11.04.2018 - 21:38 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Interview mit Sechzig-Kult-Torwart Michael Hofmann Erst in die Sandgrube und dann ein echter "Löwe"

Er war noch ein echter "Löwe": Michael Hofmann stand von 1996 bis 2010 bei 1860 München im Tor - immer laut, immer bissig. Danach wechselte der gebürtige Bayreuther zum SSV Jahn. Bis vergangene Saison stand er noch beim Süd-Bayernligisten SV Pullach im Kasten. Eigentlich hat er seine Karriere mit jetzt 45 Jahren beendet. Am Rande seines Torwart-Tages zuletzt in Schwarzenfeld verriet Hofmann aber, dass er immer noch die Handschuhe überzieht, wenn er gebraucht wird.

Michi Hofmann veranstaltet auch Torwart-Tage. Bild: Maier
von Josef Maier Kontakt Profil

Hallo Michael, eigentlich haben Sie ja Ihre Karriere jetzt endgültig beendet, aber so ganz können Sie es doch nicht lassen.

Naja, ich bin Torwartrainer bei Türk Gücü München und dort nebenbei auch Stand-by-Torwart. Sollte also mal was passieren, stehe ich im Tor. Hauptsächlich habe ich jetzt die Torwartschule mit den Torwart-Tagen. Da habe ich mir in diesem Jahr bayernweit 15 Veranstaltungen vorgenommen. Und bei DAZN bin ich auch ab und an noch Experte.

Bei solchen Torwarttagen, wie Sie sie veranstalten, wird für die Jungs und Mädels total gesorgt. Zu Ihrer Anfangszeit gab es das damals sicherlich noch nicht.

1980 habe ich mit dem Fußballspielen begonnen und hatte als Torwart kein großes Talent. Aber ich habe damals stundenlang trainiert, mit meinem Bruder, auch in einer Sandgrube. Mit 15 Jahren habe ich dann schon in der ersten Mannschaft meines Vereins trainiert. So was wie heute gab es da überhaupt nicht. Heute sind bei mir auch lizenzierte Trainer mit dabei.

Sie haben es dann bis in die erste Liga ins Tor von 1860 München geschafft. Wie ist heute Ihr Kontakt zum abgestürzten Verein?

Ich bin zwar immer wieder mal beim Training, aber mittlerweile bin ich fast acht Jahre weg von Sechzig. Ich habe auch keinen Kontakt zum Vorstand. Vielleicht wollen sie auch keine Leute haben, die deutlich ihre Meinung sagen und Probleme offen ansprechen. Als Torwarttrainer brauchen sie mich auch nicht, das muss ich dann so akzeptieren.

Es soll ja jetzt zwei Fronten geben: Die einen um Ex-Trainer Werner Lorant wollen die schnelle Rückkehr in Liga zwei, die anderen, wie der Vorstand, wollen kein finanzielles Risiko mehr eingeben. Wie stehen Sie dazu?

1860 macht sich einfach viele Probleme selbst. Es muss da mal eine Gemeinschaft geschaffen werden, man muss gemeinsam Lösungswege suchen. Dieses Lagerdenken muss einfach mal weg.

Dennoch steht die Rückkehr zumindest in die 3. Liga an.

Durch die Regionalliga-Meisterschaft haben sie jetzt die Möglichkeit über die Relegation. Ich denke, das ist auch zu schaffen. Man muss dann mal in der 3. Liga mittelfristig bestehen. In drei Jahren kann man dann vielleicht wieder die 2. Liga in Angriff nehmen. Aber man muss aber auch bedenken, es gäbe ja dann auch keine Spielstätte.

Zu etwas Erfreulicherem: Ihr zweiter Ex-Klub, der SSV Jahn Regensburg, spielt eine richtig starke Saison ...

Ich bin begeistert. Ich war zuletzt mal gegen Heidenheim da. Mit der Punktezahl konnte man wirklich nicht rechnen. Die haben keine Mannschaft mit großen Namen, aber sie haben einen Kern, der funktioniert. Und sie haben auch das nötige Spielglück. Wenn sie zwischen den Plätzen acht bis zehn landen, haben sie eine Top-Saison gespielt.

Warum war für Sie als Franke eigentlich nie der Club ein Thema?

In der Jugend durfte ich nicht zum 1. FC Nürnberg. Ich musste erst meine Ausbildung fertigmachen, das wollte meine Mama so.

Und später?

Im Jahr 1998 hatte ich schon mit Club-Manager Schorsch Volkert verhandelt. Und dann machte der damalige Löwen-Keeper Bernd Meier, der leider bereits verstorben ist, im Derby gegen Bayerns Carsten Jancker diesen Riesenfehler und ich war eine Woche später bei 1860 München die Nummer eins.

Geht der Club hoch?

Der Club muss hoch, sage ich als Oberfranke. Ich freue mich, was Michael Köllner da erreicht hat. Er macht einen guten Weg. Ich hoffe, dass es auf Zielgeraden gut geht.

Am 3. Juni stehen Sie in Weiden im Tor. Beim Team "Bananenflanke", das auf die tschechischen Legenden um Pavel Nedved trifft.

Ja, unser Kapitän Benny Lauth hat mich schon aufgestellt. Bei so einer Benefizveranstaltung will ich natürlich dabei sein. Ich hoffe nur, dass wir an diesem Tag kein Aufstiegsspiel mit Türkgücü haben.

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