06.02.2018 - 18:10 Uhr
Speinshart

Klassische jüdische Musik Alte Melodien im neuen Kleid

Musik jener Juden, die vor 500 Jahren aus Spanien vertrieben wurden: Mit diesem ungewöhnlichen Angebot begeistert das deutsch-spanische Duo Zaruk in einer "Hochburg" der Christenheit.

Mit Musik der sefardischen Juden aus Zeiten der Vertreibung aus Spanien faszinierte das "Duo Zaruk" im überfüllten Musiksaal des Klosters Speinshart. Bild: do
von Robert DotzauerProfil

Auch wenn die jüdische Musik schon tausende Jahre alt ist, an Aktualität hat sie nichts verloren. Erst recht nicht, wenn sie spanisch geprägt ist und afrikanischer Geist spürbar wird. Zaruk verzauberte am Sonntag im überfüllten Musiksaal des Klosters. Das der Madrider Musikszene entstammende Duo der Cellistin Iris Azquinezer und des deutschen Gitarristen Rainer Seiferth widmete sich der Musik der sefardischen Juden. Katholisch werden oder das Land verlassen, hieß vor 500 Jahren die Anordnung des spanischen Herrscherhauses an sie.

Was damals blieb, ist die Musik der sefardischen Juden, die sich im gesamten Mittelmeerraum verbreitete. Die Lieder des Duos Zaruk waren in Speinshart eingefärbt von Tonmalereien, die von Sehnsucht über die verlorene Heimat "Sefarad" handelten. Wehmut klang aus der Liedfolge. Die mündliche Überlieferung der Melodien ließ bei den Künstlern viele Interpretationen, Instrumentierungen und Phrasierungen entstehen. Den Spielraum nutzten die beiden Ausnahmemusiker: In Zaruks Arrangements fanden sich Klassik, Jazz und traditionelle Musik, Komponiertes von großer Ausdruckskraft und Farbentiefe und besonders berührend Melodien von Iris Azquinezer aus Großmutters Überlieferungen.

Fast sinnlich beschrieb Gitarrist Rainer Seiferth den Abschied von einer Geliebten und Akzquinezer unternahm mit dem Cello, dem Instrument des Jahres, romantische Ausflüge in die Kinderzeit. Im besten Sinne des Wortes nutzte das Duo Spiel-Räume für faszinierende Arrangements, in denen sich Klassik, Jazz und traditionelle Musik, Komponiertes und Improvisiertes wiederfanden. Auch die Interaktion des Paares gehörte zu den Genüssen. Oft bedurfte es keiner Hinweise, die musikgewordenen Kindheitserinnerungen mit Geschichten und Stimmungen nachzuvollziehen. Das Duo wandelte auf musikalischen Spuren ohne Noten. Umso virtuoser, betörender und spiritueller erklangen die sefardischen Lieder aus dem Fluss der Jahrhunderte. Höhepunkt zum Schluss des zweistündigen Konzerts: ein bewegendes jüdisches Wiegenlied, überliefert aus Glanzzeiten maurisch-christlich-jüdischer Toleranz. Am Ende wollte der Beifall nicht enden. Erst nach drei Zugaben durften sich die spanische Cellistin und der deutsche Gitarrist verabschieden.

Cellistin Iris Azquinezer studierte unter anderem an der Musikhochschule Detmold. Nach der Rückkehr in ihre spanische Heimat gelangte sie mit Cello-Solo-Projekten zu Erfolg. Es folgten zahlreiche Solokonzerte. Auch als Begleiterin von Liedermachern und Interpretin klassischer spanischer Musik ist sie immer wieder zu hören. Iris Azquinezer stammt aus einer jüdischen Familie. Sefardische Lieder wurden ihr schon als Kind von der Mutter vorgesungen. Einige dieser Lieder finden sich im CD-Repertoire von "Zaruk" wieder.

Rainer Seiferth studierte klassische Gitarre in Heidelberg-Mannheim. Meisterkurse mit Dusan Bogdanovic und Ken Zuckerman bestärkten seinen Wunsch, die Grenzen der Konzertgitarre durch Jazz, Folk und Weltmusik zu erweitern. 2005 zog er nach Madrid. "Guadiela", seine erste CD mit vielen Eigenkompositionen, folgten weitere Musikträger vor allem mit Bearbeitungen Alter Musik und spanischer Folklore. Seitdem gehört er zu den ausländischen Freigeistern spanischer Musiktradition. Seiferth spielt zudem Vihulela, Barockgitarre und Cittern.

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