13.08.2012 - 00:00 Uhr
SchwarzhofenOberpfalz

Sagenwanderung thematisiert Volksaufstand von 1705 - Knapp 300 Teilnehmer unterwegs Mit Freiheitskämpfern unterwegs

Ein Pfarrer rief zum Aufstand auf, der Bürgermeister wurde gefoltert und selbst das Publikum war nicht vor Zwangsrekrutierung sicher: Ein dramatisches Kapitel der Heimatgeschichte hatten sich Kulturförderkreis und Theaterfreunde für die Sagenwanderung ausgesucht. Rund um den bayerischen Volksaufstand von 1705 wurden Überlieferungen und historische Ereignisse zu einem spannenden Szenenspiel verwoben.

von Adolf MandlProfil

Erneut wurde diese Wanderung auf den Spuren der Heimatgeschichte ein absolutes Glanzlicht. Etwa 300 Teilnehmer wollten die Sagenwanderung miterleben, weit mehr als in den Vorjahren. Gerhard Würl (Kulturförderkreis) hatte das Vorhaben in Zusammenarbeit mit den Theaterfreunden umgesetzt - sie schrieben die Texte und Annette Boßle und Dr. Franz Süß führten Regie.

Blutiger Nebenschauplatz

"Nachtwächter" Gerhard Würl hieß das Publikum um 21 Uhr bei der Dr.-von-Ringseis-Schule willkommen. Er informierte über die geschichtlichen Hintergründe des Volksaufstandes, der ein blutiger Nebenschauplatz des Spanischen Erbfolgekriegs war. Große Teile Ostbayerns waren damals durch den österreichischen Kaiser besetzt worden. Rekrutierer zogen durchs Land, um Soldaten für das kaiserliche Heer zu gewinnen.

Aus dem Fenster des Rathauses rief solch ein österreichischer Anwerber zum Soldatendienst auf. Pfarrer Florian Miller (Alfred Wolfsteiner), einer der späteren Anführer des Aufstandes, widersprach ihm lauthals und erinnerte daran, dass die Österreicher Bayern besetzt hielten und als Feinde anzusehen seien. Ein paar Schritte weiter auf der Kirchentreppe diskutierten der Bürgermeister von Schwarzhofen (Amtsinhaber Maximilian Beer spielte sich selbst) und ein Gemeinderat über das weitere Vorgehen. Nachdem die Österreicher mit Zwangsrekrutierungen begonnen hatten, planten sie, die "wehrfähigen" Männer zu verstecken.
Im nächsten Bild ließ der österreichische Anwerber aus den Kreisen der Teilnehmer kurzerhand einige Männer fesseln, zwangsweise rekrutieren und abtransportieren. An der Nepomuk-Kapelle versuchte eine weinende Mutter vergebens das Herz des Anwerbers zu erweichen, um ihren rekrutierten Sohn wieder zu bekommen. Sie rief zum Widerstand auf: "Dad's eich z'amm und unternehmt's was gegen die österreichischen Besatzer!"

Im nächsten Bild riefen einige Freiheitskämpfer lauthals den Wahlspruch des Volksaufstandes: "Lieber bayrisch sterb'n als öst'reichisch verderb'n"." Auch einige junge Burschen folgen der Fahne mit dem Ruf "Es lebe Bayern". Ein Mädchen findet seinen Freund wieder - einen ehemaligen Zwangsrekrutierten. Sie verabreicht dem Rekrutierer eine schallende Ohrfeige als Strafe. Zurück auf dem Marktplatz berichtete Chronist Würl über das traurige Ende der Befreiungsaktion von Zwangsrekrutierten am 3. Oktober 1705 auf dem Plattenberg. Die Rädelsführer wurden verhaftet, darunter auch der Bürgermeister. In einer dramatischen Szene wurde er gefoltert und vom Kommissär in Fesseln an den Pranger gekettet. Seine Frau und die Tochter baten flehentlich um die Erlaubnis, den Ehemann und Vater sehen und pflegen zu dürfen.

Pfarrer geht in Verbannung

Zum letzten Bild an der Schule wurde Pfarrer von Miller - bewacht von vielen Soldaten - gefesselt vorgeführt. Er berichtete, dass er vom Amtsrichter als Aufrührer verurteilt wurde und seine Pfarrei Oberviechtach verloren habe. Miller zog in die Verbannung, erzählte aber zuvor noch von seinen schlimmen Träumen, in denen die Toten des Aufstands anklagend an seinem Bett vorbeiziehen und nach dem "Warum" fragen. Das abschließende Urteil über sein Handeln überlasse er seinem himmlischen Richter. Reger Schlussapplaus belohnte alle Darsteller bei der letzten Verbeugung.

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