07.03.2018 - 20:00 Uhr
Schwarzenfeld

Industrieruine am Naabufer "Lost Place": Bronzewerk

Objekte, die dem Zerfall ausgesetzt sind, werden "Lost Places" (verlorene Orte) genannt. Die Zukunft dieser Areale liegt oft im Ungewissen. Neubaupläne, Renovierungen oder ein kompletter Abriss sind meist nicht leicht in die Tat umzusetzen. Auch in der Marktgemeinde finden sich einige solcher verlorener Orte. Einer von ihnen regt immer wieder die Fantasie der Schwarzenfelder an.

Auch wenn manche Hobbyfotografen gerne in der romantisch-gruseligen Location der Ruine Bilder machen würden, darf das Areal nicht betreten werden.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Das sogenannte Bronzewerk im Ortsteil Hammer würde sich für "Lost Place"-Fotografen sehr gut eignen. Allerdings besteht derzeit keine Möglichkeit, das Gelände zu betreten, nachdem vor kurzer Zeit die letzten Lücken geschlossen und "Betreten verboten"-Schilder aufgehängt wurden.

In dem Werk an der Naab wurde über Jahrzehnte Aluminium-Bronze (Anstrichmittel) hergestellt. Es gehört immer noch der Carl Schlenk AG in Roth, die Maschinen wurden nach Asien verlagert und produzieren dort weiter Metallpigmente.

Der Rektor a.D. Oswald Wilhelm widmete in der "Chronik Schwarzenfeld" die Seiten 181 bis 186 diesem geschichtsträchtigem Ortsteil "Hammer", worauf Hans Dobler in einer Schwarzenfeld-Gruppe auf Facebook aufmerksam macht.

Dobler schreibt: "1925 gründete die Firma Auerbach aus Fürth an dieser Stelle (früher Glasschleif- und Polierwerk) eine Bronzefabrik. Am 9. September 1930 kam es in diesem Werk zu einer heftigen Aluminiumstaub-Explosion, die in zehn Kilometer Umkreis noch zu hören war. Das Werk wurde total zerstört. Um die erforderlichen Genehmigungen zu erhalten, so eine gefährliche Produktion innerorts neu aufzubauen, hat es einige Jahre gedauert.

1935 wurde das Werk neu aufgebaut, es firmierte unter Bronze-Farben-Werke AG Schwarzenfeld. Die Haupteigentümer waren Juden und mussten deshalb im Zuge der Arisierung 1936 den Betrieb aufgeben. Die Nachfolge trat die Firma Bronzefarben-Werke A.G. vorm. Carl Schlenk an.

Hauptabnehmer der Produkte aus diesem Werk waren das Volkswagenwerk in Wolfsburg. Die Lieferungen erfolgten weltweit. Selbst die Zeppeline wurden in Friedrichshafen mit Schwarzenfelder Bronzepulver gestrichen. Das Pulver, hochexplosiv, wurde auch in den Torpedoladungen der Deutschen U-Boote verwendet.

Im Laufe der Zeit verlagerte sich das betriebliche Geschehen auf das rechte Naabufer, so das die gefährlichen Stampfräume links der Naab leer standen. Die Türme, vier an der Zahl, wurden so konstruiert, dass bei einer eventuellen Explosion die Druckwelle in das nichtbesiedelte Gebiet gelenkt würde. Ein Privatmann aus Stefling bei Nittenau erwarb die alten Fabrikanlagen auf der linken Seite mit dem Wasserkraftwerk."

Seit 16 Jahren zu

Auch andere Schwarzenfelder verbinden mit dem Werk Erinnerungen. Beispielsweise, dass es "in der Bronzegießerei es sehr oft gebrannt hat. Fast wöchentlich musste die Feuerwehr ausrücken", wie es in einem Facebook-Beitrag heißt. "Mein Opa hat da damals gearbeitet und manchmal durfte ich mit rein schauen", erzählt eine junge Frau und ein weiterer Zeitzeuge ergänzt: "Das Werk hat vor etwa 16 Jahren geschlossen. Mein Vater war einer der letzten, der darin gearbeitet hat, er wurde Richtung Nürnberg versetzt."

Wie es mit der Werksruine weitergeht, war vonseiten der Besitzer nicht in Erfahrung zu bringen. Die Carl Schlenk Aktiengesellschaft ist ein international erfolgreiches Familienunternehmen. Gegründet 1879 findet sich der Stammsitz des Unternehmens im mittelfränkischen Barnsdorf in Roth bei Nürnberg. Pressesprecherin Dr. Daniela von Schlenk reagierte auf eine entsprechende Nachfrage per Mail nicht.

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