24.01.2018 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Zwei Deals führen hinter Gitter

Die umfangreichen Marihuana-Geschäfte, abgelaufen zwischen einem Fernfahrer und einem Mann aus Schwandorf, führen vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Amberg zu mehrjährigen Haftstrafen. Beide müssen zusätzlich eine Therapie absolvieren.

von Autor HWOProfil

Amberg/Schwandorf. Die Geständnisse der beiden Angeklagten waren so umfassend, dass die Richter auf zahlreiche Zeugen verzichten konnten. Von daher kam es überraschend schon am frühen Abend des ersten Prozesstages (wir berichteten) zu einem Urteil. Die Strafkammer schickte einen 49 Jahre alten Berufskraftfahrer aus Osteuropa für dreieinhalb Jahre hinter Gitter. Er hatte einem 33-jährigen Schwandorfer auf einem Werksgelände in Schwarzenfeld bei zwei größeren Lieferungen insgesamt knapp fünf Pfund Marihuana verkauft. Der Käufer aus Schwandorf bekam drei Jahre und drei Monate Gefängnis.

Beide süchtig

Während der Verhandlung hatte sich ergeben, dass beide Männer als drogenabhängig gelten. In einem Gutachten bestätigte dies der Amberger Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel. Er sprach von "intensivem Konsum" und empfahl die Unterbringung in einer Entzugstherapie. Eine solche Maßnahme, mindestens eineinhalb Jahre dauernd, wurde dann für die Angeklagten auch angeordnet. Die Urteile deckten sich im Wesentlichen mit den Forderungen von Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier.

Bei dem Mann aus Schwandorf, der größere Teile der ersten Marihuana-Lieferung aus Tschechien an Einzelabnehmer verhökerte, war nach der Festnahme im Mai letzten Jahres durch Sonderfahnder des Landeskriminalamts ein sogenanntes Butterfly-Messer gefunden worden. Auf ein Klappmesser stießen die Beamten bei dem Fernfahrer. Er trug es in seiner Jackentasche. Dass die Messer als Waffen bei Rauschgiftgeschäften hätten eingesetzt werden können, verneinten beide Beschuldigten mit Nachdruck. Davon ging später auch das Gericht nicht aus.

Willkommen als Zubrot

Nicht deutlich wurde bei dem Verfahren, von wem der 49-Jährige in seinem Heimatland pfundweise Marihuana bezog, um es in Deutschland zu verkaufen. "Sie hätten das doch bei ihrem Einkommen gar nicht notwendig gehabt", stellte die Vorsitzende Richterin Roswitha Stöber fest. Dieses "Zubrot", entgegnete der Mann, sei ihm durchaus willkommen gewesen. Er habe es gebraucht, um seinen eigenen, sehr intensiven Cannabis-Konsum zu finanzieren. Allerdings habe er den "Stoff" zu Zwecken der Schmerzlinderung genommen.

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