07.08.2017 - 20:00 Uhr
Oberpfalz

Rund 4000 Besucher bei Sommerlounge Region startet durch

Der Strukturwandel ist dem Fichtelgebirge gelungen. Eine Vision, wie die Zukunft aussehen kann, zeigt die Sommerlounge. Der Tirschenreuther Landrat Wolfgang Lippert unternimmt mit seinem Wunsiedler Kollegen Karl Döhler einen Rundgang und ist begeistert.

Im Fichtelgebirge sind viele Kreative aktiv - unter anderem in der Textilbranche. Bild: fph
von Autor FPHProfil

Das Fichtelgebirge ist nicht nur Heimat Dutzender Hidden Champions, es ist auch auf dem besten Weg, ein hipper Champion zu werden. Die Sommerlounge im und um das Porzellanikon in Selb-Plößberg hat einen Eindruck davon gegeben, wie hip die Region ist. Der Landkreis Tirschenreuth war mit mehreren Ständen, vor allem aus dem Bereich Tourismus vertreten.

Mehr als 4000 Besucher genossen eine After-Work-Party, die es in sich hatte. Ronald Ledermüller von der Entwicklungsagentur Fichtelgebirge brachte es in einer Talk-Runde auf der Bühne auf den Punkt: "Wir leben nicht nur in einer touristisch attraktiven Region, sondern haben zugleich ein industrielles Fundament mit vielen attraktiven Arbeitsplätzen." Dass es neben der prallen Natur auch urbanes Lebensgefühl gibt, zeigte sich an dem lauschigen Sommerabend in Selb. In der Kulisse der alten Porzellanfabrik haben die Macher der Sommerlounge vom Förderverein Fichtelgebirge und allen voran auch vom Porzellanikon eine Partyzone im Industrial-Style aufgebaut. Aus Paletten gefertigte Sofas und Tische gaben den Rahmen für die Gespräche.

Wie Sybille Kießling vom Förderverein sagte, ist genau dies der Sinn der Sommerlounge: Die Besucher sollen sich in lockerer Atmosphäre kennenlernen. Dies ist das in Wirtschaftskreisen vielbeschworene Vernetzen im besten Sinne. Mit erstaunlichen Zahlen zur Kreativität im Fichtelgebirge wartete Ronald Ledermüller auf. So gebe es allein im Landkreis Wunsiedel um die 400 Unternehmen oder Freiberufler, die in der Kreativwirtschaft tätig seinen. "Und dies ist eine der Schlüsseltechnologien der Zukunft." In einem bundesweiten Ranking zur Kreativwirtschaft liegt Wunsiedel auf Platz 38 aller 407 Landkreise. "Und im Gegensatz zu den Ballungsräumen haben wir einen echten Mehrwert zu bieten: freien Raum, in dem sich Kreative und Künstler entfalten können." Einen Eindruck davon, wie viele Perlen es im Fichtelgebirge gibt, die selbst Einheimische nicht kennen, hat die Sommerlounge gegeben.

Genau 100 Aussteller, von der Behörde über das Industrieunternehmen bis hin zum Kunsthandwerker, präsentierten sich. Dabei ist dies nur ein kleiner Ausschnitt. Wie Sybille Kießling berichtete, hat es noch weit mehr Anfragen von Ausstellern gegeben. "Aber wir sind mit unserem Platz begrenzt und mussten uns auf die ersten 100 beschränken." Ein großes Lob gibt es von Sybille Kießling an das Team des Porzellanikon. "Was die Mitarbeiter hier geleistet haben, ist sensationell." Das Engagement ist für Museumsleiter Wilhelm Siemen Ehrensache. "Wir verstehen uns ja nicht als ein Museum, dessen Mitarbeiter Exponate abstauben." Wie sehr das Fichtelgebirge im Wandel ist, zeige sich besonders gut in Selb. "Wir haben die Talsohle durchschritten", sagte denn auch der Selber Oberbürgermeister Ulrich Pötzsch. Mit einer Arbeitslosigkeit zwischen 4,5 und 4,9 Prozent sei die Porzellanstadt längst kein Sorgenkind mehr.

Hohe Übernahme-Quoten

Dass das Porzellan in der Region nach wie vor eine große Bedeutung hat, verdeutlichte Christoph René Holler, der Geschäftsführer des Bundesverbandes der keramischen Industrie. Er könne jedem Jugendlichen guten Gewissens eine Ausbildung in der keramischen Industrie empfehlen. Die Übernahme-Quoten seien sehr hoch. Den Wandel einer Problem- in eine Zukunftsbranche verdeutliche vor allem die technische Keramik mit Unternehmen wie Vishay und H.C. Starck in Selb, CeramTec in Marktredwitz oder auch Lapp Insulators in Wunsiedel. Allerdings müssen laut Holler die Rahmenbedingungen stimmen. "Und da macht es schon nachdenklich, wenn unsere energieintensiven Betriebe hier in Deutschland die höchsten Energiekosten und die höchsten Abgabequoten verkraften müssen."

Bis spät in den Abend herrschte auf dem riesigen Gelände reichlich Betrieb. Bei einem derartigen Angebot, das die Aussteller aus den vier beteiligten Landkreisen Wunsiedel, Hof, Bayreuth und Tirschenreuth offerierten, konnten die Besucher lediglich einen Bruchteil wirklich intensiv studieren.

2020 Tirschenreuth

Die Sommerlounge 2018 wird in Hohenberg stattfinden. Im Jahr darauf ist Rehau Veranstaltungsort. "Und 2020 werden wir einen Ort im Landkreis Tirschenreuth auswählen", informiert Sibylle Kießling vom Förderverein Fichtelgebirge. (fph)

Wir leben nicht nur in einer touristisch attraktiven Region, sondern haben zugleich ein industrielles Fundament mit vielen attraktiven Arbeitsplätzen.Ronald Ledermüller

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