09.02.2018 - 15:22 Uhr

Leere "Kleine Bühne" Theater mit Verspätung

Die "Kleine Bühne" ist gehörig in Verzug - ausgerechnet mit dem 20. Stück. Nichts wird aus der hintersinnigen Unterhaltung zur besten Nockherbergzeit. Die Unterauerbacher Laienspieler führen sich erst im nebligen November wieder auf. "Wir sind halt ein wilder Haufen", sagt Markus Held.

Noch sitzen Mitglieder auf der leeren, kleinen Bühne - Markus Held, Norbert Lehner, Franz Grabinger, Anton Grabinger und Monika Graf (von links) - und suchen ein passendes Stück für den November. Bild: Held
von Irma Held Kontakt Profil

-Unterauerbach. Anton Grabinger übersetzt den "wilden Haufen" ins Behördendeutsch: loser Zusammenschluss bürgerlichen Rechts. Markus Held und Norbert Lehner, die als Schippe und Schaufl in den "G'spenstermachern" vielen in Erinnerung sind, nicken dazu anerkennend, fast so als wären sie im Pfarrsaal schon wieder voll in einem Stück und in ihrem Element.

Nur in dieser Rechtsform kann die Gruppe ein Konto führen, Geld ausgeben, spenden und kassieren. Hinter der "Kleinen Bühne" stehen, das ist aus den beiden Beschreibungen herauszufiltern, theaterbegeisterte Leute, die keinen Verein und keine Satzung brauchen, um eine Komödie publikumswirksam auf die Bretter, die bekanntlich die Welt bedeuten, zu bringen. Genauso unkonventionell führen sie Regie. "Da gibt es die da oben und die da unten," heißt es lapidar. Aha!?!

Franz Grabinger löst das Rätsel. Es handelt sich nicht etwa um ein Hierarchiegefälle, sondern um die, die gerade auf der Bühne stehen und diejenigen, die in der ersten Reihe sitzen, ihre Mitspieler kritisch beäugen und Anweisungen geben. "Die unten sitzen neigen dann zum Perfektionismus", sagt Norbert Lehner augenzwinkernd. Monika Graf findet das gut. "Einige stellen sich immer wieder die Frage, was und wie Text und Szenen beim Publikum ankommen." So sieht bei der "Kleinen Bühne" Regiearbeit aus. Und aus dieser Gemengelage heraus, entsteht gute, kurzweilige, witzige Unterhaltung.

A propos Perfektion: Gibt, wie beim letzten Stück "Da Opa, da Babba und i" das Drehbuch vor, dass der Opa in einen Weiher fällt, ist er hinterher auch pitschnass. "Neig'falln is' nei'gfalln", bemerkt Lehner nur, der vor zwei Jahren den Opa spielte. Der Perfektion geschuldet war es auch, dass die Unterauerbacher Laienspieler vor Jahren bei Maskenbildnerin Andrea Grabinger das Nassrasieren lernten. So eine perfekte Rasur auf der Bühne hat dann ihren zeitlichen Preis. Allerdings haben sich die Schauspieler, ganz egal, ob es sechs, acht oder zehn sind, zum Ziel gesetzt, vor Mitternacht das Publikum aus dem Pfarrsaal zu entlassen.

Ihre Primärsozialisation holten sich sämtliche Bühnen-Mitglieder bei Hirtenspielen an Weihnachten oder Sketchen zur Landjugendzeit. Dem Landjugendalter entwachsen, gründeten sie zu Beginn der 90er Jahre, die "Kleine Bühne", die seitdem im Zwei-Jahres-Rhythmus in Aktion tritt. Klein deshalb, weil die Bühne keine großen Umbauten verträgt, es dort genauso eng ist wie im Zuschauerraum und das Publikum fast auf der Bühne hockt. "Bei uns sitzen Sie in der letzten Reihe auch noch in der ersten," formuliert Markus Held einen Werbeslogan, den Franz Grabinger ergänzt: "Und sehen jedes Loch im Strumpf."

Diese räumliche Enge, das Zusammenrücken, macht den Reiz der Location aus. Dabei klammern sich die etwa 20 Leute der losen Theatergruppe außerhalb der Saison nicht unbedingt aneinander, sondern gehen ihrer Wege. Nach eineinhalb Jahren beginnt das Fieber langsam zu steigen. Monika Graf und Franz Grabinger packt es oft als Erste. Sondierungen beginnen. "Sollt ma wieder?" "Könnt ma wieder?" "Wer kann überhaupt?" Zu Jahresanfang ging es vielen aus privaten und beruflichen Gründen zu dick rein, um den Kopf fürs Theater frei zu haben, also wurde die Saison nach hinten verschoben. "Auch die Familienplanung muss wohldurchdacht und mit dem Spielplan abgestimmt sein", sagen die fünf "Kleine Bühne"-Vertreter.

Wer oben steht, wechselt von Saison zu Saison. Anton und Franz Grabinger etwa kümmern sich mehr um Bühnenbau und Backstage. Es kommen immer Neue dazu. Aber: "Ganz junge Leute und bis 30 könnten wir schon wieder brauchen", meint Monika Graf. Sie träumt von einem Klassiker wie den "Verkauften Großvater" oder "Die drei Eisheiligen". "Es gibt Theaterstücke, die man mal gespielt haben muss." Für den November heißen die Favoriten aber "Die Rollator-Gang" oder "Das Regenwurm-Orakel". Monika Graf darf weiter vom Klassiker träumen.

Theatersaison

Die Theatersaison, die gut ein Vierteljahr dauert, beginnt mit der Ausleihe einer Reihe von Texten. Dann werden die Lustspiele gelesen, zum Beispiel nach den Kriterien: ein Bühnenbild ohne Umbau, nicht zu viele Abgänge, nicht zu viele Personen, nicht nur Schenkelklopfer. Mit Anmerkungen versehen, liest ein Zweiter die Stücke, die in die engere Wahl kommen. Ist die Entscheidung gefallen, werden die Textbücher bestellt. Die Rollen werden vorher besetzt. Die Kosten und Tantiemen richten sich nach der Anzahl der Aufführungen und der Zuschauer. Die "Kleine Bühne" gibt sechs Vorstellungen. Zu den ersten Proben sollen die Texte bereits sitzen. Die Probenphase zieht sich acht bis neun Wochen hin. 20 bis 25 kommen zusammen. Geprobt wird aktweise. Auch das Bühnenbild macht die Theatergruppe selbst. (ihl)

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