07.09.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Dokumentationszentrum slawische Besiedlung im Schwarzachtal Schmuckstück auf dem Hügel

Der Name ist etwas sperrig. "Dokumentationszentrum slawische Besiedlung im Schwarzachtal" nennt sich das kleine Museum, das seit einem Jahr die Kulturszene im Landkreis bereichert. Es birgt einige Schätze, und der "Tag des offenen Denkmals" am nächsten Sonntag ist eine gute Gelegenheit, es kennenzulernen.

Das Bild entstand vor zehn Jahren bei einer archäologischen Grabungskampagne unweit Weiding (Gemeinde Schwarzach bei Nabburg), als Studenten und Ortsheimatpfleger Heinrich Schwarz (links) die Überreste eines slawischen Brunnens sicherten.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Wer sich in diesem Teil des Landkreises nicht so gut zurecht findet, ist vielleicht gut beraten, sein Auto-Navi zu programmieren. Denn das Museum befindet sich zwischen den kleinen Dörfern Weiding und Richt, unweit von Altfalter (Gemeinde Schwarzach). Leicht zu finden ist es nicht, aber es liegt idyllisch auf einer kleinen Anhöhe. Wenn man oben steht, hat man einen schönen Blick über die sanft gewellte Landschaft. Vor einem breitet sich auch ein Acker aus, auf dem von jungen Archäologen vor gut zehn Jahren die Überreste einer slawischen Siedlung gefunden wurden - was später der Auslöser für den Bau des Museums wurde. Höhepunkt war dabei ein Kastenbrunnen samt Holzeimer, der aus dem Jahr 765 nach Christus stammt. Ein Nachbau des Brunnen wurde zwischenzeitlich im Dokumentationszentrum aufgebaut, das seit einem Jahr geöffnet hat.

Museum 2016 eröffnet

Drei Namen haben mit der musealen Einrichtung besonders zu tun: Der frühere Schwarzacher Bürgermeister Alois Böhm, für den die Einweihung des Museums im Sommer 2016 die letzte große Amtshandlung war, bevor er verstarb; Sabine Stangl als Vorsitzende des 2009 gegründeten Trägervereins mit dem Namen "Johanniverein zur Dokumentation slawischer Besiedelung im Schwarzachtal", sowie der nimmermüde Schwarzacher Ortsheimatpfleger Heinrich Schwarz, auf dessen Funden die Ausstellung basiert. Schwarz geht seit über 30 Jahren über die Felder und hat auf dem bei der Lehrgrabung untersuchten Areal Relikte aus der Slawenzeit und deutlich ältere gefunden. Er geht davon aus, dass die Gegend um Dietstätt bereits Jahrhunderte vor Christus besiedelt war.

Das Museum wurde an die Johannihütte angebaut, die den umliegenden Orten als Treffpunkt und für gut frequentierte Veranstaltungen dient. Noch nie dort waren allerdings Landrat Thomas Ebeling und der neue Bezirksheimatpfleger Dr. Tobias Appl, die diese Bildungslücke nun füllten. Auf Einladung von Schwarzachs Zweitem Bürgermeister Franz Grabinger fuhren sie diese Woche zum Dokumentationszentrum, wo ihnen Heinrich Schwarz eine ausführliche Führung angedeihen ließ, wobei er den Inhalt jeder Vitrine und alle anderen Ausstellungsstücke kenntnisreich vorstellte.

Schulen angeschrieben

Im Johanniverein wünscht man sich nicht nur, dass die Menschen aus der Region ihr museales Schatzkästchen kennenlernen, das zwischen Mai und Oktober immer Sonntagvormittag geöffnet ist (nächsten Sonntag 10 bis 17 Uhr; sowie auf Anfrage). Vorsitzende Sabine Stangl hat außerdem die Sommerferien genutzt, eine Unmenge an Schulen anzuschreiben und Lehrer und Schüler zu einer besonderen Art des Heimatkundeunterrichts einzuladen.

Archäologen aus Wien und Bamberg

Auf Anregung von Ortsheimatpfleger Heinrich Schwarz begannen im Jahr 2002 die beiden Hochschullehrer Dr. Hans Losert (Bamberg) und Prof. Erik Szameit (Wien) mit ihren Archäologie-Studenten in der Flur "Messhofzell" nordwestlich von Dietstätt (Gemeinde Schearzach) zu graben. Es bestätigte sich, dass dort im Frühmittelalter eine slawische Siedlung bestand, deren Namen man nicht kennt. Höhepunkt der Forschungsgrabungen, die in den Jahren 2005 bis 2007 jeden Sommer fortgesetzt wurden, war die Bergung eines Brunnens aus dem Jahr 765 nach Christus. Umfangreiche wissenschaftliche Texte befassen sich befassen sich seitdem mit dieser slawischen Siedlung; ein Überblick ist im Internet zu finden (Suchbegriff "Dietstätt"). (td)

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