Elfriede und Georg Krodel feiern diamantene Hochzeit
Schicksal getrotzt

Zu 60 gemeinsamen Lebensjahren erhielten Georg und Elfriede Krodel (mit Urenkel Samuel) die besten Glückwünsche von den Enkeln Tobias und Thomas (sitzend, von links), Bürgermeister Manfred Porsch, Anni Dorsch sowie Karin Krodel (hinten, von links). Bild: hai
Vermischtes
Speichersdorf
11.04.2018
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"Gefühlt seid ihr ja eine unendlich lange Zeit beisammen", sagte Pfarrer Micha Boerschmann bei seinem Besuch bei Elfriede und Georg Krodel. Die beiden Alt-Speichersdorfer feierten diamantene Hochzeit.

1958 war der 7. April ein verschneiter Ostermontag, als sich das fest in der evangelischen Gemeinde verankerte Jubelpaar vor Pfarrer Huber von Wirbenz das Jawort gab. Sechs Jahre zuvor hatten sich der damals 17-Jährige Speichersdorfer und das 15-Jährige Flüchtlingsmädel auf der Kirchweih in Weidenberg kennengelernt. Den Söhnen Wolfgang und Manfred schenkten beide das Leben. Diese gratulierten genauso wie die noch lebenden Geschwister Adolf Roder und Anni Dorsch, die Enkel Tobias und Thomas, Linda und Timo, Urenkel Samuel sowie Bürgermeister Manfred Porsch.

Flucht mit Pferd und Wagen

Elfriede Krodel, geborene Roder, kam am 22. Februar 1937 in Jaentschdorf nahe Breslau mit ihrem Zwillingsbruder Adolf zur Welt. Die Eltern Adolf und Herta Roder hatten ein landwirtschaftliches Gut. Am 23. Januar 1945 musste die Familie, der Vater war im Krieg, mit dem Nötigsten und mit Pferd sowie Wagen flüchten. Erste Anlaufstellen waren Aichen bei Neudrossenfeld und Görschnitz. In Untersteinach bei Weidenberg fand die Familie eine Bleibe. Die Mutter arbeitete beim evangelischen Hilfswerk, die Großeltern zogen die Kinder auf. 1948 kehrte Vater Adolf aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. In Eichleiten pachteten die Roders einen Einzelhof. Als nach der Gebietsrefom 1972 die Kinder aus dem Gröbsten waren, arbeitete die Jubilarin bis 1997 als Probenehmerin beim Tierzuchtamt.

Georg Krodel wurde am 21. April 1935 als drittes von vier Kindern des Landwirtsehepaar Anna, geborene Etterer, aus Wendelhöfen, und Matthias Krodel geboren. "Katastrophal" waren die Bedingungen im alten Speichersdorfer Schulgebäude, erzählt er. Unvergessen bleibt ihm der 20. April 1945, an dem die Amerikaner einmarschiert sind. Damals seien 33 SS-Offiziere, die sich in der Krodel-Scheune mit ihren Pferden einquartiert hatten, geflüchtet. Dabei wurden sie dort festgenommen und "raufgetrieben wie die Hunde", erinnert sich Krodel. Jeder im Dorf durfte sich eines der Pferde nehmen.

Neben der Landwirtschaft, die er später übernahm, verdingte sich Georg Krodel in den Folgejahren für 80 Pfennig die Stunde als Hilfsarbeiter beim Bau der Firma Rosenthal. Er weiß noch ganz genau, wie ihn 1956 der Bauleiter drängte, zu bleiben. Sie hatte den Auftrag für den Bau des Suez-Kanals bekommen. Doch die Rahmenbedingungen rund um den Hof ließen es nicht zu.

Geprägt haben Krodels Leben zwei schicksalhafte Begebenheiten. "Du lebst noch?", fragte ihn 1965 ein sichtlich erstaunter Dr. Müller, als sie sich in Tressau wieder trafen. Der Arzt war 1962 bei seinem schweren Herzinfarkt der behandelnde Stationsarzt und hatte sich dann in Weidenberg selbstständig gemacht. Niemand habe geglaubt, dass er die Welt noch einmal sehen würde, berichtet der Jubilar.

Aus Auto geschleudert

1965 bekam er eine Beschäftigung beim Tierzuchtamt als Probenehmer. Im Zuge der monatlichen Kartenabgabe in Waldeck hatte er 1964 einen Autounfall. Unbekannte hatten auf der Strecke zwischen Kemnath und Neustadt am Kulm auf der neu gebauten Straßenbrücke über die Haidenaab die noch nicht montierten Leitplanken auf der Straße gelegt. Das Auto spießte sich und stürzte in die Naab. Krodel wurde aus dem Wagen geschleudert und blieb bewusstlos und schwer verletzt an der Böschung im Wasser liegen. Die Polizei sah ihn nicht und räumte nur die Leitplanken zur Seite. Einem aufmerksamen Bürger aus Neustadt am Kulm, der den Schlag gehört hatte und dem das Geräusch keine Ruhe ließ, hatte er zu verdanken, dass er überlebte.

"Vom Fuß bis zum Hals einbetoniert" überstand der Jubilar diese Tragödie, wenngleich von diesem Zeitpunkt an ein Wirbelschaden sein ständiger Begleiter war. 1968 bis 1972 war Krodel als Zuchtwart beim Tierzuchtamt Weiden beschäftigt. Seine Tätigkeit hier fiel aber der Gebietsreform, durch die Alt-Speichersdorf zum Landkreis Bayreuth kam, zum Opfer. Das Bayreuther Tierzuchtamt übernahm ihn nicht. So blieb er bis zur Rente 1988 Probennehmer.

Soweit es ging, gönnte sich das Jubelpaar in all den Jahrzehnten hin und wieder mal einen Urlaub. Wenngleich der Rollstuhl zwischenzeitlich zum Begleiter des Jubilars geworden ist, steht der Besuch der Therme Bayreuth zweimal die Woche auf der Tagesordnung. Wobei es sich der Jubilar nicht nehmen lässt, sich noch selbst ans Steuer zu setzen.
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