23.01.2018 - 20:00 Uhr
SchwarzenfeldOberpfalz

Gütertransport mit Rauschgiftlieferungen verbunden Fernfahrer mit heißer Fracht für einen Dealer

Amberg/Schwandorf. Erst gab es Kostproben. Dann kamen die großen Lieferungen. Insgesamt fast fünf Pfund Marihuana, aus Tschechien von einem Lkw-Fahrer nach Schwarzenfeld transportiert und dort einem Schwandorfer Dealer übergeben. Beide Männer sitzen nun vor dem Amberger Landgericht auf der Anklagebank.

von Autor HWOProfil

Der Mann aus einem kleinen osteuropäischen Dorf kam regelmäßig in die Oberpfalz. Mit seinem Lastzug lieferte der 49-Jährige Verpackungsmaterial aus. Doch er hatte auch noch Frachten dabei, die später eine Spezialeinheit des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA) interessierten. Er lernte auf dem Gelände eines Schwarzenfelder Unternehmens einen Schwandorfer kennen, der dort arbeitete. Dem 33-Jährigen war seine Vorliebe für Cannabis-Pflanzen regelrecht anzusehen. Oder anders: Er hatte sich die Blätter auf den Körper tätowieren lassen. Das führte zu ersten Gesprächen des Fernfahrers aus dem Nachbarland mit seinem neu gewonnenen Freund.

Hoher Gewinnanteil

Der Brummi-Kapitän konnte Marihuana liefern. Im März letzten Jahres gab es zunächst zwei kleinere Proben für den 33-Jährigen. Der war als Großabnehmer in den Blick gefasst und zeigte sich nicht abgeneigt. Am 18. März brachte der Fernfahrer in seinem Lkw zwei Pfund Marihuana mit und verkaufte es in Schwarzenfeld für 4000 Euro. Ein Schnäppchenpreis war das unter Insidern.

Danach ging der 33-jährige her, verbrauchte einen Teil des Marihuanas für sich selbst und verhökerte, wie Oberstaatsanwalt Thomas Strohmeier jetzt in seiner Anklageschrift auflistete, 850 Gramm gewinnbringend im Raum Schwandorf. Grammpreis dabei: 12 Euro.

Am 6. Mai kam der Fernfahrer wieder über die Grenze, um Verpackungsmaterial an einen Kunden nach Schwarzenfeld zu liefern. Diesmal hatte er knapp drei Pfund Marihuana dabei. Quasi als Anzahlung bekam er 2000 Euro. Das war kurz nach 8 Uhr an diesem Morgen. Um 8.07 Uhr griffen Spezialfahnder des Landeskriminalamts zu. Sie hatten Wind von den Deals bekommen und lagen auf der Lauer.

Messer dabei

Nach ihrer Festnahme kamen die beiden Männer in U-Haft. Nun sitzen sie vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Amberg. Dort legten alle zwei zum Prozessauftakt umfangreiche Geständnisse ab. Dabei stellte sich heraus: Der Fernfahrer hatte bei seiner Verhaftung ein Klappmesser dabei, bei dem Schwandorfer wurde im Rahmen einer Hausdurchsuchung ein sogenanntes Butterfly-Messer gefunden. Beide betonten: "Die Messer wären bei Rauschgiftgeschäften nie zum Einsatz gekommen." Fest steht unterdessen: Der 33-Jährige aus Schwandorf ist drogenabhängig. Das gilt auch für seinen Marihuana-Lieferanten. Allerdings auf einer anderen Ebene. Der 49-Jährige will Produkte aus Cannabispflanzen zur Bekämpfung ständig bei ihm auftretender Schmerzen konsumiert haben. "Das ist intensiv geschehen", sagte ein Toxikologe aus Erlangen nach Auswertung einer bei dem Mann entnommenen Haarprobe.

Absehbar ist, dass die beiden Männer Haftstrafen von über drei Jahren bekommen. Gleichzeitig aber dürfte die Erste Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Roswitha Stöber bei den Beschuldigten nicht um die Einweisung in den längerfristigen Drogenentzug in einer geschlossenen Klinik herumkommen.

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