Kein Feiertag mehr: In Speichersdorf ist der 15. August erstmals ein Werktag
Routiniert beim ersten Mal

Pfarrer Sven Grillmeier. (Bild: Wolfgang Würth)
Lokales
Speichersdorf
12.08.2014
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Mit Gleichmut sehen die Gemeindebürger dem Freitag entgegen. Vergangenes Jahr war der 15. August ein Feiertag, in diesem Jahr nicht mehr. "Leider, aber wir können es nicht ändern", hört man immer wieder. In Wutbürger-Zeiten geben sich die Speichersdorfer ausgeglichen.

"Für mich wird sich nicht viel ändern. Der Gottesdienst ist halt um 19 statt um 10.30 Uhr." Der katholische Pfarrer von Kirchenlaibach, Sven Grillmeier, geht mit dem verlorenen Mariä-Himmelfahrts-Tag pragmatisch um. Natürlich sei er nicht glücklich, aber "was soll ich machen? Ich kann die fehlenden 130 Katholiken nicht herzaubern."

Der Geistliche und die Katholiken im Ort hatten Zeit, um sich mit dem Wegfall abzufinden. Ziemlich genau vor einem Jahr wurde die letzte Volkszählung ausgewertet und hatte ergeben, dass sich in Speichersdorf die Mehrheitsverhältnisse geändert hätten. Weil in der Gemeinde nun mehr evangelische als katholische Christen leben, ist der Feiertag dort nun Geschichte. "Als die Nachricht bekannt wurde, war das Interesse riesig. Sogar aus Berlin gab es Presseanfragen", erinnert sich Grillmeier. Nun scheint das Thema niemanden mehr zu interessieren. Wenn es nach ihm ginge, gäbe es den Feiertag weiterhin, genau wie den evangelischen Buß- und Bettag. "Die Volkswirtschaft würde es überleben und diese Erbsenzählerei wäre nicht nötig."

Das Rosenthal-Werk in Speichersdorf hätte es wohl sicher überlebt, vermutlich ist die Geschäftsführung über den zusätzlichen Arbeitstag dennoch nicht unglücklich. Wie hoch der finanzielle Gewinn für die Rosenthal AG ist, dazu wollte die Personalchefin am Standort, Daniela Schäffler-Cura, keine Aussage abgeben. Dagegen kann sie bestätigen, dass die Arbeitnehmer den fehlenden Feiertag mit Fassung tragen. Die Werksleitung habe lediglich durch einen Aushang informiert, dass der 15. August ein normaler Arbeitstag ist. "Die Beschäftigten kennen den Grund und akzeptieren es." 450 Beschäftigte arbeiten derzeit am Standort, betroffen seien rund 370 davon. Der Rest hätte ohnehin im Schichtdienst antreten müssen.

Zu den 370 zählt Gerd Kroher. Der 43-jährige Industriekeramiker hat schon seine Lehre ab dem Jahr 1987 bei Rosenthal in Speichersdorf absolviert. 27 Jahre lange hat Kroher nie an Mariä Himmelfahrt in der Porzellanfabrik gearbeitet - bis jetzt. "Insgesamt ist das natürlich schon etwas ärgerlich. Aber ändern kann ich es nicht." Zuletzt sei ja ein ganzer Schwarm Störche bei Speichersdorf gesichtet worden (wir berichteten). "Ich hoffe, dass die katholisch waren und für viel Nachwuchs sorgen", witzelt er nun. Außerdem stehe schon heute fest, dass er 2015 Mariä Himmelfahrt wieder frei hat: Dann fällt der 15. August auf einen Samstag.
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