29.01.2018 - 17:20 Uhr
Sport

Fußball-Kreistag in Selb Die verrückte Welt des Fußball

Finanzielle Auswüchse wie die 222 Millionen Euro für Neymar sind nicht mehr greifbar. BFV-Präsident Dr. Rainer Koch hält mit einem Plädoyer für den Amateurfußball dagegen.

124 Vertreter aus 65 Vereinen waren beim Kreistag des Fußballkreises Hof/Wunsiedel/Tirschenreuth. Bild: exb
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Der Präsident des Bayerischen Fußball-Verbands (BFV) war selbst ins Rosenthal-Theater nach Selb gekommen. Dr. Rainer Koch wollte die Bühne des Kreistags des Fußballkreises Hof/Wunsiedel/Tirschenreuth nutzen, um die mehr als 120 Vereinsvertreter und Verbandsfunktionäre auf Kreisebene darauf einzuschwören, dass der Amateurfußball auch weiterhin eine gute Zukunft hat. Trotz demografischer Probleme, die sich in immer weniger Mannschaften, Vereinsfusionen und mehr Spielgemeinschaften spiegelten, trotz rückläufiger Zuschauerzahlen auf den Fußballplätzen der A-Klassen bis hoch in die Regionalliga, trotz immer größeren Problemen, Ehrenamtliche als Schiedsrichter und Funktionäre, als Trainer und Betreuer für die Vereinsarbeit zu gewinnen. Und auch trotz mittlerweile aberwitziger Entwicklungen im Profifußball.

Koch, der 2004 ins Amt gewählt wurde, sagte, dass die großen gesellschaftlichen Veränderungen im vergangenen Jahrzehnt auch den Fußballsport verändert hätten. Diesen Herausforderungen müsse sich jeder Verein, aber auch der Verband stellen. "Ein bloßes ,Weiter so' wäre grundverkehrt", warnte Koch.

Die Herausforderungen in Stichpunkten: Digitalisierung - "2004 hatte noch kaum jemand ein Smartphone, niemand kannte Twitter, Snapchat oder Instagram" -, Globalisierung, Kommerzialisierung und Eventisierung der Gesellschaft. "Dazu kommen die Veränderungen in unserem gesellschaftlichen Zusammenleben durch häufige beruflich bedingte Um- und Wegzüge sowie der Zuzug zahlreicher Migranten und schutzsuchender Flüchtlinge", analysierte der BFV-Präsident.

War ein Spielerwechsel jenseits der 20-Millionen-Euro Grenze vor 15 Jahren noch völlig undenkbar, so gelte heute: "Nichts ist mehr unmöglich. Nicht einmal 222 Millionen Euro für einen einzigen Spieler." Daran offenbart sich für Koch die heutige "verrückte Welt", in der es den Anschein habe, dass "die Arbeit Ehrenamtlicher für Kinder, das ehrenamtliche Engagement von Menschen in unseren Ortschaften, abgetan wird als unbedeutende Nebensächlichkeit". Es sei völlig klar, dass kein Fußballer der Welt 222 Millionen Euro wert sei, betonte Koch - auch nicht der Brasilianer Neymar.

Immer noch, betonte Koch, gebe es in Bayern mehr als 1,5 Millionen Mitglieder in über 4600 Fußballvereinen. Und in jedem einzelnen dieser Klubs, lobte Koch, werde ein wesentlicher Beitrag dafür geleistet, "dass das Leben in unserem Land, in unseren Dörfern und Kommunen wirklich gut funktioniert".

Koch unterstrich, dass sich Vereine und der Verband gleichermaßen für eine gute Zukunft anstrengen müssten. Dabei müsse man "nicht immer mehr, aber manches anders machen", forderte der BFV-Präsident. Etwa im Schiedsrichterwesen, bei der Digitalisierung oder durch das Setzen von Fußball-Events, um den Zuschauerrückgang zu kompensieren. In einer "Eventgesellschaft" sei es, glaubt Koch, durchaus möglich, ein oder zwei Mal im Jahr 500 oder gar 1000 Menschen auf den Sportplatz zu locken, auch wenn sonst regelmäßig nur 50 oder 100 kommen. Deshalb sei er auch für einen weiteren Ausbau der Relegationsspiele, weil diese für die Zuschauer höchst attraktiv seien.Beim Kreistag des Fußballkreises Hof/Tirschenreuth/Wunsiedel in Selb waren die Teilnehmer - wie schon in den Jahren 2010 und 2014 - aufgerufen, ihre Meinung zu möglichen Reformen im Spielbetrieb zu äußern. Um diese Themen ging es:

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