06.12.2017 - 20:00 Uhr
SpeichersdorfOberpfalz

Pächter des Kirchenlaibacher Reviers übt harsche Kritik an Drückjagd des Staatsforstes Pegnitz Jagdszenen in der Kragnitz

Der Knall aus den Büchsen der Jäger ist längst verhallt, noch nicht verraucht ist aber der Ärger bei Reinhard Popp. In den Augen des Pächters des Gemeinschaftsjagdreviers Kirchenlaibach ist der Staatsforst Pegnitz bei einer Drückjagd weit übers Ziel hinausgeschossen.

von Hubert Lukas Kontakt Profil

Kirchenlaibach. Rund 40 Waidmänner hatten sich dazu am Volkstrauertag im Staatsjagdrevier Kragnitz eingefunden. Diese Drückjagd war bereits vorab in einer Versammlung der Kirchenlaibacher Jagdgenossenschaft auf heftigen Unmut gestoßen (wir berichteten). Hegeringleiter Dieter Schumann hatte damals angesichts des angekündigten Aufgebots befürchtet, "dass da nichts mehr rauskommt, was sich im Abschussgebiet aufhält".

Hunde im fremden Revier

Über die Aktion sollen alle angrenzenden Jagdpächter rechtzeitig informiert gewesen sein, nur Popp nicht. Schwerer wiegt jedoch nun der Vorwurf des Weidenbergers, der dennoch während der Drückjagd mit zehn weiteren Jägern in seinem Revier war. Er berichtet von Jagdhunden, die die Reviergrenze überquert hätten. Mindestens sieben hätten er und seine Begleiter, die auf Schwarzwild angelegt haben, gezählt. Die Tiere hätten Rehwild von seinem in das Gebiet des Staatsforstes getrieben. "Das war unter aller Kanone. Es hat keinen Quadratmeter mehr gegeben, auf dem sie nicht die Hunde durchgehetzt haben. Sie haben es diesmal übertrieben", zieht er einen Vergleich zu 2016. Damals sei mit etwa einem Dutzend Staatsjägern alles in geordneten Bahnen abgelaufen.

Aber nicht nur die "Meute aus Dachsbracken, Jagdterrier und einem Vorstehhund", sondern auch Durchgehschützen (Treiber) des Staatsforstes sollen sich in seinem Revier aufgehalten und "Wild aus der Dickung gedrückt haben", schimpft der Pächter. Dafür habe er Beweise in Form von Bildaufnahmen. Er sieht hier sogar den Straftatbestand der Jagdwilderei erfüllt. Der Aufforderung, beides zu unterlassen, sei nicht nachgekommen worden.

Auf Nachfrage erklärt Frank Pirner, Forstbetriebsleiter in Pegnitz, dass der Hegeringleiter über die Drückjagd verständigt worden sei. Dieser gebe den Termin an die Jagdpächter weiter. Er räumt aber ein, dass es bei etwa "150 jagdlichen Angrenzern des Staatsforstes Pegnitz" schon mal zu Kommunikationsproblemen kommen könne. Daher kündigte er für nächstes Jahr eine andere Vorgehensweise an. Auch wenn er selbst vor zwei Wochen nicht dabei war, so geht der Leiter des Staatsforstes nicht davon aus, dass die Teilnehmer die Hunde vorsätzlich hätten überjagen lassen. Jeder der Jäger habe eine Karte erhalten, die zeigte, "wo sie sich aufhalten dürfen".

Er könne aber nicht ausschließen, dass "mal ein Hund beim Verfolgen des Wilds über die Grenze geht". Von Popp sei keine Rückmeldung eingegangen, dass er überjagende Vierbeiner nicht dulde. Zudem kann sich Pirner die Sache mit den Hunden "genauso gut umgekehrt vorstellen", nämlich, dass sie das Wild vom Staatsforstgebiet aus bis in Popps Revier verfolgt und dann wieder zurück getrieben haben.

"Leben gefährdet"

Der Jagdpächter legt mit seinen Anschuldigungen aber noch nach. Wie er erzählt, sei in einem Fall auf Wild geschossen worden, als sich ein von ihm angestellter Jäger in dessen Nähe aufgehalten habe. Leben und Gesundheit seien "erheblich gefährdet" gewesen. Auch hier kann es sich Pirner nicht erklären, wie es zu einem solchen Vorfall hätte kommen können. Die Jäger seien seines Wissens erhöht auf Drückjagdböcken gestanden, das heißt, "sie schießen schräg nach unten". Ein Fehlschuss wäre dann in den Boden gegangen. "Ein sauberer Kugelfang muss gewährleistet sein", verweist der Forstbetriebsleiter auf die Sicherheitsregeln, die vor einer Jagd in einer "längeren Ansprache" nochmals in Erinnerung gerufen werden.

Insgesamt 43 Schuss hat Popp während der Drückjagd gezählt. Er wisse von 17 erlegten Sauen und 15 geschossenen Rehen. Soweit er informiert sei, sollen auch Sika- und Damwild freigegeben gewesen sein, für das ein Abschussplan nötig sei. Laut Pirner hat es diesen nicht gebraucht, weil nur auf Schwarz- und Rehwild angelegt worden sei, "eventuell war auch ein Fuchs dabei".

Obwohl Pirner beteuert, dass zuerst Kitze und dann Geißen erlegt wurden ("Ansprache von Klein nach Groß"), sieht Popp Drückjagden des Staatsforstes prinzipiell kritisch, denn bei fehlendem (Reh-)Wild werde ein Jagdrevier wertlos. Für Pirner sind sie dagegen ein Weg, um Schwarzwild und somit Schäden in der Landwirtschaft zu dezimieren. Vor allem seit dem Auftauchen der Afrikanischen Schweinepest in Tschechien drängten unter anderem Bauernverband und Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten darauf, "Schweine zu schießen". Rehwild werde dann im Rahmen des Abschussplanes mit erlegt.

Um weiter mit den Nachbarn gut auszukommen, bietet Pirner Hegegemeinschaften an, ihnen die Jagdstrategien des Staatsforstes zu erläutern, und so "aus dem Konflikt etwas Luft rauszunehmen".

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