Fans stehen auf der Tribüne.

Erste Risse

Am Rande des Spiels kommt es nämlich laut Drehbuch zu einer Begegnung zwischen Landrat Hans Schuierer, seinem Freund und Bürgermeister Josef Pirner (Johannes Herrschmann) und Monika. Pirner kann die Zweifel des Landrats an der WAA nicht nachvollziehen. Erste Risse in der Freundschaft zu Pirner entstehen. Nicht nur im Film, sondern auch in der Realität wurden Freunde und Familien entzweit. Fliess unterstreich erneut , dass es sich um einen Spielfilm handle. Das regionale Thema habe aber Allgemeingültigkeit. Das Projekt stehe mehr oder weniger unter dem Satz Friedrich Hebbels "Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben." Gemeint ist dabei wieder Protagonist Hans Schuierer, der anfangs einer Wiederaufarbeitungsanlage nicht abgeneigt war und zum entschiedenen Gegner wurde. Für den Hauptdarsteller aus der Oststeiermark ist die Figur Hans Schuierer neu, doch der Oberpfälzer Dialekt sei ihm nicht fremd. "Wir sind auch dafür bekannt, dass wir bellen." Vor Hunderten von Jahren seien Oberpfälzer dorthin ausgewandert. Während Zeiler noch erzählt, warten die jungen Fußballer ungeduldig auf ihren richtigen Filmauftritt. "Wir sind aber nur die Kulisse." Stolz sind sie trotzdem. (Seite 3)

Wir haben sie besetzt ohne das biografische Hintergrundwissen.Produzent Ingo Fliess über Anna Maria Sturm
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