17.04.2018 - 20:00 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Interview mit Historiker Bernhard Weigl "Zerissene Welt"

Man ziehe einen Kreis aus Kreide, stelle geweihte Kerzen auf und greife zu einer Haselnussrute - und schon erscheint ein Dämon. Verrückt? Vielleicht. Geisterbeschwörung ist aber nun mal irrsinnig, wie Historiker Bernhard Weigl weiß.

Historiker Bernhard Weigl.
von Marion Espach Kontakt Profil

Das Wissen des Geschichtsforschers Bernhard Weigl kommt nicht von ungefähr: Seit über zehn Jahren beschäftigt er sich mit einem kuriosen Fall der Geisterbeschwörung um 1746 in der nördlichen Oberpfalz. Nicht zum Zeitvertreib, sondern um Einblicke in die abstruse Gedankenwelt der Menschen zu bekommen. Wie diese Welt aussieht und was Zuhörer in seinem Vortrag am heutigen Mittwoch um 19 Uhr im Kloster Speinshart erwartet, erzählt er vorab in einem Interview.

Herr Weigl, wie kann man sich das "Grenzgebiet" des Aberglaubens vorstellen, um das sich Ihr Vortrag dreht?

Bernhard Weigl: Über den Aberglauben einfacher Leute aus dem 18. Jahrhundert gibt es wenig Konkretes. In diesem Fall ist das aber anders: Es gibt schriftliche Zeugenaussagen, die belegen, dass die Geschichte wahr ist und in denen viele Details festgehalten sind. Die Akten existieren heute noch und werden im Münchner Hauptstaatsarchiv aufbewahrt.

Hat der Aberglaube damals anders ausgesehen als heute?

Früher haben die Menschen an Dämonen und Teufel geglaubt und daran, dass man sie mit geweihten Kerzen und Kreidekreisen beschwören kann. Zwar hatten einfache Leute keine Ahnung, was die verwendeten Geheimzeichen bedeuten sollten, aber sie haben einfach nachgemacht, was sie in Büchern gelesen hatten.

Und, hat das funktioniert?

Eher weniger. Das hat aber niemanden davon abgehalten, die Sache zu versuchen - die Gier nach dem schnellen Geld war einfach zu groß. Der Fall in Rupprechtsreuth ist komplex, aber um ihn mal kurz zusammenzufassen: Die Freiherrin hatte Geldnöte und eine Magd gab ihr den Tipp, dass im Schloss ein Schatz versteckt sein soll. Der könne aber nur gefunden werden, wenn man Geister der Unterwelt beschwört. Erst dann sollte der Teufel den Schatz vorbeibringen. Allerdings hat sich die Freiherrin selbst nicht getraut und ihren Jäger damit beauftragt, der schließlich einen Zauberkundigen mit der Beschwörung betraute.

Hat die Freiherrin ihren Schatz denn bekommen?

Wie man's nimmt. Nachdem der Fall so große Wellen geschlagen hatte, dass sogar der Kurfürst davon mitbekam, wurde der Jäger verhaftet und vernommen; die Freiherrin wurde später vorgeladen, aber nicht belangt. Dabei sollte die Öffentlichkeit möglichst wenig mitbekommen. Was man wissen muss: Der Kurfürst war ein aufgeklärter Mann, und trotzdem hat er nicht daran gezweifelt, dass dem Jäger tatsächlich der Dämon ,Culimetto' erschienen sein soll. Trotzdem wanderte er für ein Jahr ins Gefängnis, bevor er begnadigt wurde.

Der Fall hört sich tatsächlich kurios an ...

Manches war schon abstrus. Und wir sprechen nicht von einer Zeit im tiefsten Mittelalter, sondern vom 18. Jahrhundert. Das war damals schon eine zerrissene Welt. Gleichzeitig ist es beeindruckend, in den alten Akten zu lesen. Die Zeugenaussagen sind beispielsweise noch in den Originalworten der Menschen geschrieben. Aber wie gesagt, der Fall ist so komplex, dass ich darüber noch viel mehr erzählen könnte.

Aberglaube im Blick

Wer noch mehr über die kuriose Geisterbeschwörung, die Drahtzieherin Freiherrin von Junker, ihren Gehilfen und den Zauberkundigen erfahren möchte, ist bei dem Vortrag von Bernhard Weigl im Kloster Speinshart genau richtig. Der Historiker gibt heute, Mittwoch, um 19 Uhr im Musiksaal einen Einblick in die damalige Welt des Aberglaubens. Der Eintritt ist frei. (esm)

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