21.08.2017 - 20:00 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Abschluss der Speinsharter Sommerkonzerte Karawane auf der Seidenstraße

"Wenn einer eine Reise tut", hieß es am Sonntag in der Klosterkirche Speinshart. Zum Abschluss der Sommerkonzerte knüpfte eine bemerkenswerte musikalische Karawane auf der Seidenstraße Verbindungen zwischen Ländern und Kontinenten.

Mit einer musikalischen Begegnung zweier Kontinente endeten am Sonntag die Speinsharter Sommerkonzerte. Mit dem Amaan-Chor aus Jordanien, dem Ensemble des "Central Conservatory of Music" aus Peking, dem Festival-Quintett aus Turkmenistan und einigen Solisten erreichte der Konzertsommer unter dem Motto "Silk Road" den Höhepunkt. Bild: Dotzauer
von Robert DotzauerProfil

Silk Road - die Seidenstraße spielte lange Zeit eine wichtige Rolle bei der politischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Zivilisation. Diesem Beziehungsgeflecht folgte der "Kulturhandel", der sich in diesen Wochen beim Festival junger Künstler Bayreuth als leuchtendes Vorbild eines internationalen Kulturlebens erweist. Eine Karawane auf der musikalischen Seidenstraße vom Fernen zum Nahen Osten und in Europas Westen hinein macht am Sonntagnachmittag zum Abschluss der Sommerkonzerte im Kloster Speinshart Halt.

Inmitten barocker Pracht bietet sich den jungen Künstlern einmal mehr die einzigartige Gelegenheit, in der Musik sprachliche und politische Barrieren zu überwinden und sich in strahlender Harmonie zu vereinen.

Mit ihrem demonstrativen Zusammenspiel lässt die Karawane aus China, Turkmenistan, Jordanien, Syrien, Tunesien und Deutschland musikalische Grenzen hinter sich und schafft - unterstützt von fremdartiger Instrumental-Kunst wie Erhu, Yangqin, Sheng, Sanxian und Oud - ein ganz besonderes Geflecht chinesischer und arabischer Musiktraditionen, das alle Genregrenzen überschreitet. Dieses Ziel gelingt dem Festival als Gast der Internationalen Begegnungsstätte Kloster Speinshart in brillanter Vollkommenheit. "Man weiß vorher nicht, was rauskommt", sagte Intendantin Sissy Thammer vor Beginn des 67. Festivals. Aber genau das sei ja auch das Spannende.

Kultur und Musik

Spätestens am Sonntag bestätigt sich in der rappelvollen Klosterkirche die Erkenntnis des Generalthemas "Roots to the Future": Es gibt ein Wurzelgeflecht, das sich im tiefsten menschlichen Innern vereint. Eine beruhigende Feststellung. In Speinshart kommt diese "Wiedervereinigung" als berührendes Ergebnis interkultureller Wurzelpflege in Tönen zum Tragen. Sie zeigt sich in "Silk Road" als musikalische Begegnung zweier Kontinente. Die Klangmalereien chinesischer Kultur vereinen sich mit den schillernden Farben orientalischer Musik.

Während die Künstler aus dem Reich der Mitte mit jungen Musikern des "Central Conservatory of Music" in Peking den staunenden Besuchern ihre Erbschaft an traditionellen Instrumenten mit heimatlichen Klangformen vorführen, begleitet das Festival-Quintett aus Turkmenistan in feiner Abstimmung die inspirierenden Klang-Verlockungen der strahlend lächelnden Künstler aus dem Fernen Osten. An diesen furiosen Klangmalereien beteiligen sich auch Solisten mit Weltformat. Rebal Alkhodari, Leiter des Amann-Chores und Gewinner des "Vice Voice Festival" der Arabischen Musikakademie im Libanon, beeindruckt als Gesang-Virtuose und auch Nico Seibold, Gründer zahlreicher Ensembles aus der Big-Band-Szene und Jazzmusiker, ist in Speinshart wieder dabei. Mit "Silk Road" improvisiert er mit dem Sopran-Saxophon einen spektakulären Tonwirbel. Nachahmer findet Seibold in der Künstlerin Yang Qing mit einem faszinierenden Melodien-Spektakel auf dem unvergleichlichen Sheng-Instrument. Eine Premiere feiert der Tunesier Fadhel Boubaker mit dem Oud.

Botschaft des Friedens

In wechselnder Führung übernimmt schließlich der Amaan-Chor die Spitze der Karawane und erreicht in Speinshart "Gelobtes Land". Unter Leitung von Rebal Alkhodari bejubelt der Chor in Begleitung aller Instrumentalisten die Blüte der Stadt Jerusalem. Mit dem temperamentvollen Baru zeichnet der Chor musikalische Bilder aus dem wilden Kurdistan.

Dann leiten die Teilnehmer des "Silk-Road"-Projekts nach fast zweistündiger Konzertdauer den Schlussspurt ein: Eine chinesisch-arabische Hochzeit in Speinshart. Klatschend, stampfend, tanzend und singend entlädt sich ein Feuerwerk an Temperament und musikalischer Improvisation. Populäre Klänge aus der jeweiligen Heimat der Akteure vereinen sich zu einer Traumehe. Eine Botschaft des Friedens und der Freundschaft, die das Publikum mit stehenden Ovationen honoriert.

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