21.02.2018 - 16:28 Uhr
Schwarzenfeld

Düstere Prognosen bei der Tego-Versammlung Teichwirte am Rand des Ruins

Fischotter, Biber und Kormoran machen seit Jahren den Teichwirten das Leben schwer und führen so manchem Betrieb an den Rand des Ruins. Klimawandel und gesetzliche Bestimmungen bauen zusätzliche Hürden. So mancher Teichwirt wirft das Handtuch.

Vorsitzender, MdL Alexander Flierl, und Geschäftsführer Konrad Bartmann stehen an der Spitz der TEGO Oberpfalz.
von Richard BraunProfil

In der Oberpfalz gibt es mehr als 14 000 Teiche, die einer Fläche von 10 000 Hektar entsprechen. Für 3500 Teichwirte im Haupt- oder Nebenerwerb ist dieser Wirtschaftszweig Lebensgrundlage. Die Interessen diese Berufszweiges werden durch die Teichgenossenschaft Oberpfalz mit Sitz in Stulln vertreten. Zur Mitgliederversammlung konnten Vorsitzender, MdL Alexander Flierl und Geschäftsführer Konrad Bartmann Teichwirte aus ganzen Oberpfalz in der Miesberggaststätte begrüßen. Die Stimmung im voll besetzten Saal war alles andere als euphorisch. Zuviele Hindernisse werden den Teichwirten in den Weg gelegt. Dagegen gilt es sich zu wehren.

Im Unterstützen, Beraten und Begleiten sieht MdL Flierl die Hauptaufgabe der Tego. In ihren Händen liegt auch das erfolgreiche Marketing für den Oberpfälzer Karpfen. "Gerade angesichts der Schwierigkeiten kommt dem Schulterschluss von Politik, Erzeuger und Verbraucher besondere Bedeutung zu", ist der Vorsitzende überzeugt. Nur gemeinsam könnten Strategien entwickelt werden, welche die Folgen abmindern. Die Teichwirtschaft fällt in die Zuständigkeit des Landwirtschafts- und des Wasserwirtschaftsamtes. Deren Vertreter, Reinhold Witt und  Thomas Ring, warnten die Teichwirte vor Alleingängen und stellten ihnen eine umfassende Beratung und Unterstützung in Aussicht. Mit den Folgen des Klimawandels setzte sich  Raimund Schoberer auseinander. Steigende Temperaturen führen zu einem häufigen Wechsel von Trockenperioden mit Starkregenfällen. Dies muss besonders bei der Standsicherheit von Dämmen berücksichtigt werden. Dazu gehören funktionsfähige Hochwasserentlastungsanlagen (Dammscharte) und ausreichender Freibord. Bäume und Sträucher sind je nach Gefährdungspotenzial von den Dämmen zu entfernen. Hier gilt der Grundsatz: Sicherheit geht vor Naturschutz.

Scheu vor Papierwust

Die erklärten Feinde der Teichwirte sind die tierischen Räuber Fischotter, Biber und Kormoran. Der Fischotter richtet die weitaus größten Schäden an.  Peter Thoma, Vorsitzender der Tego Oberfranken, spricht von "unglaublichen Schäden, die an die Existenz gehen. Es ist bereits fünf nach zwölf. Die Schäden können mit Geld nicht mehr ausgeglichen werden", lautet seine düstere Prognose für die Zukunft. Der Staat ersetzt die Schäden, die der Fischotter verursacht, mit 80 Prozent. Voraussetzung ist, dass der Teichwirt einen entsprechenden Antrag stellt. Viele Betroffene scheuen den Papierwust an Anträgen, der dafür notwendig ist und verzichten lieber. 2015 betrug die Schadenssumme 250 000 Euro. Heuer wird das Vierfache erwartet. Der Fischotter ist besonders geschützt und darf weder bejagt noch entnommen werden. Der Teichwirt ist dem Räuber hilflos ausgeliefert.

Monitoring geplant

"Dies soll sich in Zukunft ändern" lautet deshalb die Forderung der Geschädigten. Die beiden Fischotterbeauftragten, Peter Ertl für die Oberpfalz und Alexander Horn für Oberfranken, erläuterten die Schritte, die dazu eingeleitet wurden. Als erstes soll ein unabhängiges Monitoring Klarheit über die Population und die Schäden des Räubers schaffen. Dafür wurden vier Teichgebiete in der Oberpfalz ausgewählt. Von diesem Ergebnis ist das weitere Vorgehen abhängig. Bis eine endgültige Entscheidung durch die EU gefallen ist, werden noch Jahre ins Land ziehen.

Bis dahin bleibt nur der Schadensersatz durch den Staat. Schäden müssen zeitnah dem Fischotterbeauftragten gemeldet werden. Wichtig dabei ist es, den Schaden genau zu dokumentieren und etwaige Spuren zu sichern. Das Führen eines Teichbuches ist zur Pflicht geworden. Erst wenn dies alles vorliegt, kann die Schadensmeldung bearbeitet werden. MdL Alexander Flierl stellte zudem eine Aufstockung des Entschädigungsfonds durch die Staatsregierung in Aussicht.

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