09.07.2017 - 20:00 Uhr
SpeinshartOberpfalz

"Gipsy Way"-Ensemble" begeistert beim Speinsharttag Klosterkirche mit "Feuersturm" erobert

Von Robert Dotzauer

Eine breite Spur von Frohsinn und Freiheit, Spiritualität und Temperament hinterließ bei einem Konzert zum Speinsharttag der Star-Geiger Pavel Sporcl mit seiner Zigeunerkapelle "Gipsy Way". Bild: Dotzauer
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Speinshart. Im heutigen globalen politischen und gesellschaftlichen Umfeld, in dem sich Glaubensrichtungen und Kulturen mit Argwohn betrachten, kann die Musik eine mächtige Kraft der Verständigung sein. Deshalb legt die Internationale Begegnungsstätte Kloster Speinshart besonderen Wert auf die traditionellen Verbindungen zwischen Böhmen und Bayern. Beim Speinsharttag wird diese Freundschaft zum musikalischen Feuersturm. Mit unverwechselbaren Rhythmen und rivalisierenden Farben romanisch inspirierter Musik entfacht Pavel Sporcl das Feuer der Zigeunervioline. "Diese Musik gibt mir die Chance, sich mit einer Kultur zu verbinden, der klassische Musiker nicht oft begegnen", sagt der Künstler. Dem erwartungsfrohen Publikum wünscht er: "Möge diese Feier der blauen Zigeunervioline Ihre Herzen öffnen".

Und schon ist der tschechische Stargeiger mit seinem "Gipsy Way"-Ensemble" mitten im "Gipsy Fire"-Fieber, einem Zigeunerfeuer, das musikalischen Hochgenuss bietet. Unterstützt wird er, dessen Markenzeichen die blaue Geige ist, von Viola, Kontrabass und Cimbalom, einem mit Klöppeln geschlagenem Hackbrett. Ein duftendes, verführerisches "Aroma" berauscht fortan am Freitag das Publikum in der voll besetzten Kirche.

Sporcl überschreitet mit spürbarer Begeisterung die Grenzen zwischen den musikalischen Genres. Mit seinen virtuosen Roma-Musikern entfacht der Künstler mit seiner einzigartigen Violine einen musikalischen Sturm, der mit hoher Intensität durch den Kirchenraum braust. Sporcl und sein Ensemble beginnen das 90-Minuten-Konzert mit Kompositionen eines Klassikers. Johannes Brahms haben sich die Vollblutmusiker auserwählt. Dessen Kompositionen kommen dem "Welt-Musiker" gerade recht.

In romantischer Lockerheit interpretiert er Brahms "Ungarischen Tanz Nr. 1 g-Moll". Sporcl sucht und findet das Schöne und Leidenschaftliche. Mit "Ungarische Csárdás" und mit "Hullámzó Balaton", einer Komposition des ungarischen Geigers Jenó Hubay, verstärkt er diese Gefühlslage. Das Eigenwerk "Gipsy Fire" nutzt der "König der Zigeuner-Geiger" zu einem weiteren musikalischen Feuersturm, der nicht mehr zu löschen ist. Schließlich schmeichelt Sporcl als Solist in "Virtuose Variationen" (Kde domov muj) seiner böhmischen Heimat. Eine besondere Mélange erleben die andächtig lauschenden Zuhörer aus dem musikalischen Wunderland eines Astor Piazzolla (1921-1992). Sie fesselt das mit tiefer Spiritualität vorgetragene "Ave Maria". Nach diesem Beitrag meditativer Ruhe streichelt Sporcl die russische Seele. Mit Piazzollas "Russische Fantasie" überträgt der Musiker die feurige Leidenschaft eines argentinischen Tangos auf die Emotionen russischer Klänge. Zwischen zarten Andeutungen von Tiefe und freier Phrasierung, von Klage und Anklage, zwischen tonalen Passagen und hämmernden Akkordballungen, zärtlich und rasant, entrückt und unmittelbar klingt es zwischen schneeweißen Engeln und barocker Pracht.

Das Publikum ist hin und weg. Belohnt wird es mit einem Csárdás als Zugabe und mit der Erkenntnis, einen der weltweit besten Geiger erlebt zu haben. Spätestens der begeisterte Schlussbeifall bestätigt die Ankündigung von Thomas Englberger, Leiter der Internationalen Begegnungsstätte: "Dieser Abend wird bleibende Eindrücke hinterlassen".

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