13.04.2017 - 21:42 Uhr
Oberpfalz

45-Jähriger gefährdet mit Traktor Polizisten und rammt Dienstfahrzeuge [3. Aktualisierung] Haftbefehl wegen versuchten Mordes

Was anfangs nach einem harmlosen Routineeinsatz aussah, entwickelte sich zu einem Großeinsatz der Polizei. An dessen Ende standen beschädigte Streifenwagen, mehrere Schüsse und ein Verletzter.

Auf einem Feld bei der Ortschaft Wölsendorf endete die Flucht eines 45-Jährigen vor der Polizeikontrolle.
von Benjamin Tietz Kontakt Profil

Eine Streife der Polizeiinspektion Nabburg wurde am Gründonnerstag gegen 15.15 Uhr in den Schwarzacher Ortsteil Wölsendorf gerufen. Dabei ging es nach Polizeiangaben um ein totes Tier, weshalb die Beamten auf einem Feld nahe Wölsendorf mit einem 45 Jahre alten Mann aus dem Landkreis Schwandorf sprachen.
Wie Albert Brück, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, mitteilte, stieg der Mann daraufhin wieder in seinen Traktor und fuhr davon. Die Polizisten hegten allerdings Zweifel an der Fahrtüchtigkeit des Mannes, weshalb sie sich dazu entschlossen, ihn einer Verkehrskontrolle zu unterziehen. Laut Brück fuhr die Streife dem Traktor hinterher und gab ihm die üblichen polizeilichen Anhaltesignale. Wie der Sprecher weiter darlegte, machte der 45-Jährige aber überhaupt keine Anstalten stehenzubleiben. Im Gegenteil: Er versuchte zu flüchten. Die Fahrt führte unter der Autobahn hindurch zur Kläranlage, dann nach
Brensdorf und schließlich wieder nach Wölsendorf und aus dem Ort heraus.

Verstärkung gerufen

Die Streife hatte zwischenzeitlich Verstärkung gerufen und versuchte, den Traktor zum Anhalten zu bewegen. Keine Chance: Während seiner annähernd 30 Minuten andauernden Flucht ist der 45-Jährige wohl in sehr gefährlicher Weise auf Polizeibeamte zugefahren und außerdem mit zwei Dienstfahrzeugen kollidiert. Die Verfolgung setzte sich auf der Straße nach Oberwarnbach fort, als der Traktorfahrer plötzlich in ein Feld einbog und so scheinbar versuchte, seine Verfolger abzuhängen. Doch die Polizeiautos – Brück sprach von fünf bis sechs Wagen – blieben dem Mann auf den Fersen. Auf dem Feld rammte ein Auto den Traktor und brachte ihn zum Stehen. Im Laufe des Einsatzes griff die Polizei neben Pfefferspray und Einsatzstock auch zur Dienstwaffe: Der 45-Jährige wurde von einem Schuss am rechten Unterschenkel getroffen. Das bestätigte die Polizei am Freitagnachmittag. Zu welchem Zeitpunkt des Einsatzes dies geschah, steht aber noch nicht fest. Auch die Frage, wie viele Schüsse insgesamt abgegeben wurden, konnte Polizeisprecher Brück vor Ort nicht beantworten. Das werde jetzt ermittelt. Allerdings steht fest: „Es hat mehr als ein Kollege geschossen“. Zwei Polizeibeamte wurden außerdem durch das Pfefferspray leicht verletzt.
Die Beamten nahmen den Flüchtigen fest und leisteten Erste Hilfe. Er wurde dann zur ärztlichen Versorgung in ein Krankenhaus eingeliefert. Vor Ort waren auch Kräfte der Kriminalpolizeiinspektion Amberg sowie des Landeskriminalamtes, was nach einem Polizeieinsatz mit Schusswaffengebrauch üblich ist. Der Leitende Staatsanwalt aus Amberg kam ebenfalls nach Wölsendorf, um sich dort mit den Ermittlern zu besprechen.

Traktor sichergestellt

Die beschädigten Polizeiautos wurden abgeschleppt, der Traktor ist für weitere Ermittlungen sichergestellt. Laut Mitteilung der Polizei vom Freitag ermitteln die Kriminalbeamten gegen den Tatverdächtigen auch wegen des Verdachts der Trunkenheit im Straßenverkehr sowie des Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Zeugen gesucht

Am Freitagvormittag nahmen Beamte der Kriminalpolizeiinspektion Amberg den Weg des Traktors in Augenschein und sicherten Spuren. Dabei erhielten die Ermittler laut Polizeisprecher Brück Unterstützung aus anderen Dienststellen im Präsidialbereich. Für die Ermittler sind Personen oder Verkehrsteilnehmer, die durch den Traktor gefährdet oder geschädigt wurden, wichtige Zeugen. Diese – aber auch Anwohner oder Passanten, die Angaben zu den Geschehnissen machen können, – sollen sich unter Telefon 09621/890-0 mit der Polizei in Verbindung setzen.

Nach der regelrechten Amokfahrt durch Wölsendorf erließ ein Ermittlungsrichter am Samstagvormittag nun Haftbefehl gegen den Mann. Der 45-Jährige wird sich wegen des dringenden Verdachts des versuchten Mordes zum Nachteil von Polizeibeamten verantworten müssen. Wie das Polizeipräsidium am Samstag mitteilte, sieht die Staatsanwaltschaft das Mordmerkmal zur Verdeckung einer Straftat als erfüllt an. Konkret heißt das: Der 45-Jährige hat nicht angehalten, um eine andere Straftat – zum Beispiel eine mögliche Trunkenheitsfahrt oder Fahren ohne Führerschein – zu verdecken. „Der Tatverdächtige wurde den Justizbehörden übergeben“, heißt es weiter. Weitere Ermittlungen der Kriminalpolizei laufen.

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