06.02.2017 - 16:52 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Tote Ente in Oberviechtach Immer neue Verdachtsfälle von Vogelgrippe

Geflügelpest und noch kein Ende: Das Landratsamt hat für die drei neuen Bereiche jeweils einen Sperrbezirk von drei Kilometern und ein zusätzliches Beobachtungsgebiet von zehn Kilometern rund um den Fundort eingerichtet. Ungute Nachrichten kommen auch aus dem östlichen Landkreis.

Mit neuen Warnschildern weist die Kreisbehörde seit Montag auf die jeweils drei Sperrbezirke und Beobachtungsgebiete hin, die sich aus dem Auftreten der Geflügelpest im Landkreis Schwandorf ergeben haben. Bild: Hirsch
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Denn Hans Prechtl bekräftigte am Montag auf Nachfrage noch einmal, dass dem Landratsamt weitere tote Vögel gemeldet wurden, für die noch kein Befund vorliegt. "Man hat in Oberviechtach eine tote Ente gefunden", konkretisierte der Behördensprecher. Ob sie mit dem Aviären-Influenza-Virus-Subtyp H5 N8 verseucht ist, könne man noch nicht sagen - obwohl beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit in Erlangen unter Hochdruck daran gearbeitet werde. Parallel wurden vom Kreisbauhof die ersten entsprechenden Warnschilder aufgestellt, am Dienstag geht diese Arbeit weiter. Auf ihnen steht "Wildvogelgeflügelpest-Sperrbezirk" oder "Wildvogelgeflügelpest-Beobachtungsgebiet".

Das Beobachtungsgebiet rund um Schwandorf. Für eine größere Kartenansicht klicken Sie bitte auf die Kartenvorschauen unter dem Artikel.

Der Sperrbezirk rund um Schwandorf

Der Schwandorfer Sperrbezirk umfasst die Stadt selbst sowie einige westliche und nördliche Ortsteile wie Fronberg und Ettmannsdorf. Das deutlich größere Beobachtungsgebiet zieht sich in den Norden bis nach Stulln, beinhaltet also auch Schwarzenfeld, Schwarzach sowie in den anderen Richtungen Burglengenfeld, Teublitz, Wackersdorf, Steinberg, Fensterbach und Schmidgaden.

Das Beobachtungsgebiet rund um Teublitz

Der Sperrbezirk rund um Teublitz

Auch im Raum Nittenau gibt es einen Sperrbezirk (Nittenau und zahlreiche Ortsteile) sowie ein Beobachtungsgebiet. Es umfasst noch Bodenwöhr und Bruck. Im Landkreis-Süden liegen Teublitz und Maxhütte-Haidhof im Sperrbezirk und zusätzlich Burglengenfeld, viele Ortsteile von Nittenau, Schwandorf und viele seiner eingemeindeten Dörfer, Steinberg am See und einige Ortsteile von Wackersdorf.

Das Beobachtungsgebiet rund um Nittenau

Der Sperrbezirk rund um Nittenau

Kritik an Stallpflicht

Für die Bevölkerung wurde unter der Nummer 09431/471-146 ein Bürgertelefon zur Geflügelpest eingerichtet. Die bestehende Stallpflicht und das Verbot von Ausstellungen, Märkten und Veranstaltungen mit Geflügel bleiben bestehen. Da Tauben häufig in gemischten Beständen mit Ziergeflügel gehalten werden und als passive Überträger des Erregers dienen können, betrifft das Verbot auch reine Taubenausstellungen.

Wie Züchter darüber denken, das hat zwischenzeitlich Karl-Wolfgang Brunner als Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Nittenau und Umgebung in einem Statement geäußert (siehe Kasten unten). Seiner Meinung nach sollte die Stallpflicht "wirklich nur sehr eng auf Gebiete beschränkt werden, in der die Geflügelpest nachgewiesen ist."

Kleintierzüchter: "Für Halter von glücklichen Hühnern eine unerträgliche Weise"

Mit Bezug auf die Diskussion um die Tierkeulung in Höllohe wünscht sich Karl-Wolfgang Brunner als Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins Nittenau und Umgebung, dass sie "bei Sachargumenten" bleibe. "Wir gehen davon aus, dass es sich der Landrat und die Veterinärbehörden nicht leicht gemacht haben und wohl alle Möglichkeiten durchgespielt haben, um eine Keulung der Tiere zu verhindern", betonte Brunner in einer Stellungnahme unserer Redaktion gegenüber.

Ein Anzeichen dafür sei zum Beispiel, "die Tatsache, dass die Keulungsaktion rechtzeitig im vorhinein angekündigt wurde". Leichtfertig sei es, etwas anderes zu behaupten, urteilt Brunner, so etwas gehe ihm zu weit: "Letztendlich müssen die Kreisveterinärbehörden die Gesetze und Verordnungen durchführen, wobei wir im Sinne einer bürgernahen Vorgehensweise davon ausgehen, dass sie dabei jeglichen Ermessensspielraum ausgenutzt haben und ausnutzen werden."

Der Vorsitzende des Kleintierzuchtvereins hat aber ein anders Anliegen: "Was sehr wohl geändert werden kann, ist die Aufhebung der landesweiten Stallpflicht für das Geflügel durch das bayerische Staatsministerium als Sofortmaßnahme." Diese Stallpflicht sollte "wirklich nur sehr eng auf Gebiete beschränkt werden, in der die Geflügelpest - die fälschlich als Vogelgrippe bezeichnet wird - nachgewiesen ist". Dass eine Stallpflicht im Ergebnis nichts bewirke, habe der Fall Höllohe eindrucksvoll unterstrichen.

"Diese EU-weite Aufstallungspflicht muss weg, denn sie beeinträchtigt die Halter von glücklichen Hühnern, die noch Freilauf haben und noch Tageslicht genießen können, in unerträglicher Weise", ist sich Brunner sicher. Außerdem müssten die Gesetze auch insofern geändert werden, dass prophylaktische Impfungen künftig erlaubt sind, um eine Infektion der Hühner durch Wildgeflügel vorbeugend ausschließen zu können. "Denn für uns als Züchter seltener Geflügelrassen ist es nicht hinnehmbar, wenn über Nacht Rassen umgebracht werden, für deren Erhaltung sich Generationen über Jahrhunderte bemüht haben." Die Züchter hätten keine Tierarten, die im Handumdrehen neu gekauft werden können.

Sein gezogenes Fazit: "Hier sind die Politiker und hier insbesondere unsere Abgeordnete gefragt, ihren Einfluss in Land, Bund und EU geltend zu machen, um die heutigen, überholten und überzogenen Gesetzesregelungen endlich zu überarbeiten."

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