27.08.2014 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Zwangspause für Autofahrer: 600 Schafe legen kurzfristig Verkehr lahm in Schwandorf Wenn die große Herde auf der Bundesstraße blökt

Eine der nettesten Szenen im Vorspann der amüsanten Krimi-Komödie "Mord mit Aussicht" zeigt, wie die mit allen Wassern gewaschene Großstadtpolizistin Sophie Haas mit ihrem BMW-Cabrio auf der Landstraße in einer Herde blökender Schafe steckenbleibt und wider Willen warten muss. Dieses Sophie-Haas-Gefühl kann man hin und wieder auch im Landkreis Schwandorf erleben. Kürzlich beispielsweise trieb ein Schäfer seine Tiere über die Bundesstraße 15 nach Süden. Verkehrskollaps inklusive.

Hunderte von Schafen zogen auf der Bundesstraße 15 bei Schwandorf nach Süden und legten eine Zeitlang den Verkehr lahm. Sie gehören einem der wenigen Wanderschäfer aus unserer Region. Er muss seine Tiere im Sommer zwischen dem Steinberger See und dem Vilstal auf unterschiedliche Weidegründe treiben. (Bild: Dobler)
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Die Tiere kamen aus Richtung des Schwandorfer Stadtteils Dachelhofen und überquerten im Stadtsüden kurz nach dem Fast-Food-Restaurant McDonald's die Brücke über dem früheren Bayernwerks-Gleis. Während der Schäfer mit wachsamem Auge voraus zog, sein Helfer die Nachhut bildete und der Hütehund rund um die Herde flitzte, war der ungewöhnliche Zug schon von einiger Entfernung aus zu sehen. Klar war: Es gab kein Durchkommen für die Autos, weder stadtaus- noch stadteinwärts. Und so kam der Nachmittagsverkehr erst einmal zum Erliegen.

Gut im Griff

Die Autofahrer nahmen es meist gelassen, denn so eine Situation erlebt man auch nicht alle Tage, dass das eigene Fahrzeug von hunderten von Schafen umflutet wird. Die Frage, die sich aufdrängte, "darf der Schäfer seine Tiere überhaupt über eine Bundesstraße treiben?", beantwortete Verkehrssachbearbeiter Jürgen Wagner von der Polizei Schwandorf eindeutig mit "ja".

Wagner bezog sich dabei auf den Paragrafen 28 der Straßenverkehrsordnung. Zwar heißt es dort einleitend, "Haus- und Stalltiere, die den Verkehr gefährden können, sind von der Straße fernzuhalten". Sie sind dort aber trotzdem zugelassen, "wenn sie von geeigneten Personen begleitet sind, die ausreichend auf sie einwirken können". In diesem Fall: Schäfer und Helfer. Sie hatten im vorliegenden Fall die rund 600 Schafe gut im Griff. "So ein Schäfer braucht an sich keine Genehmigung für seine Route," erklärte Wagner, "auch wenn Schafherden auf der Bundesstraße 15 eher selten vorkommen". In der Regel würde die Schäfer auf kleineren Straßen von Weideplatz zu Weideplatz ziehen. "Und im übrigen muss in so einer Situation auch der Autofahrer aufpassen und stehen bleiben," verdeutlichte der Verkehrssachbearbeiter.

Weiden am Steinberger See und im Vilstal

Noch genauer kennt Andreas Kosel die Szene. Der Fachberater vom Amt für Landwirtschaft Schwandorf ist für die ganze Oberpfalz zuständig, wenn es um Schafe, Ziegen oder die landwirtschaftliche Gehegewildhaltung geht. "Ich kenne diesen Schäfer, der ist ein Sonderfall, weil er keine festen Sommerweiden hat." So muss er mit seinen 450 bis 500 Mutterschafen und 150 Jährlingen - also dem Schafnachwuchs - durch die Gegend ziehen. "Der Mann hat Weiden am Steinberger See und im Vilstal und ich vermute, dorthin war er unterwegs, bei Bubach über die Anhöhen und von dort runter ins Vilstal Richtung Schmidmühlen; denn das ist der einzige Übergang mit der Herde."

Bis zu 1400 Tiere pro Herde

Der Schäfer von der Bundesstraße 15 ist nicht der einzige Wanderschäfer in der Oberpfalz - von ihnen gibt es knapp zwei Dutzend. "Mit Herden bis zu 1400 Mutterschafen", wusste der Fachberater. Diese besonderen Schäfer haben laut Kosel so viele Tiere wie die 980 restlichen Schafhalter in der Oberpfalz zusammen.

"Die Schafhaltung ist natürlich ein exotischer Bereich bei uns, mit ihr werden nur 0,3 Prozent des Gesamtumsatzes der Landwirtschaft erzielt." Aber Kosel sieht mehr als den Profit, der mit den Tieren gemacht werden kann: "Ein sehr positiver Faktor der Schafhaltung ist die Landschaftspflege." Wer das weiß, wartet gerne, wenn ihm eine Schafherde auf der Straße den Weg abscheidet. Er ist ja in der Regel auch nicht so in Eile wie eine gestandene Kommissarin - wenn es auch nur eine aus dem TV ist.

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