10.04.2017 - 20:00 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Dr. Hans Losert referierte im Kloster Speinshart über Grabungen am Kulm „Uralter“ Fund

"Pebble tools" klingt unspektakulär, bedeutet für den Rauhen Kulm aber etwas Besonderes: Einen Fund der extrem weit in die Vergangenheit zurückreicht.

Wissenschaftler Dr. Hans Losert referiert über die Grabungen am Rauhen Kulm Bild: stg
von Holger Stiegler (STG)Profil

Der Rauhe Kulm fasziniert die Menschen: Da wurde beim Vortrag von Hans Losert über die Grabungen am Kulm deutlich. Im Musiksaal des Klosters war kein freier Platz zu finden, als der Wissenschaftler aktuelle Grabungsergebnisse vorstellte. Seit 2004 gräbt und forscht er am Rauhen Kulm. Eingeladen hatten die Internationale Begegnungsstätte, der Historische Verein für Oberfranken sowie der Förderverein Rauher Kulm.

"Der Rauhe Kulm ist eine der markantesten Landmarken im Norden der Oberpfalz", betonte Losert. Er habe Menschen in allen Zeiten angezogen. Als er 2004 mit den Ausgrabungen dort begonnen habe, "wussten wir nicht, was uns erwartet". Er verwies auf die Jahre 1908 bis 1910, in denen Major Adalbert Neischl mit den ersten archäologische Untersuchungen am Rauhen Kulm begann. "Er hat praktisch alles erkannt, was durch unsere Forschungen bestätigt wurde", sagte Losert.

In seinem Vortrag beschränkte sich der Wissenschaftler nicht auf die Grabungen des Jahres 2016, sondern gab in 100 Minuten ein umfangreiches Bild von dem, was seit 2004 entdeckt und erforscht worden war. Seine Präsentation hatte Losert mit zahlreichen Fotos und Abbildungen garniert. Zu den außergewöhnlichsten Funden zählt ein so genanntes "pebble tool", ein einfaches Geröllwerkzeug aus ortsfremdem Gestein, datiert vielleicht aus der Zeit des frühen Paläolithikum.

Losert erläuterte den Zuhörern auch, was das Besondere an dem Fund ist: Pebble tools sind demnach die frühesten bearbeiteten Steinwerkzeuge des Menschen und gehören etwa in die Zeit 2,6 bis 1,5 Millionen Jahre vor unserer Zeit. Die meisten Fundplätze liegen in Afrika und seien mit sehr frühen Vertretern der Gattung Homo zu verbinden. "Mittlerweile gibt es auch einige Fundplätze aus Europa, deren Interpretation und zeitliche Einordnung teils jedoch kontrovers diskutiert werden", sagte Losert.

Ausführlich beleuchtete Losert Funde wie Pfeilspitzen, Scherben, Keramiken und auch Glasperlen, die er den verschiedenen Epochen zuordnete. In seinen Ausführungen schloss der Wissenschaftler auch die Region rund um den Kulm ein, indem er von der Flednitz, dem historischen Egerland, die Nekropole von Mockersdorf und dem Barbaraberg berichtete. Den Zuhörern, die repräsentative Funde direkt sehen wollen, empfahl Losert einen Besuch der Ausstellung in der Alten Post im Rathaus in Neustadt am Kulm. Er kündigte außerdem an, dass die Grabungen am Rauhen Kulm im August 2017 fortgesetzt werden. Ende August werde wieder eine Führung angeboten. Bei der sich Besucher über die neuesten Funde und Schritte informieren können.

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