Nitrat im Wasser
Im Landkreis-Süden kritischer

Ein gewohnter Anblick auf dem Land: Ein Landwirt bringt auf dem Feld Gülle aus. In machen Betrieben steigt aus wirtschaftlichen Gründen die Zahl der Rinder. Mehr Tiere bedeutet gleichzeitig auch mehr Gülle. Oftmals so viel mehr Gülle, dass die Landwirte selbst nicht mehr genug Felder zur Ausbringung der Gülle haben. Wenn die Nährstoffe von den Pflanzen im Boden nicht rechtzeitig aufgenommen werden können, gelangen sie durch Regenwasser in Form von Nitrat ins Grundwasser. Bild: hfz
Wirtschaft
Schwandorf
09.01.2017
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Das Thema Nitrat sorgt wieder für Gesprächsstoff. Die eigentlich harmlosen Nitrat-Salze, ohne die es kein natürliches Pflanzenwachstum gäbe, stellen eine ernste Bedrohung dar. Die Dosis macht bekanntlich das Gift. Die "unsichtbare Gefahr" ist für das wichtigste Lebensmittel, das Wasser, nicht wegzudiskutieren.

Nitrat ist ein Pflanzennährstoff und wird als Dünger eingesetzt. Der Mensch nimmt es über Lebensmittel und über das Trinkwasser auf. Nitrat ist nicht gesundheitsgefährdend, kann aber zu Nitrit umgewandelt werden, das den Sauerstofftransport im Blut blockiert. Außerdem gilt es - nach Umwandlung zu Nitrosaminen - als indirekt krebserregend.

Die EU-Kommission hatte Deutschland schon im November wegen zu hoher Nitratwerte vor dem Europäischen Gerichtshof verklagt. Als Hauptursache gilt ein übermäßiger Einsatz von Gülle und stickstoffhaltigem Dünger auf den Äckern. Wo intensive Landwirtschaft betrieben wird - etwa in bestimmten Regionen von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen - ist die Nitratbelastung am größten. Aber auch in Bayern gibt es Probleme. Der Regen kann den Stoff aus dem Boden auswaschen, und er gelangt ins Grundwasser.

"Todesstrafe" der Natur

Rund 74 Prozent des Trinkwasseraufkommens werden in Deutschland aus dem Grundwasser gewonnen - erhöhte Nitratgehalte können daher auch Auswirkungen auf die Qualität des Trinkwassers haben.

"Auf die Verschmutzung des Grundwassers hat die Natur die Todesstrafe gesetzt," sagte einst drastisch der berühmte Wissenschaftler Max von Pettenkofer - wohlgemerkt zu einer Zeit, als die Zustände im "Wasserland Bayern" geradezu paradiesisch anmuteten. Davon sind sie derzeit weit entfernt. So ist Gewässerschutz eines der zentralen Themen - für die Wasserförderer und die Landwirte, aber auch die Landwirtschafts- und die Wasserwirtschaftsämter, die den Landkreis Schwandorf betreuen.

Geologisches Problem

Reinhold Witt, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schwandorf mit Sitz in Nabburg, hat zahlreiche Untersuchungen und Auswertungen zum Thema Nitrat und Gewässerbelastung vorrätig. "Das Problem besteht bei uns im Landkreis punktuell", weiß er und deutet auf einer entsprechenden Karte auf die Region Burglengenfeld. Dort belastet Nitrat das Grundwasser in höherem Masse als im restlichen Landkreis.

"Das ist ein geologisches Problem", sagt der Amtsleiter und erklärt, dass die Gegend zum Oberpfälzer Jura gehört, dessen Karst besonders durchlässig sei: "Der Stickstoff geht auf diese Weise besonders schnell ins Grundwasser." Eine Verbesserung wäre über stickstoffreduzierten Anbau zu erreichen. Man könnte zum Beispiel die Flächen nicht intensiver, sondern extensiver nutzen, so ein Vorschlag. Das Gute dabei: "Die Wasserversorger zahlen mit bei den Schutzmaßnahmen."

Im Bereich Maxhütte-Haidhof/Burglengenfeld arbeitet das Amt mit der Arbeitsgemeinschaft der Landwirte in den Trinkwasserschutzgebieten, den Wasserversorgern (etwa der Stadt Maxhütte) und den Beratungsbüro von Dr. Georg Eiblmeier zusammen, um Verbesserungen im Grundwasserschutz zu erreichen. So werden dort Verträge zwischen Stadt und Landwirten abgeschlossen, die Leistungen der Landwirte entsprechend vergüten, die sich zum Beispiel am Nitrat-Stickstoffgehalt im Boden orientieren. Auch Zwischenfruchtanbau oder Verzicht auf Winterfurche wurden gefördert.

Der Zustand der Gewässer, und damit meint Witt das Grundwasser auf der einen, sowie die Seen und Flüsse auf der anderen Seite, "ist unterschiedlich gut oder schlecht, je nachdem wie man es sehen will". Es sei so, dass es Einträge aus der Landbewirtschaftung gibt. "Das Problem ist erkannt und wir arbeiten gemeinsam mit den Landwirten an einer Verbesserung", versicherte der Amtsleiter. Bayern setzte bisher auf Freiwilligkeit vor Ordnungsrecht. "Deshalb gibt es auch die Fördermöglichkeiten für Bewirtschaftungsauflagen aus dem Kulturlandschaftsprogramm."

Im Schnitt niedriger

Noch einige Zahlen bis zum Jahr 2014: Der für das Nitrat aus Viehhaltung wichtige Indikator Viehbesatz liegt mit 0,99 Großvieheinheiten pro Hektar etwa im oberpfälzer und im bayerischen Durchschnitt. Viehbesätze wie in Niedersachsen mit mehr als 3,0 Großvieheinheiten pro Hektar sind nicht vorhanden.

Blick auf Flüsse und Seen

Was die Belastung der Flüsse und Seen mit Nitrat anbelangt, so ruht der Blick der Landwirtschafts-Fachleute im Landkreis Schwandorf auf dem Rötzerbach im Raum Neunburg vorm Wald, der Murach ab dem Zulauf der Faustnitz bis zur Mündung, sowie ihrer Nebengewässer Steinbach, Faustnitz und Tannenbach. Nicht ohne Probleme geht es auch bei der Schwarzach ab, besonders dem Teil von der Staatsgrenze bis zum Eixendorfer Stausee, sowie schließlich beim Fensterbach und dem Hüttenbach (zur Naab) mit einigen Nebengewässern, etwa dem Hammerbach.

Fensterbach und Hüttenbach haben die Experten besonders genau im Visier. Für die beiden Fließgewässer soll laut Witt "ein Konzept entstehen, mit dem wir etwas verändern". Dieses Konzept soll bis Ende Februar 2017 stehen. Wichtig sei, den Ist-Zustand genau zu erfassen und zu klären, wie viele Reihenkulturen dort angebaut werden (beispielsweise Mais und Kartoffeln), und wie die Fläche ausgenutzt wird: "Gibt es dort Schutzstreifen, wie viele Agrarumweltmaßnahmen gibt es schon?" In vier, fünf Jahren soll sich die Belastung verringert haben, lautet das Ziel. Der Weg dazu ist eine Gewässer schonende Landwirtschaft.

Gefahr: Von Nitrat zu NitritDie durchschnittliche Aufnahme von Nitrat über Nahrungsmittel beträgt etwa 75 Milligramm pro Person und Tag. Problematisch können hohe Nitrat-Gehalte in pflanzlichen Nahrungsmitteln (etwa Spinat) aus überdüngten Kulturen sein, da sich diese im Verdauungsbereich des menschlichen Körpers zu Nitriten umwandeln können und diese mit den Aminen aus eiweißhaltigen Lebensmitteln die krebsverdächtigen Nitrosamine bilden. Die eigentliche Gefahr von Nitrat liegt somit bei einer möglichen Reduktion zu Nitrit im Organismus oder in nitrathaltigen Lebensmitteln bei längerer Lagerung. Bei überdosierter Anwendung in der Landwirtschaft können Nitrate mit dem Niederschlagswasser ins Grundwasser oder Oberflächenwasser gelangen und dessen Nitrat-Belastung erhöhen. Zuviel Nitrat im Trinkwasser kann insbesondere für Säuglinge gefährlich werden.


Das Problem besteht bei uns im Landkreis punktuell.Reinhold Witt, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Schwandorf mit Sitz in Nabburg
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