17.10.2017 - 20:10 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Kammerchor Berlin in der Klosterkirche Speinshart Marienlob über vier Jahrhunderte

"Gott hat den Menschen die Musik gegeben, damit sie die Harmonie in sich aufnehmen und so mit sich selbst in Einklang kommen" meinte schon Pythagoras, der wohl als erster über die Musik philosophierte. Am Sonntag bestätigt sich dieser Satz einmal mehr mit einem Konzert des Kammerchores Berlin in Speinshart.

Sie sind ein gutes Gespann: Der Oberpfälzer und Wahlberliner Dirigent Stefan Rauh und der Kammerchor Berlin. In der Klosterkirche Speinshart gestalteten sie ein inniges "Marienlob". Bild: Dotzauer
von Robert DotzauerProfil

Ein Lobgesang auf die Rosenkranzkönigin voller Transparenz und Klarheit erfüllt die Klosterkirche. Unter dem Leitgedanken "Gegrüßet seist du Maria" erklingen Marienkompositionen aus vier Jahrhunderten. Für den Kammerchor Berlin ein würdiger Anlass, in dem Maria Immaculata geweihten Gotteshaus das Rosenkranzgebet musikalisch zu interpretieren.

Gesamtkunstwerk

Wenn ein weltlicher Chor sein Programm unter die Überschrift des Rosenkranzmonats stellt, so verbeugt er sich vor der langen Tradition dieser Meditations- und Gebetsform. Die 25 Sänger nehmen mit ihrem aus der Pfarrei Speinshart stammenden Dirigenten Stefan Rauh diese Glaubensbotschaft auf, um die Programmabfolge als eine Art Gottesdienst zu verstehen. Schon das Kyrie und Gloria aus der "Missa octo vocum" von Hans Leo Hassler führen zur Muttergottes-Verehrung. Auch das Pater Noster von Thomas Renner reiht sich ein. Das zweite Kyrie, eine Komposition des Chorleiters, öffnet den Weg zur Rosenkranzkönigin. Kunstvoll schafft es Chorleiter Stefan Rauh, dessen Wurzeln in Vorbach sind, den Inhalt der melodienreichen Kompositionen in ein Gesamtkunstwerk zu verschmelzen, dessen Stimmungen die Eindrücke des Rosenkranzmonats vertiefen. Perfekt ergänzen sich die glockenreinen Chorstimmen mit dem temperamentvollen und doch sensiblen Dirigierstil des musikalischen Leiters.

Geistliche Gesänge

Mit den Motetten von Max Reger nähert sich der Chor inhaltlich dem Advent. Der Kammerchor demonstriert durchsichtig phrasierend und bei Bedarf auch rund, feinsinnig und ausgefeilt drei Ave-Maria-Vertonungen von Anton Bruckner, dem aus Waldeck bei Kemnath stammenden Hans Koessler und von Max Baumann. "Gegrüßt seist du, Maria, gegrüßt mit Herz und Munde, gegrüßt zu jeder Stunde", heißt es in inniger Hingabe. Der Chor sprengt vor allem mit Bruckners abendländischer Tonleiter alle Tonsatzregeln.

"Mit Herz und Mund zu jeder Stund" werden auch die folgenden Psalmen und geistlichen Gesänge zum festlich frommen Höhepunkt des Konzerts. Mit den drei das Konzert beendenden Motetten aus op. 138 von Max Reger gelingt den Berlinern ein grandios-harmonischer Abschluss. "Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit, und alle Welt vergeht, mit ihrer Herrlichkeit". Der Chor bündelt seinen Glanz noch einmal mit einer ergreifenden Tonfolge und weist im "Nachtlied" Regers den Weg: "Lass uns einschlafen mit guten Gedanken, fröhlich aufwachen und von dir nicht wanken."

Die 300 Besucher in der Klosterkirche sind begeistert. Als Zugabe jubiliert der Kammerchor mit "Halleluja Laudate domina". Berührt zeigt sich auch der Maestro: "Es war eines meiner bewegendsten Konzerte".

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