15.02.2018 - 17:48 Uhr

Staatssekretär will mit Baukindergeld Kommunalentwicklung lenken Leben im Ortskern

Die Sanierung der Scheune des Schlossbauernhofes zu einem Dorfstadl ist ein gelungenes Beispiel der Leerstandsoffensive. Davon überzeugt sich am Donnerstag in Altfalter der parlamentarische Staatssekretär im Bundesbauministerium Florian Pronold. Für den SPD-Politiker ist es damit aber noch nicht getan.

Staatssekretär Florian Pronold (Zweiter von links) besichtigte auf Einladung von Marianne Schieder (Fünfte von links) den Schlossbauernhof in Altfalter. Die Sanierung der Scheune ist auch ein Vorzeigeprojekt der Leerstandsoffensive. Gleichzeitig stärkt sie das Wir-Gefühl im Dorf. Bilder: twi (2)
von Irma Held Kontakt Profil

-Altfalter. Der Niederbayer möchte die Ortskerne wieder mit Leben erfüllen. Innenentwicklung nennt sich das und das ist Balsam auf die Seelen von Bürgermeistern im ländlichen Raum, von denen sich einige ebenfalls in Altfalter eingefunden haben. Der Bundespolitiker nennt erfolgreiche Beispiele des von Kommunen in Eigenregie betriebenen Programms "Jung kauft Alt". Pronold, der auf Einladung von MdB Marianne Schieder Altfalter und abschließend Burglengenfeld besuchte, sieht im Baukindergeld die einmalige Gelegenheit lenkend einzugreifen. Wie er bei einem Gespräch im Landgasthof erläuterte, will er dem "Donut-Prinzip" entgegenwirken. "Donut-Prinzip" deshalb, weil die Mitte leer ist. Und dieses amerikanische Gebäck soll Pronold zufolge lieber gegessen werden, als für die Städte- und Kommunalplanung Pate zu stehen.

Pronolds Reanimation für entvölkerte Ortskerne fußt auf zwei Säulen. Über die Städtebauförderung können Kommunen einen Managementplan entwickeln, will heißen Bestandaufnahme von Leerständen und Angebote an Familien. Das in den Koalitionsverhandlungen beschlossene Baukindergeld will er "so gestalten, dass es Lenkungswirkung hat". Auf dem Land soll es selbstverständlich auch der Eigentumsförderung dienen, aber mit dem Ziel, bestehende Gebäude zu sanieren oder Baulücken zu schließen.

Weil sich auch auf dem Land Wohnverhalten ändert, erlegt sich der Staatssekretär keine Denkverbote auf. "Der Wunsch nach einem Haus mit großem Garten nimmt ab." In einer älter werdenden Gesellschaft werde barrierefrei zum großen Thema und "die Sach' daheim zu groß". Er könne sich Mehrgenerationenhäuser ebenso vorstellen wie beispielsweise An-, Auf- oder Umbauten in Holzständerbauweise.

"Attraktiv ist es, alte Substanz mit Neuem zu kombinieren." Sein Blick schweift dabei zum sanierten Dorfstadl des Schlossbauernhofes. Einzelheiten zur Sanierung und Finanzierung dieses Leerstandes sowie zu weiteren Arbeiten auf dem Gelände steuerte Schwarzachs Zweiter Bürgermeister Franz Grabinger bei. Auch unter sozialen Gesichtspunkten ist für Pronold das Projekt gelungen. "Städtebauförderung ist Zusammenleben. Wir sehen hier, wie sie ein ganzes Dorf zusammenbringt." Bürgermeister Hans Gradl, der eigens seinen Urlaub unterbrochen hat, fügt hinzu: "Leute haben sich extra Maschinen gekauft, die jetzt hier stehen." Leerstandsoffensive, so Pronold, habe eben auch eine soziale Funktion, wie die Dorfgemeinschaft Altfalter beweise.

Marianne Schieder war dieser Besuch aus Berlin schon allein deshalb ein Anliegen, weil "die Leute auf dem Land Angst haben, dass Geld nur in die Städte gepumpt wird". Mit Hilfe lenkender Fördergelder solle es auch gelingen, "in ländlichen Gemeinden junge Leute zu halten".

Donuts sollten lieber gegessen werden, als Gegenstand der Städte- und Kommunalplanung zu sein.Florian Pronold, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit

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