22.08.2014 - 00:00 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

30 Jahre alte Gaudi-Maschine von Schwandorf nach Schwarzenfeld überführt Schnupfer-Kanone für's Museum

Mit dieser Kanone wird weder auf Spatzen geschossen, noch kann man mit ihr etwas Kriegerisches anstellen. Sie diente und dient seit 30 Jahren allein dem Vergnügen der organisierten Schnupfer. Jetzt hat das gute Stück einen neuen Platz gefunden - im Schnupfer-Museum an der Fichtenstraße.

von Siegmund KochherrProfil

Die hölzerne Konstruktion wurde von einer kleinen Delegation des Schwandorfer "Clubs der Schnupfologie" von Neukirchen, einem Ortsteil der Großen Kreisstadt, nach Schwarzenfeld überstellt. In Neukirchen stand die Schnupfer-Kanone im Haus von Schreiner Josef Bräu, der die kuriose Maschine für ein Schwandorfer Bürgerfest anno Tobak angefertigt hatte, zur Belustigung der Fest-Flaneure.

Und so geht's

Die Kanone funktioniert so: Aus ihrem Rohr ragt ein kleines Hölzchen hervor, das vorne mit zwei Vertiefungen versehen ist. Sie werden mit Schnupftabak gefüllt. Eine Knallkapsel und eine Spannfeder für den Schnappmechanismus am hinteren Ende der kleinen Kanone dienen als Auslöser. Sie sorgen dafür, dass das Hölzchen vorne ein paar Millimeter nach oben schnalzt, der geneigten Nase des Schnupfers entgegen. Dieser wiederum muss im richtigen Moment (Knall!) hochziehen, um nichts von dem Tabak zu verschwenden. Außerdem hat diese Kanone noch zwei Räder für den bequemen Transport.

So weit, so gut. Natürlich dient die Kanone nur der Gaudi und so stand sie die meiste Zeit funktionslos auf dem Dachboden von Josef Bräu herum. Als dort nun "ausgemistet" wurde, stellte sich die Frage nach dem künftigen Verbleib der Spezialmaschine.

Zur "Eisernen Berta"

"Wir hatten keinen Platz", bedauerte Siegfried Krettner, der dem Schwandorfer Geselligkeitsverein seit 16 Jahren vorsteht. So kam man auf die Idee, die Freunde in Schwarzenfeld zu kontaktieren - immerhin haben die dortigen Schnupfer ein eigenes Schnupfer-Museum, das im Vereinsheim eingerichtet wurde. Daher bereichert die handgefertigte Schnupfer-Kanone seit neuestem das Museum, das schon mit ähnlichen Kuriositäten aufwarten konnte: einer kleinen Schnupfer-Maschine beispielsweise oder einer Schnupfer-Kanone aus Metall, die "Eiserne Berta", die mit Luftdruck gleich zwei Schnupfer bedienen kann und die vom verstorbenen Mitglied Siegfried Ebert entworfen und gefertigt wurde.

Was die Neuerwerbung anbelangt, so ist der Schwarzenfelder Schnupfer-Chef Sepp Stangl überzeugt, "dass diese Kanone wohl die größte in Deutschland sein dürfte".

Heute Museum geöffnet

Wer sich das Schnupfer-Museum ansehen möchte, hat die Möglichkeit dazu an den Trainingstagen des Vereins, also jeweils am Freitag ab 19 Uhr im Heim an der Fichtenstraße. Im Nebenraum schillert es aus den Vitrinen in vielen Farben, man sieht die ungewöhnlichsten Formen und Behältnisse für Schnupftabak. Und irgendwo findet sich dort auch die neue alte Schnupfer-Kanone.

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