03.04.2018 - 20:10 Uhr
Oberpfalz

Amokfahrt unter Dauerfeuer - Landwirt vor Gericht Wie ein Bock auf dem Traktor

Er tanzt gern und hätte sich eine Bäuerin auf seinem Hof gewünscht. Nun sitzt der 47-Jährige vor dem Amberger Schwurgericht und muss sich den Vorwurf gelassen lassen, ein Verbrecher zu sein. Zweifacher Mordversuch, erfolgt bei einer völlig außer Kontrolle geratenen Traktorfahrt in und um Wölsendorf, steht laut Anklage im Raum.

Symbolbild: dpa
von Autor HWOProfil

Amberg/Schwarzach. Was ist da geschehen am 14. April letzten Jahres? Wenn es nach Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier geht, handelte es sich um zweifachen Mordversuch. Doch das Schwurgericht unter seiner Vorsitzenden Roswitha Stöber will das alles in sechs Prozesstagen haarklein aufklären. Denn da saß am Gründonnerstag letzten Jahres ein Mann auf seinem Traktor, der satte 2,2 Promille hatte. Ein Alkoholkranker, wie seine Rechtsanwälte jetzt sagen. Einer, der bei Trennungen von Freundinnen einen halben Kasten Bier pro Tag leer trank.

Warnungen verhallen

Fakt ist: Der heute 47-Jährige besaß längst keinen Führerschein mehr. Er stand unter Verdacht, immer wieder mal betrunken mit seinem Trecker auf die 38 Hektar umfassenden Felder und Wiesen zu fahren. Auch am 14. April 2017. Rein zufällig bekommt er außerhalb von Wölsendorf (Gemeinde Schwarzach) Kontakt mit zwei Nabburger Polizisten. Sie suchen nach einem toten Schaf, befragen den Fahrer kurz. Er gibt eine eher knappe Auskunft, macht einen irritierten Eindruck und tuckert davon. Die Beamten fahren ihm nach. Sie erfahren über Funk: "Das ist wohl der Mann, der ohne Führerschein fährt." Kontrolle ist angesagt. Dann überstürzen sich die Ereignisse: Fahrzeugüberprüfung nicht mehr möglich, der 47-Jährige auf seinem Bock stoppt nicht. Verfolgung ist angesagt. Ein Polizeiobermeister (27) steigt aus, geht dem Trecker zu Fuß hinterher. Der Bulldog kommt frontal auf ihn zu: Drei Warnschüsse in die Luft, dann Flucht zur Seite. Die Frontladerschaufel schrammt an seinem Kopf vorbei.

Es geht weiter: Der Nabburger Kollege (41) verfolgt den Bulldog mit seinem Streifenwagen, touchiert den Traktor, steigt ebenfalls aus. Die Jagd geht zu Fuß weiter. Der Hauptkommissar öffnet im Laufschritt unter Mühen und leichter Verletzung die Fahrertür, fordert zum Halten auf, schießt dann auf das rechte Bein des Amokpiloten. Doch der stoppt nicht, obwohl schwer am Unterschenkel getroffen.

Er gibt nicht auf

Nächster Akt: Ein zufällig eintreffender Polizeihundeführer aus Amberg bekommt Berührung in seinem Dienstwagen mit dem Trecker. Auch er feuert. Doch die dicken Reifen lassen Projektile abprallen. Dann kommen Autobahnpolizisten aus Schwandorf ins furiose Spiel. Einer von ihnen fordert, vor dem Bulldog stehend, das Aufgeben. Dies lässt den 47-Jährigen unberührt. "Da habe ich das ganze Magazin auf die Reifen abgefeuert", sagt der Beamte jetzt vor dem Schwurgericht.

Nahezu 20 Schüsse aus Dienstwaffen werden abgegeben. In die Luft und gezielt auf die dicken Pneus des stählernen Kolosses. Die Jagd hat erst ein Ende, als die Hydraulik des schweren Bulldogs getroffen wird. Ab dann rattert der Traktor auf einem Feld nahe Wölsendorf nur noch im Kreis herum. Er wird, um ihn endgültig zu stoppen, vom nachfolgenden Wagen des Amberger Hundeführers frontal gerammt. Finale: Herausgezogen, Handschellen, Erste Hilfe. Für diese Versorgung hat sich der Bauer nun bedankt. Er geht noch heute an Krücken. 

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