Ausstellung: Papierkrippen im Kloster Speinshart
Große Kunst der kleinen Leute

Prunkstück der Ausstellung ist eine große Panoramakrippe aus Böhmen. Bilder: do (2)
Kultur
Speinshart
15.12.2016
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Mit einem Rückblick auf die Geschichte der Weihnachtskrippen eröffnete Prior Pater Benedikt Schuster (rechts) die Ausstellung. Mit Leihgaben tragen Pfarrer Jiri Hájek aus Stribro (Mies) (Fünfter von links) sowie Leonore und Reinhold Böhm (Zweiter und Dritter von rechts) bei.

"Krippenschaun" war für Kinder mal das Größte - auch für Pater Benedikt Schuster. Heute findet man das "Kindelein im Stall" unter vielen Christbäumen. Das Kloster Speinshart widmet dem Brauch nun eine Ausstellung. Im Mittelpunkt steht die Papierkrippe.

Einfache Papierkrippen zum Ausschneiden und Ausmalen wie früher animierten Pater Benedikt, diese Krippenkunst in Erinnerung zu rufen. In der Ausstellung sind nun bemerkenswerte Exponate dieser Stilrichtung im Oberen Konventgang der Abtei zu bestaunen. Aufnahme fanden auch künstlerisch anspruchsvolle Falt- und Klappkrippen und als Prunkstück der Ausstellung eine riesige Panoramakrippe aus Böhmen aus dem Ende des 19. Jahrhunderts. Ergänzt wird die eindrucksvolle Krippenparade durch gut erhaltene Ausschneidebögen aus Klosterbeständen und von Leihgaben der Familie Leonore und Reinhold Böhm aus Grafenwöhr. Wertvolle Ausstellungsstücke stammen auch aus dem Böhmischen. Ebenfalls als Leihgabe stellte Jiri Hájek, Ortspfarrer von Stribro (Mies), faszinierende Krippenkunst zur Verfügung.

Das Krippenbasteln beschäftigte während der Adventszeit die ganze Familie. Auch in Schulen gehörte es zur Handarbeit. Der günstige Preis und der einfache Aufbau au wenig Raum machten Papierkrippen beliebt. Die Ausstellung widmet sich diesen gedruckten oder bemalten "Arme-Leute-Krippen". Von einigen Künstlern kennt man die Namen, die meisten Krippenmaler blieben namenslos. In ihrer filigranen Ausarbeitung dienten sie oft nur wenige Jahre dazu, die Weihnachtsgeschichte in die Wohnungen zu bringen.

Bei der Eröffnung beleuchtete Prior Pater Benedikt die Entwicklung des Krippengedankens aus dem Blickwinkel der Tierfütterung bis zum heutigen Verständnis als Teil der Weihnachtsgeschichte mit dem Jesukind im Stall, flankiert von Maria und Josef, den Hirten und der folgenden Verkündigung durch die Weisen aus dem Osten. Der Prior zitierte aus der Kindheitsgeschichte des Evangelisten Lukas: "... und Maria gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war." Der Chorherr erinnerte an die Vorliebe in Fürstenhäusern und Bischofsresidenzen, aufwendig gestaltete Krippen zu besitzen. Auch von einer Verbannung aus den Kirchen zur Zeit der Säkularisation sprach der Geistliche. Der absolutistische Staat habe Förderung des Aberglaubens gewittert.

"Heute erleben die Krippen in den Wohnungen der Menschen eine nicht vorhersehbare Blüte", stellte der Prior fest. In einigen Regionen, etwa im Bayerischen Wald und in Tirol, blühe die Krippenherstellung in Heimarbeit noch heute. Dabei nannte der Kirchenmann besonders die Papierkrippe ein Massenphänomen in ärmeren Zeiten, weil in erschwinglicher Form herzustellen. Weitere Ausführungen galten der Ausgestaltung ganzer Krippen-Landschaften mit der Heimat anstelle des Heiligen Landes als Hintergrund.

HintergrundDie Ausstellung ist bis 18. Dezember geöffnet, dann wieder im von 8. bis 29. Januar an Sonntagen von 13.30 bis 17 Uhr. Außerdem können Termine vereinbart werden: 09645/60193601 oder info@kloster-speinshart.de. Der Eintritt ist frei. Hintergründe sind bei einem Vortrag am Sonntag, 15. Januar, 15 Uhr, zu erfahren. Es spricht Dr. Esther Gajek vom Lehrstuhl für Vergleichende Kulturwissenschaft der Uni Regensburg. Der Eintritt ist frei. (do)
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