08.05.2016 - 18:34 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Zeuge stirbt bei Treppensturz

Er wäre als Zeuge dringend gebraucht worden. Eher nebenbei wurde dann plötzlich vor dem Schwandorfer Amtsgericht deutlich: Der Mann ist tot. Er kam vor wenigen Wochen bei einem Treppensturz in Nabburg ums Leben.

Symbolbild: dpa
von Autor HWOProfil

/Nabburg. Was ereignete sich in der Nacht zum 28. November letzten Jahres in einer Nabburger Wohnung? Fest stand eigentlich nur dies: Zwei eng befreundete Männer zechten ausgiebig, sie konsumierten auch Medikamente wie das in höherer Dosis hoch gefährliche Mittel Diazepam. Um 9.30 Uhr an diesem Tag riefen Leute bei der Polizei an und teilten mit: "Da läuft einer blutverschmiert durch die Stadt."

Streifenbeamte setzten sich auf die Spur des 30-Jährigen, fanden ihn und stellten fest, dass der Mann erhebliche Verletzungen am Kopf und Oberkörper erlitten hatte. Während er ins Krankenhaus kam und keine Angaben machte, musste mühsam geklärt werden, wo er sich aufgehalten hatte. Am späteren Vormittag stand fest: Er kam aus der Wohnung eines Freundes. Als die Polizei dort eintraf, sah sie sich einem alkoholisierten 40-Jährigen gegenüber, der ebenfalls Verletzungen aufwies. Darunter einen Schnitt am linken Unterarm. In den Räumen des Mannes wurden mehrere blutige Messer gefunden. In der Folgezeit gaben die zwei Männer verharmlosende Schilderungen zu Protokoll. Tenor dabei: Nichts passiert, Blessuren im Rausch selbst zugefügt. Und die Schnitte, festgestellt an den Armen beider Saufkumpanen? Das sei wohl, so steht es in den Akten, zu Zwecken einer "Blutsbrüderschafts-Feier" geschehen.

Promille und Medikamente

Vor dem Schwandorfer Amtsrichter Ewald Ebensperger saß jetzt einer der beiden. Bei dem 30-Jährigen, seinerzeit weitaus schwerer verletzt als sein Freund, waren 2,3 Promille und erhebliche Medikamenten-Einwirkungen festgestellt worden. Deswegen lautete die Anklage auch auf Vollrausch. Umfangreich versuchte Ebensperger den damaligen Geschehensablauf zu klären und hörte vom Beschuldigten, dass "ich der Angegriffene war und mich mit einem Klappmesser gewehrt habe." Das kannte so noch keiner.

Dann kam etwas, das den Richter überraschte. Sein damaliger Mitzecher lebe nicht mehr, er sei bei einem Treppensturz gestorben, ließ der Angeklagte in einem Nebensatz anklingen. Daraufhin unterbrach Ebensperger die Verhandlung, befragte zunächst einen draußen als Zeugen wartenden Polizisten und dann das Nabburger Standesamt. Ergebnis: Der 40-Jährige war tatsächlich im Februar beim Fall über 24 Stufen ums Leben gekommen. Angesichts dieser ihm völlig neuen Nachricht befand der Richter: "Wir werden die Vorgänge hier nicht mehr schlüssig klären können." Von daher stellte er das Verfahren gegen den Angeklagten mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft ein.

Nachbarn beleidigt

Es gab allerdings noch einen weiteren Vorwurf. In seiner Wohnung hatte der 30-Jährige nachts lautstark gefeiert. Die alarmierte Polizei kam und sorgte für Ruhe. Danach beleidigte der Mann einen im gleichen Haus wohnenden Nachbarn auf übelste Weise. Weil er nicht zum ersten Mal als Beleidiger auftrat und einige Zeit davor auch schon Uniformierte mit Schmährufen bedacht hatte, bekam der 30-Jährige drei Monate ohne Bewährung. "Es muss Ihnen gezeigt werden, dass es so nicht geht", sagte Amtsgerichtsdirektor Ebensperger in seiner Urteilsbegründung.

Wir werden die Vorgänge hier nicht mehr schlüssig klären können.Amtsrichter Ewald Ebensperger
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