20.03.2018 - 16:28 Uhr
Schwarzenfeld

Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept für Schwarzenfeld 60 Schritte in die Zukunft

Die lustigste Idee kommt Experten Jens Gerhardt beim Blick in die Minibar des Schwarzenfelder Schlosshotels. "Hier ist Bier billiger als Wasser", stellt er überrascht fest. Ganz klar: "Damit müssen wir werben." Es gibt aber auch zahlreiche gehaltvolle Überlegungen zu hören, als der neue "Geschäftsplan" für die Zukunft des Marktes vorgestellt wird.

Dipl.-Ing. Arch. Jens Gerhardt (links) vom Leipziger Stadtplanungsbüro "UMS - Urban Management Systems" an einer der vier Schautafeln, an denen die Besucher nach seinem Vortrag zum Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept für Schwarzenfeld ihre Meinungen kundtun konnten. Bilder: Dobler (2)
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Im gut gefüllten kleinen Saal des Restaurants Miesberg ging am Montagabend der vorletzte Akt für das Integrierte Städtebauliche Entwicklungskonzept über die Bühne. Hier hatten nocheinmal Planer und Bürger das Wort. Im April soll dann der Marktrat die 100-seitige Handlungsanweisung auf den Weg bringen. Was da drin steht, ist nicht für heute und morgen. Die Planer haben die nächsten eineinhalb Jahrzehnte im Blick. "Wir denken an den Zeitraum bis 2030", präzisierte Bürgermeister Manfred Rodde. Es geht um nicht weniger als "fast 60 zukunftsweisende Projekte und Aktivitäten zur Vorwärtsentwicklung von Schwarzenfeld". Erarbeitet wurden sie in den vergangenen 13 Monaten, unter anderem bei zwei "Bürger-Werkstätten". Dabei nahmen die Beteiligten auch so heikle innerörtliche Stellen wie die Miesberg-Allee ins Visier, den Bahnhof und das frühere Brauerei-Areal.

Experten aus Leipzig

Ins Boot geholt hat sich der Markt für die Analysen und Planungen des zurückliegenden Jahres das Leipziger Stadtplanungsbüro "UMS - Urban Management Systems". Dessen Vertreter, Dipl.-Ing. Arch. Jens Gerhardt, stellte im Saal das Geheft und seine wichtigsten Inhalte vor, das im Internet gelesen werden kann. Es findet sich auf der Startseite der Homepage des Marktes www.schwarzenfeld.de

"Ab Seite 47 werden Ziele benannt", sagte Gerhardt. Die Seiten davor dienen einer Bestandsaufnahme, dann geht es mit einer Maßnahmenstrategie weiter, die in Handlungsfelder, Schlüsselprojekte und Leitprojekte aufgeschlüsselt ist. Diese Maßnahmenstrategie als "ISEK-Herz" bildet die konkreten Arbeitsaufträge der Marktentwicklung bis 2030 ab. "Mit jedem einzelnen Projekt der Maßnahmenstrategie werden Zielstellungen des Leitbildes und Defizite der Stärken-Schwäche-Analyse adressiert", hieß es. Ganz wichtig dabei: Dass man egoistische Interessen möglichst hinten anstellt und gemeinsam vorgeht. Denn die "Maßnahmenumsetzung als gemeinsames Handeln von Marktpolitik, -verwaltung und Bürgerschaft soll den Standort Schwarzenfeld stabilisieren und fit für die Zukunft machen".

In den vier Handlungsfeldern werden Ideen vorgestellt, wie zentrales Wohnen gut angebunden sein könnte, wie man kreatives Unternehmertum und soziales Engagement fördert, wie ein lebendiges Zentrum des Marktes aussehen könnte und wie sich eine offene und fürsorgende Gemeinschaft im Ort etabliert.

Zum Beispiel befasst sich das Schlüsselprojekt "Haus statt Lücke" mit dem Ziel, die zahlreichen, zum Teil seit Jahrzehnten nicht genutzten Bauplätze für junge Familien zugänglich zu machen. Diese Bauplätze wurden mit hohem Aufwand erschlossen und liegen jetzt brach.

Wohnen in Miete

Das nachgeordnete Leitprojekt "Zukunft Miete" fokussiert beispielsweise maßgeblich auf das fehlende Angebot an Mietwohnungen im Markt. Ansatz des Projektes ist es, die innerstädtischen Brachflächen vorrangig für den Miet- und Eigentumswohnungsbau zu aktivieren. Zu großen Teilen ist der Markt bei diesem Projekt auf die Kooperationsbereitschaft der Brachflächeneigentümer angewiesen.

Auch der Außenwirkung gilt ein Gedanke. "Wir müssen offensiver, breitschultriger und selbstbewusster auftreten", wünschen sich jene, die am Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept mitgearbeitet haben.

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