01.03.2018 - 20:22 Uhr
Schwandorf

Staatssekretär Albert Füracker zu Gast bei MeillerGHP Gläserner Kunde ist Realität

Kaum eine Branche steckt in einem derart schnellen Wandel wie die Druck- und Werbe-Industrie. Das Schwandorfer Unternehmen MeillerGHP stellt sich den Herausforderungen. Wie, davon zeigte sich der Staatssekretär im Finanzministerium, Albert Füracker am Donnerstag beeindruckt.

Geschäftsführer Markus Schmid (links) führte Finanz-Staatssekretär Albert Füracker (Dritter von links) durch die Werkshallen von MeillerGHP. Das Management des Unternehmens begleitete die Delegation, zu der auch OB Andreas Feller (Zweiter von links) gehörte. Bild: Hösamer
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

"Der Durchschnittsmensch macht sich keine Gedanken, wer die Werbebriefe herstellt", sagte der CSU-Politiker, nachdem Geschäftsführer Markus Schmid die Grundzüge modernen Dialogmarketings vorgestellt hatte. Die Entwicklung von MeillerGHP ist exemplarisch für die Veränderungen, in denen die Branche steckt. Wo früher 1000 Seiten starke Kataloge, die für jeden Kunden gleich waren, hergestellt und verschickt wurden, geht es heute um "one-to-one"-Personalisierung, also das Zuschneiden von Werbebotschaften auf den einzelnen Kunden. Dahinter stecken Know-how und aufwendige Technik. Das Wegbrechen des klassischen Versandhandels Anfang der 2000er Jahre hat auch MeillerGHP getroffen, in einer Insolvenz in Eigenverwaltung wurde das Unternehmen neu strukturiert, seit 2015 gehört es zur Paragon-Gruppe mit Sitz in Irland. Das werde sich auch bald nach außen zeigen, sagte Schmid: Noch in diesem Geschäftsjahr wird das Unternehmen an der Gutenbergstraße in "Paragon Customer Communications" umbenannt. Aktuell zähle MeillerGHP 1300 Mitarbeiter, davon 400 in Schwandorf, so Schmid. Der Umsatz liegt bei 80 Millionen Euro.

Modernes Dialogmarketing nutze "die Gläsernheit des Kunden", sagte Schmid, "wir wollen vom Drucker zum Lösungsanbieter werden." Den Werbetreibenden sollen von der Auswertung der Kundendaten an genau zugeschnittene Produkte vorgelegt werden. Das Kundenverhalten lasse sich so genau auswerten, dass erkennbar wird, wann ein potenzieller Käufer auf eine bestimmte Werbebotschaft anspringen würde. Kundenkarten, Online-Verhalten, Wohnort, Jahreszeit, Lebensalter: Das sind einige der Faktoren, die diese Voraussagen ermöglichen. Und schließlich hat MeillerGHP die technischen Möglichkeiten, auf den einzelnen Kunden zugeschnittene Werbung zu drucken - mit unterschiedlichen Texten und Bildern je Adressat - und das ganze auch noch Porto-optimiert zu verschicken. Auch Portal-Lösungen im Internet will MeillerGHP ins Portfolio nehmen. Ein weiteres Thema: Der sichere Umgang mit den sensiblen Kundendaten. Neue Datenschutzrichtlinien, zeigte sich Schmid überzeugt, könnten hier Aufträge, die derzeit in Asien erledigt werden, zurück nach Deutschland bringen.

Dazu braucht es spezialisierte Mitarbeiter. Hochqualifizierte IT-Fachkräfte nach Schwandorf zu holen, das sei schwierig, sagt Schmid. Fachkräfte für die hochmodernen Maschinen zu finden und zu halten, ebenso: "Wir können diese Stundenlöhne wie im Automotive-Bereich nicht bezahlen", sagte Schmid. Die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt mache die Personalgewinnung nicht leichter. Das Unternehmen setze deshalb auf eine familiäre Atmosphäre, biete Weiterbildungsmöglichkeiten und eine flache Hierarchie, ergänzte Sabrina Scharf von der Personalabteilung. Dazu gehöre beispielsweise auch, dass schon Auszubildende Auslandserfahrung sammeln können.

Das Problem des Fachkräftemangels ist Füracker natürlich nicht neu. "Eigentlich ist es mir aber so lieber, als mit zehn Prozent Arbeitslosenquote", sagte der Staatssekretär. Schmid verwies darauf, dass angesichts der guten Lage gerade bei jungen Mitarbeitern der Wille zur Weiterbildung nachlasse. Dabei sei sie der Garant für einen sicheren Job, auch wenn die Zeiten schlechter werden. "Wir dürfen uns nicht in einer Sicherheit wiegen, die so es nicht gibt", antwortete der Staatssekretär. Um es den Mittelständlern leichter zu machen, sei die Politik gefordert, etwa wenn es um den Abbau von Bürokratie geht. "Da sind wir noch nicht so weit gekommen, wie wir wollen", sagte Füracker.

Wir dürfen uns nicht in einer Sicherheit wiegen, die es so nicht gibt.Staatssekretär Albert Füracker

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