"Die Farben des Cellos"

Blindes Verständnis zwischen Cellistin und Instrument demonstrierte bei einem Cello-Konzert im Gastspiel des Festivals junger Künstler Bayreuth in der Klosterkirche Speinshart die hochtalentierte Künstlerin Elodie Théry. Bild: do
Kultur
Speinshart
11.08.2017
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Die Internationale Begegnungsstätte Kloster Speinshart spielt im August die "Erste Geige". Das "Festival junger Künstler Bayreuth" macht es möglich. Speinshart leuchtet.

Am Donnerstagabend verzückte jedoch ein anderes Streichinstrument die Hörerschaft. Innig an ihr Cello geschmiegt, saß Elodie Théry vor den Stufen zum Altarraum der Klosterkirche, um dem hochkonzentrierten Publikum "Die Farben des Cellos", so der Titel des Konzerts, näher zu bringen. Die junge und besonders begabte Künstlerin lauschte in sich und in das Cello hinein und schwelgte im funkelnden und strahlenden Klang ihres Instruments. Im abgedunkelten Kirchenraum dominierte ein Lichtspektakel ganz in blau.

Im Recital "Die Farben des Cellos" stand besonders die Entwicklung der musikalischen Cello-Sprache von Johann Sebastian Bach bis Henri Dutilleux im Vordergrund. Die musikalischen Ansprüche waren hochgesteckt. Elodie Théry gab Teile aus Johann Sebastian Bachs delikater Cello-Suite zum Besten.

Mit diesen Kostproben und mit weiteren Cello-Meisterstücken, etwa aus dem Repertoire des zeitgenössischen palästinensisch-israelischen Komponisten Samir Odeh-Tamimi, von Paul Hindemith, Henri Dutilleux und György Ligeti erkundete die Künstlerin als "Gesprächskonzert" mit Moderatorin Sarah Fichtner die Klangmalereien ihres Instruments. Der intime Charakter und die Intensität des Programms wurden zum beeindruckenden Hörerlebnis. Die Krone gehörte dabei ganz selbstverständlich den Bach'schen Suiten. Leidenschaftlich vertiefte sich die Cellistin in die Welt von Bach. Théry ließ ihr Cello singen und jubilieren, manchmal auch weinen und klagen. Kraftvolle Passagen von intensiver Spannung wechselten mit wunderbar lyrischen Momenten. Ein wildes, dann auch wieder zärtliches und verträumtes Klanggemälde, verstärkt durch das mystische Blau der umgebenden Barockausstattung, brachte ein einzigartiges Farbspektakel zum Singen und Leuchten. Beeindruckend die Dramaturgie des Stückes Tamani 1, zu Deutsch "Wünsche", des palästinensisch-israelischen Komponisten Samir Odeh-Tamimi. Ein Werk aus traditioneller arabischer Musik entliehen.

Die "Drei Strophen zum Namen Sacher" des Franzosen Henri Dutilleux lasen sich wie Poesie und die Klangmagie des Cello verzauberte mit der Schönheit des flüchtigen Augenblicks. Unglaublich farbig klang der dunkle Streichersound. Auch bei Altmeister György Ligeti blieb die Farbe im Spiel. Mit der "Sonate für Solo Cello" nutzte Elodie Théry genüsslich die Möglichkeiten ihres kostbaren Instruments. Zu den Höhepunkten gehörte zudem die "Sonate für Solo Cello Op. 25, No. 3" von Paul Hindemith.

Eine Bewährungsprobe für technische Grenzerweiterungen, die der Künstlerin hinreißend gelang. In Speinshart bot Elodie Théry totale Cello-Kunst. Die Zustimmung der circa Hundert Besucher war entsprechend enthusiastisch. (Hintergrund)
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