21.08.2008 - 00:00 Uhr
SchwarzhofenOberpfalz

Sagenwanderung entführt ins finstere Mittelalter - Räuberische Kinder und gnadenloser Inquisitor Heimatgeschichte hautnah erlebt

Marodierende Hussiten streifen durchs Schwarzachtal, eine Kinderbande bestiehlt Kaufleute, ein Kräuterweiblein soll als Hexe verbrannt werden: In düstere Zeiten entführten Kulturförderkreis und Theaterfreunde bei ihrer Sagenwanderung, die diesmal rund um Schwarzeneck führte.

von Adolf MandlProfil

Weit über 200 Zuschauer aller Altersklassen hatten sich zu später Stunde am Dorfplatz eingefunden. Ihnen wurde eine spannende, unterhaltsame und lehrreiche "Zeitreise" geboten. In den einzelnen Spielszenen ließen sich die Ereignisse der Vergangenheit hautnah erleben.

Schwer geplagte Region

Als Nachtwächter hieß Organisator Gerhard Würl die Wanderer willkommen. Und dann ging's zurück ins Jahr 1428 - "eine schlimme Zeit", wie Würl erklärte. Missernten, Hungersnöte und die Pest hatten die Oberpfalz heimgesucht. Die "Schuld" für solche Plagen sei damals bösen Geistern, Juden oder kräuterkundigen Frauen gegeben worden. Letztere wurden schnell als "Hexen" gebrandmarkt, bei entsprechenden Verdachtsmomenten sei man mit dem Urteil schnell bei der Hand gewesen.

Mit der "gewählten" Jahreszahl befanden sich die Wanderer auch mitten in den Hussitenkriegen. Schwarzhofen und das Kloster waren damals mehrmals geplündert und niedergebrannt worden. Vor diesem Szenario begann auch die Handlung: Während eines Markttages auf dem Dorfplatz klagten fahrende Kaufleute über hussitische Überfälle auf ihre Wagenzüge. Ein fränkischer Kaufmann forderte vom einheimischen Ritter Tristram von Zenger gar Schadensersatz. Mehrere Ordensfrauen, die aus dem geplünderten Kloster nach Schwarzeneck geflohen waren, baten den Zenger um Geleit für einen Rückzug ins "Mutterkloster" nach Regensburg.
Unterwegs trat plötzlich ein "Kräuterweibl" vor die Zuschauer, pries seine Künste an, klagte aber auch über das schlechte Ansehen ihres "Standes". Auf dem weiteren Wege trafen die Wanderer auf eine räuberische Kinderbande. Würl erklärte, dass nach der Pest viele Kinder als Waisen aufwuchsen und sich eben auch mit Diebstählen durchschlugen. Wurden sie erwischt, erwarteten sie allerdings drakonische Strafen, beispielsweise wurde eine Hand abgehackt.

Bevor sich ein Teil der Wanderer aufmachte, einen Hohlweg zu erkunden, erlebte man noch die Rückkehr der Nonnen nach Schwarzeneck. Der Weg nach Regensburg sei wegen der hussitischen Bedrohung zu gefährlich, berichteten sie. Danach spitzte sich die Handlung zu: Ein Inquisitor trat auf den Plan, der die kräuterkundige Frau als Hexe anklagte.

"Hexe" soll brennen

Der "finale Höhepunkt" wartete schließlich auf dem Dorfplatz: Auf einem Scheiterhaufen sollte die Frau als "überführte Hexe" verbrannt werden sollte. Doch nach Intervention seiner Gemahlen trat Ritter Zenger dazwischen und forderte sein Recht als weltlicher Gerichtsherr ein. Doch der Inquisitor beharrte auf seinem Recht und dem "Gottesurteil", bedrohte den Adligen gar mit eigener Verfolgung. Zenger gab klein bei, doch zuguterletzt wird die angebliche Hexe doch noch befreit.

Nach diesem "Happy End" brandete begeisterter Beifall unter den Zuschauern auf. Nach dem Dank von Gerhard Würl an alle Mitwirkenden, ließ man sich im Feuerschein noch Suppe aus einem großen Kessel schmecken.

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