15.05.2018 - 20:38 Uhr
SpeinshartOberpfalz

"Ebonit Saxophone Quartet" in Speinshart Stürmischer Klangzauber

Sprichwörtlich frischer Wind bläst durch die Klosterkirche Speinshart. Ein junges Ensemble gibt der Kammermusik neue Anstöße. Ungewöhnlich sind dabei die Instrumente. Die vier Saxofone des "Ebonit Quartet" entfachen zum Muttertag einen Jubelsturm.

Mit dem Konzerttitel "Klangzauber" verspricht das "Ebonite Saxophone Quartet" nicht zu viel. In der Klosterkirche Speinshart erweist sich das Ensemble in internationaler Besetzung als Saxofon-Quartett der Spitzenklasse. Bild: do
von Robert DotzauerProfil

Monsieur Adolph Sax wäre wohl glücklich, findet Johannes Pfeuffer. Mit seinem "Ebonit Saxophone Quartet" verbreitet das Ensemble in internationaler Besetzung in der Klosterkirche einen stürmischen Klangzauber. Immaterielle Klangkunst verspricht auch schon zur Begrüßung der circa 200 Besucher Thomas Englberger, Leiter der Internationalen Begegnungsstätte.

Mehr als eineinhalb Jahrhunderte nach der Sax'schen Erfindung spielen junge Musiker auf Saxofonen in einer vollendeten Balance, als wären sie ein Streichquartett. Populär wurde das Saxofon durch den Jazz, erläutert Bandleader Johannes Pfeuffer zwischen den gelungenen Eigenbearbeitungen, die am Sonntagabend vor allem aus den Werken von Claude Debussy stammen. "Wir eröffnen mit unseren Instrumenten nur eine neue Ära im klassischen Spiel", sagt der Ensemble-Chef bescheiden.

Aber: Was im ersten Moment wie ein schräges Experiment erscheint, entpuppt sich als ernstzunehmende Alternative. Denn das in Amsterdam gegründete "Ebonit Saxophone Quartet" spielt Debussys Musik ungekünstelt und voller Hingabe, mit feingezeichneten Linien, mit klarer Stimmenverteilung auf die verschiedenen Instrumente, mit pochenden Bass-Fundamenten ebenso wie mit seufzenden Oberstimmen und spannungsgeladenen Trillern. In Speinshart spielen Johannes Pfeuffer, Paulina Marta Kulesza, Dineke Nauta und Vitaly Vatulya überwiegend Werke des französischen Komponisten in einer visionären Form des Künstlers, dessen 100. Todesjahr sich 2018 jährt.

Zur Bewährungsprobe wird schon das Stück "Rêverie". Festlich und entspannt zugleich erklingt es als Antwort auf die barocke Pracht, hingebungsvoll und beseelt in jedem Augenblick. Dass die Klosterkirche dem Ensemble und den Zuhörern gleichermaßen stimmungsvoll entgegenkommt, hilft mit, sich einzuhören in die akustische Eleganz voller Klangreflektoren. Im Verlauf des Konzerts beginnt man diesen jazzigen Raumklang in seiner Eigenart zu lieben und das musikalisch Gemeinte und so vortrefflich Artikulierte wird zum genussvollen Hörerlebnis.

Claude Debussys Musik besitzt höhere Qualitäten. Unterschiedliche künstlerische Temperamente des Komponisten treffen im Programm des Quartetts aufeinander. So verzaubert die "Symphonie h-moll" vom ersten Ton an, und die ganz aus innerer Tiefe heraus sprechende Empfindungswelt der folgenden Stücke "Divertissement" und "Masques" vermittelt hinreißend intime Momente. Aber auch feierliche Zuversicht und ein flammendes Brodeln werden zur musikalischen Tröstung.

Diese wundersame klangfarbenreiche Musik flankieren die Vier mit Debussys "Deux Arabesques". Ein grandioser Konzerthöhepunkt. Die beiden Arabesques zählen neben Ballade, Dance und Valse romantique zu den beliebtesten Kompositionen mit großer Wirkung. "Ebonit" gelingt mit feinen, verträumten Andeutungen in schwebenden Akkorden mit einer eigenen Fassung der Übergang zwischen Romantik und Moderne. Feinsinniges Klangvolumen demonstriert das Ensemble ausnahmsweise ohne Debussy. Die Gruppe holt den "tschechischen Debussy" Leos Janácek ins Programm. Die Trauer über den Tod der Tochter kommt mit dem Stück "V mlhách" (im Nebel) zum Ausdruck.

Nach stehenden Ovationen folgt eine Zugabe aus den Werken des norwegischen Komponisten Edvard Grieg. Die Vier interpretieren Auszüge aus Griegs "Holbein-Suite". (Hintergrund)Das "Ebonit Saxophone Quartet" aus Amsterdam verleiht der Kammermusikwelt mit überraschenden Interpretationen eine ganz persönliche Note. Im internationalen Konzertbetrieb ist das Quartett um Bandleader Johannes Pfeuffer mittlerweile eine feste Größe. Bei Konzerten in Wien, Amsterdam und Manchester und bei vielen namhaften Festivals sind die jungen Saxofonisten eine feste Größe. Viele Preise bestätigen ihr außergewöhnliches Können.

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