28.02.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Teichwirte fürchten um Existenz Fischzucht in akuter Gefahr

Das Produkt ist gefragt, die Qualität bestens, der Preis zufriedenstellend. Den Oberpfälzer Teichwirten ginge es gut, wären da nicht Biber, Otter, Kormoran und Silberreiher. Sie fressen die Weiher leer und bedrohen die Existenz eines ganzen Wirtschaftszweiges.

Der Vorsitzende des Fischereierzeugerrings Oberpfalz, Hans Klupp, kämpft auf allen Ebenen um bessere Rahmenbedingungen für die Teichwirte, die in ihrer Existenz bedroht sind. Bild: Hirsch
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Der Vorsitzende des Fischereierzeugerrings Oberpfalz, Hans Klupp (Plößberg), kämpft auf allen Ebenen um bessere Rahmenbedingungen. Doch ihm sind die Hände gebunden. Er und seine Berufskollegen müssen zusehen, wie der Otter seine Tagesration von einem Kilogramm Fisch ungehindert verschlingen kann.

Diversität erhalten

Bei der Mitgliederversammlung des Fischerzeugerrings am Montag in der Gaststätte des Tierzuchtzentrums stellte Hans Klupp die Grundsatzfrage: "Will die Gesellschaft die bestehende Biodiversität aufrechterhalten?" Wenn ja, dann müsse der Gesetzgeber Maßnahmen zum Erhalt der 1000-jährigen Kultur der Fischzucht in der Oberpfalz ergreifen. Sie sei akut gefährdet. Doch die politischen Mandatsträger fehlten an diesem Abend. Außer Bezirksrat Volker Liedtke, der den Teichwirten die Kontaktaufnahme mit "ihren" Abgeordneten empfahl: "Die Zeit ist günstig, wir sind in einem Wahljahr".

Ringberater Alexander Schiener bestätigte: "Die Fischräuber verursachen große wirtschaftliche Schäden bis hin zu Totalausfällen." Sein Kollege Peter Ertl kündigte ein neues Fischotter-Monitoring an, bei dem zunächst bayernweit die Population des Wassermarders festgestellt werden soll. Im Landkreis Schwandorf wurde der Raum Oberviechtach als Monitoring-Gebiet ausgewählt. Bis zu 80 Prozent der vom Otter verursachten Schäden können die Teichwirte zurückerstattet bekommen, wenn sie Antrag stellen. Aber nur solange das Geld reicht. 250 000 Euro pro Jahr hat der Freistaat in den Entschädigungsfonds eingestellt. Für das Jahr 2017 seien aber bereits Anträge mit einer Schadenssumme von einer Million Euro eingegangen, so Fischotterberater Peter Ertl. Da bleibe für den einzelnen Teichwirt nicht viel übrig.

Schwieriges Verfahren

Angesichts der ausweglosen Situation tragen sich immer mehr Teichwirte mit dem Gedanken, ihren Betrieb aufzugeben und die Flächen anderweitig zu nutzen. Doch das Verfahren ist komplex, wie Reinhold Witt erläuterte.

In Anlehnung an einen Werbespot im Fernsehen empfahl der Leiter des Landwirtschaftsamtes Nabburg den Besitzern: "Wenn Sie aus einem Teich einen Acker machen wollen, dann fragen Sie das Landwirtschaftsamt, das Wasserwirtschaftsamt und die Naturschutzbehörde". Erst wenn diese Fachbehörden den "Persilschein" ausgestellt haben, könne der Teichwirt tätig werden. Ansonsten müsse er die erhaltenen Zuschüsse zurückzahlen. Gerald Sturm vom Team "Naturschutz" am Landratsamt Schwandorf bereitete die Antragssteller auf ein langwieriges Planfeststellungs- und -genehmigungsverfahren vor, wenn sie ihre Fischgewässer umwidmen wolle. Die Fachstellen "Wasserrecht, Naturschutz, Bauamt und das Veterinäramt" müssten zu dem Vorhaben gehört werden.

Die Fischräuber verursachen große wirtschaftliche Schäden bis hin zu Totalausfällen.Ringberater Alexander Schiener
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