Denkmalpflegeverein Schwarzhofen feiert Fest
Waaghäusl soll Denkmal werden

Das Waaghäusl in Krimling soll als Zeitzeuge für die Nachwelt erhalten bleiben. Bilder: mad (2)
Vermischtes
Schwarzhofen
23.08.2017
112
0
 
Dr. Friedl Brych stellte sich schon mal auf die große Waage.

Früher gab es fast überall Waaghäusl. Die meisten sind jedoch längst verschwunden. Das war Grund für die Anstrengungen, ein noch bestehendes Waaghäusl in Krimling zu retten, weil es ein Relikt der früheren ländlichen Kultur ist.

-Krimling. Ein großer Erfolg war dem Denkmalpflegeverein Schwarzhofen bei seinem "Waaghäusl-Fest" beschieden. Bei angenehmem Wetter waren etwa 40 Besucher gekommen, nicht nur Mitglieder, Urlauber aus Österreich, vor allem auch fast alle Bewohner der Dorfgemeinschaft Krimling und etliche ehemalige.

Reger Zuspruch

Der Vorsitzende und "treibende Kraft sowie Seele des Vereins", Dr. Friedl Brych, freute sich über diesen regen Zuspruch. Er führte in seiner Rede aus, dass es früher überall Waaghäusl gegeben habe, dass aber die meisten verschwunden seien; so gab es Waaghäusl im Rathaus Schwarzhofen und in Schwarzeneck.

Das war der Grund, dieses Häusl in Krimling zu retten, weil es eine Zeitzeuge der früheren ländlichen Kultur sei und eines nach dem anderen verschwindet. Heute wird Schlachtvieh in den großen Schlachthöfen gewogen, früher eben am Ort des Kaufes. Die Gemeinde legte zusammen, und Scheuerer sen. fuhr mit seinem Fuhrwerk zum Bahnhof Schwarzhofen in Uckersdorf, um die Wiegeeinrichtung zu holen.

Das war in den 30er Jahren. Eigentlich ist das Häusl also noch gar nicht so alt, aber die Schnelllebigkeit der Zeit ist auch hier abzulesen. Mit dem Aufbau war es aber nicht getan. Der "Kern" des Häusls, die Waage, musste erst geeicht werden. Das Eichamt saß in Regensburg und kümmerte sich alle zwei Jahre um das Eichen der Waage.

Das Eichamt schrieb und legte einen Termin fest. In dem Schreiben stand, dass das Häusl gründlich zu reinigen sei und dass zum Ab- und Aufladen der Gewichtsstücke zwei Mann Arbeitshilfe pünktlich zur Verfügung stehen müssten. Die Gewichte wogen je 50 Kilo, die Waage konnte 1000 Kilo wiegen - etwa das Gewicht eines VW-Käfers.

Wenn die Waage geeicht war, konnte man "zur Tat schreiten". Einer musste verantwortlich sein. Dieser trug den Titel "Wäger" - ein Wort, das wohl keiner mehr kennt. Der letzte Wäger war Alfons Hauser, der 1957 die Prüfung ablegte und dabei darauf vereidigt wurde, dass er sein Amt gewissenhaft und unparteiisch auszuüben habe. Das Eichen der Waage durch das Eichamt kostete erheblich viel Geld, im Jahr 1998 knapp über 200 D-Mark. Das Wiegen kostete 1,50 bis 3 Mark. 2001 verzeichnete man 7,50 Mark Einnahmen, 2004 1,50 Euro, also ein absolutes Minus-Geschäft.

Weil die Zeit über das Häusl hinwegging, wurde die Waage 2002 ein letztes Mal geeicht; der letzte, der hier bis 2004 wiegen ließ, war der "Gartner"-Sepp (richtiger Name Winter). An der Waage findet sich noch die Plakette, dass die Eichung bis 2004 galt. Heute zeigt ein Schild, dass dem nicht mehr so ist: "Waage nicht geeicht". Seitdem steht die Waage still und soll als Zeitzeuge für künftige Generationen erhalten bleiben.

Beim Landesamt für Denkmalpflege wurde nachgefragt, ob so eine Häusl denkmalfähig ist. Dass das so ist, zeigt die Tatsache, dass kürzlich in Niederbayern ein Häusl in die Denkmalsliste aufgenommen wurde. Auch Bürgermeister Maximilian Beer - der aus familiären Gründen verhindert war - ist dafür, die Gemeinde ist ja Eigentümer des Grundes. Deshalb wird man sich bemühen, in die Liste aufgenommen zu werden.

Aufwendig repariert

Zum Schluss sprach Dr. Brych seinen Dank aus - der Dorfgemeinschaft für das Überlassen des Häusls und auch für die übrig gebliebenen Bretter des renovierten Glockenturms; Richard Winderl und Hans Schlagenhaufer für die aufwändige Reparatur (vor allem neue Tür und Dachausbau), Michael Weiß für die Bereitstellen der Sitzgarnituren für das Fest und Rita Gillitzer, die in umsichtiger Weise das Essen vorbereitete. Dazu saß man noch länger in geselliger Runde beisammen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.