09.02.2018 - 16:08 Uhr
Schwandorf

Zuchtviehmark im Tierzuchtzentrum Bullen und Kühe unterm Hammer

Das gibt es nicht alle Tage. Beim Zuchtviehmarkt im Tierzuchtzentrum schießt der Preis für einen Bullen in die Höhe. Das Tier geht schließlich für 41.800 Euro an die Besamungsstation Greifenberg.

Die Tiere werden in den Ring geführt, wo sie die potenziellen Käufer betrachten und für sie bieten können. ilder: doz (4)
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Franz Weidinger, der Geschäftsführer des Rinderzuchtverbands Oberpfalz, verrät: "Solche Preise erzielen wir nur zwei- bis dreimal im Jahr. 10.000 bis 12.000 Euro für einen Bullen kommen schon öfter vor." Dass der Bulle für so viel Geld versteigert wird, erklärt sich der Geschäftsführer damit, dass es sich bei dem Tier um ein Prachtexemplar mit "einem guten Zuchtwert" handelt. Die Großmutter des Bullen hat vor einigen Jahren den ersten Platz bei der Bundesfleckviehschau in Miesbach erlangt. Die potenziellen Käufer wissen das. Denn ob Vertreter einer Besamungsstation oder Landwirt - sie alle recherchieren, bevor sie für die Tiere bieten.

Beim jüngsten Tierzuchtmarkt herrscht kurz vor der Versteigerung in der Halle noch ziemliche Leere. Die meisten Interessenten schauen sich die Tiere noch einmal aus der Nähe an. Hinken die Kühe und Bullen? Sie sind sie gesund? Auf dem Parkplatz des 2,5 Hektar großen Geländes stehen etliche Autos mit Anhängern. Von den Nummernschildern lässt sich ablesen, dass die Interessenten aus der ganzen Oberpfalz kommen: Amberg-Sulzbach, Tirschenreuth, Regensburg. Das Tierzuchtzentum ist nicht zufällig in Schwandorf. Die Stadt liegt zentral.

Bei jedem Zuchtviehmarkt, der einmal monatlich über die Bühne geht, ist der Tiergesundheitsdienst vor Ort. Die Mitarbeiter sehen sich die Tiere an und prüfen laut Weidinger beispielsweise die Euterqualität. Auch das Veterinäramt ist immer vertreten. Versteigerungen in Schwandorf sind schon Routine. Die erste gab es bereits 1933 im Ettmansdorfer Bummelzentrum. Vor 25 Jahren ist der Rinderzuchtverband zum jetzigen Standort umgezogen.

Bei der jüngsten Versteigerung zieht sich das Bieten um den Prachtbullen eine Viertelstunde. Eine Besamungsstation aus Hohenzell (Österreich) hat dabei den kürzeren gezogen. Wie begehrt das Tier war, zeigten die Preise für die anderen Bullen, die unter den Hammer kamen: Sie gehen beispielsweise für 3500 oder 1800 Euro weg. Einige Kühe finden gar keine Käufer. Bei der Versteigerung preist Weidinger die Tiere an: "Guter Fitnesswert", gute "Milchleistung", "guter Kälberverlauf" oder "an den Melkroboter gewohnt" wirbt er, während die Tiere herumgeführt werden. Die meisten Käufer nehmen die Tiere gleich selber mit. Andere nutzen laut Weidinger Viehtransportfahrzeuge, die in alle Himmelsrichtungen unterwegs sind. "Da mischen wir uns nicht ein", sagt der Rinderzuchtverbands-Vorsitzende. (Marktbericht folgt )

Hintergrund

Der Rinderzuchtverband Oberpfalz, kurz RZO, ist ein Zusammenschluss von rund 2000 rinderhaltenden Betrieben aus der kompletten Oberpfalz mit Sitz in Schwandorf. Seine vorrangige Tätigkeit ist die Zuchtvieh- und Kälbervermarktung.

Einmal im Monat findet am Gelände des RZO ein Großviehmarkt statt. Hier werden Jungkühe, Kühe und Zuchtbulle versteigert.

Im vergangenen Jahr gab es in den Stallungen gravierende Umbaumaßnahmen. Ziel war es, die zum Verkauf stehenden Tiere nicht mehr anhängen zu müssen, bevor sie in den Versteigerungsring kommen. Hierfür wurden zwei Jahre lang Überlegungen getroffen und geplant. Auch andere Verbände in Bayern wurden besichtigt, die bereits seit einiger Zeit diese Investition getätigt haben und ihre Kühe anbindelos vermarkten. Nach und nach gehen bayernweit immer mehr Verbände den Schritt zu dieser neuen Aufstallungsform.

Insgesamt vermarktete der RZO im vergangenen Jahr oberpfalzweit etwa 27.500 Tiere, wobei Kälber den größten Posten einnehmen.

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