Roman über Drogenproblematik in Grenzregion
Krals neuer Fall im Crystal-Sumpf

Rainer Königs Roman "Wildes Kristall" erlangt durch die Crystal-Meth-Problematik im Grenzland besondere Aktualität. Co-Autorin ist Königs Tochter Birgit, die beruflich als Zollbeamtin in Frankfurt tätig ist. Bild: exb
Kultur
Selb
24.08.2017
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Die drei Freunde schlagen raue Töne an, sind nach vielen Berufsjahren desillusioniert: Im fünften Band der Krimi-Reihe um den Ermittler Jan Kral packt der Selber Autor Rainer König ein brennendes Thema der Grenzregion auf: Crystal Meth und die Machenschaften der Drogenmafia.

Für "Wildes Kristall" hat der frühere Matrose und Lehrer Tochter Birgit, Zollbeamtin in Frankfurt, als Co-Autorin ins Boot geholt. Die Königs haben intensiv recherchiert: Die Unternehmerin Olga Kupec stellte die Kontakte zu tschechischen Sondereinheiten her, deutsche und tschechische Fahnder gaben Einblick in ihren Dienstalltag. Daraus entstand ein Roman, der die Zusammenarbeit der deutschen und tschechischen Polizei zeigt - nicht immer einfach im zwischenstaatlichen behördlichen Prozedere. Voller Ironie nimmt König politische Eitelkeiten auf die Schippe, schildert die tägliche Arbeit der Polizisten auf der Straße, die sich mehr direkte Zusammenarbeit, statt über die "Zentrale" wünschen würden.

Spannung und Lokalkolorit

Zurück zu den drei Freunden: Lehrer Jan Kral ist eigentlich im Ruhestand. Josef Brückner ist nicht mehr Chef der Kripo in Eger, muss sich aber als Privatdetektiv etwas zu seiner schmalen Rente dazuverdienen. Der aus Schönwald stammende Karl Schuster ist als einziger noch im Polizeidienst. Schuster, neuer Chef der Kripo Eger, braucht die Freunde im Kampf gegen die Drogenküchen. Ein Toter liegt auf dem Selber "Scherbenhaufen", der Porzellandeponie. Er hat einen Abholschein für ein Schließfach in der Tasche: Dort lagern zwei Kilo Crystal Meth. Die Geschichte nimmt Fahrt auf, als Jana, die 15-jährige Pflegetochter Brückners, ins Spiel kommt. Der Feldzug gegen die Drogenmafia bleibt nicht ohne Folgen: Jana wird entführt. Der offizielle Dienstweg wäre zu lang, die Freunde handeln. Ortsnamen, Selber Dialekt und tschechischer Akzent geben der Geschichte Lokalkolorit, spiegeln die Mentalität der Menschen an der Grenze. Die Ermittler greifen zu unorthodoxen Methoden: Da geht es schon mal inkognito in einen Swingerclub, um Kontakte zu knüpfen: Ein reicher Vietnamese ist gesprächig. Seine Landsleute sind die Drahtzieher der Drogenküchen in tschechischen Hinterhöfen. Gesellschaftliches Ansehen durch Vermehrung des Reichtums ist das Ziel. Egal, wie man dazu kommt. Die nach außen "anständigen" Bürger bedienen sich der Dealer. Die Opfer spielen keine Rolle. Und kleine Händler halten den Mund.

Doppelmoral der Behörden

Hauptmann Orel von der Anti-Drogen-Agentur hat aber auch bei den eigenen Landsleuten Doppelmoral ausgemacht: Zwar hebt die unterbesetzte Anti-Drogenbehörde regelmäßig Giftküchen aus, doch die Geschäfte werden auf den Asia-Märkten gemacht. Stadtbehörden arrangieren sich mit dem Geschäftsmodell, von dem sie wirtschaftlich durch hohe Mieteinnahmen profitieren.

Packend wird Janas Entführung durch einen Drogendealer geschildert. Der erbärmliche Zustand von Anna, seiner süchtigen Freundin. Die leeren Augen, der abgemagerte Körper, der eitrige Ausschlag. Ein kaputtes Leben durch Crystal Meth. Der Drogendealer wird gefasst. Doch was ist mit den Hintermännern? Ernüchternd der Epilog Rainer Königs. Die Zugriffe ändern nichts, die Renditen sind zu groß. Dreh- und Angelpunkt wäre das Austrocknen der Märkte und Drogenküchen, die durch deutsche Kunden florieren.
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