21.07.2017 - 20:00 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

33-Jähriger gewinnt Marihuana - Bewährungsstrafe Hanfplantage an einem Kiesweiher

Schwandorf/Schwarzenfeld. Sehr ungewöhnlich: In der Nähe eines Kiesweihers bei Schwarzenfeld standen an abgelegener Stelle Kübel, aus denen Cannabispflanzen zu stattlicher Größe heranwuchsen. Zur "Ernte" kam die Polizei. Doch zuvor musste der Hanfsprossen-Gärtner gefunden werden. Im Regelfall stoßen Ordnungshüter bei Wohnungsdurchsuchungen eher zufällig auf Cannabispflanzen. Die grünen Sprösslinge stehen oft auf Balkonen, mitunter werden solche wuchernden Marihuana-Lieferanten auch in Schränken gefunden. Nicht selten gedeihen sie unter der Wärme spezieller Lichtanlagen.

von Autor HWOProfil

Freiluftplantagen sind eher selten. Bei Niedermurach wurde mal eine stattliche Cannabis-Anpflanzung mitten im Wald gefunden. Aber auch in der Nähe von Gewässern können sie heranwachsen. Neun solcher Hanfbüsche standen im Sommer 2016 unweit eines Kiesweihers bei Schwarzenfeld. Sie wuchsen aus Kübeln und fielen irgendwann auf. Wem gehörten sie? Wie konnte die von der Kleinplantage informierte Polizei auf die Spur des bis dahin anonymen Anbauers kommen?

Beim Gießen gefilmt

In Absprache mit einem Jagdpächter wurde eine an sich zur Wildbeobachtung gedachte Kamera installiert. Und siehe da: Das Gerät lieferte Bilder, auf denen ein Mann zu sehen war, der die zu stattlicher Höhe gewachsenen Cannabispflanzen goss. Denn Wasser brauchten sie ebenso wie Sonneneinstrahlung.

Nicht lange danach stand die Identität des 33-Jährigen fest. Vor dem Schwandorfer Amtsrichter Thomas Heydn gab der Mann nun sofort zu, dass er mit seiner gärtnerischen Aktion das Rauschgift Marihuana zum Eigenverbrauch gewinnen wollte. Die Samen stammten aus einem Ankauf im Internet, wobei der Richter auch erfuhr, dass es sich "um zwei männliche und sieben weibliche Sämlinge" handelte.

Zur Vermeidung von Kosten hatte Richter Heydn auf die Ladung von Zeugen verzichtet. Vor ihm saß ein Mann, der schon einmal den Versuch gestartet hatte, Cannabis selbst anzubauen und jetzt sehr ernsthaft versucht, von seiner Drogensucht loszukommen. "Ich bin in eine ambulante Therapie gegangen", berichtete er und fügte hinzu: "Ich war froh, als damals die Polizei gekommen ist."

Urteil rechtskräftig

Das Geständnis rechnete ihm Staatsanwalt Holger Vogl strafmildernd an. Allerdings hielt er dem Angeklagten vor, dass er schon einmal illegal Hanf angebaut hatte. Vogls Strafantrag: Sechs Monate Haft mit Bewährung und 900 Euro Geldauflage. Der 33-jährige Angeklagte konterte in seinem Schlusswort. Die Haftstrafe, sagte er, nehme er hin. Nicht aber die Geldauflage. Denn die könne er angesichts eines eher schmalen Einkommens nicht bezahlen.

Richter Heydn halbierte, wenn man so will, die Forderung des Anklagevertreters. Er verhängte drei Monate Haft mit Bewährung und setzte 500 Euro Geldbuße hinzu. "Diese Summe können Sie mit monatlich 25 Euro abzahlen", ließ der Vorsitzende erkennen. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig. Die Hanfplantage am Kiesweiher war nach ihrer Entdeckung von Polizisten abgeerntet und die grünen Triebe entsorgt worden.

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