18.08.2017 - 14:18 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Klavierkonzert in Speinshart Emotionale Sprengkraft

Ein umjubelter Klavierabend im schon seit Wochen ausgebuchten Musiksaal des Klosters Speinshart setzt die Gastspiele des Festivals junger Künstler Bayreuth bei den Speinsharter Sommerkonzerten fort. Wie schon bei den fünf vorausgehenden Konzerten bestätigt sich erneut: Das Klosterdorf profiliert sich als kultureller Leuchtturm der Region.

Mit Enikö und Noémi Görög begeisterten am Donnerstagabend im Musiksaal des Klosters Speinshart im Rahmen des Festivals junger Künstler Bayreuth zwei klavierbesessene Schwestern aus Serbien beim vierhändigen Spiel. Bild: Dotzauer
von Robert DotzauerProfil

Am Donnerstagabend feiern die Besucher mit zwei klavierbesessenen tief verbundenen serbischen Schwestern Enikö und Noémi Görög im barocken Ambiente des Musiksaales Europa und die Neue Welt. Thomas Englberger, Leiter der Internationalen Begegnungsstätte, verspricht ein Klangfeuerwerk vom Ural bis nach Amerika. Kein leeres Versprechen. Die Konzertbesucher erleben mit dem "Duo Piano", so der Konzerttitel, musikalisch eine freie und vielfältige Welt der Nationen und Traditionen. Gerade in den unruhigen Zeiten internationaler Krisenherde gilt es, an diesem Tag innezuhalten und mit Musik nach gemeinsamen Wurzeln zu suchen und Signale des Friedens und der Freundschaft in die Welt zu senden. Unter dem Motto "vierhändig auf den Flügeln der Zeit" verstehen die Pianistinnen eine Grußbotschaft, die den Grundgedanken des Festivals stärkt, Brücken zu bauen und Menschen zu verbinden.

Verblüffende Technik

Mit Musik gelingt diese Aufgabe besser. Wenn sich dann noch im Programm Werke berühmter Komponisten vom Ural bis jenseits des großen Teiches widerspiegeln und die Künstlerinnen zu vier Händen verblüffende Technik und eine unglaubliche Präzision des Zusammenspiels demonstrieren, dann wird ein Klavierkonzert zum Festabend. Die perfekte Abstimmung ermöglicht es dem Duo, die vielfältigen Facetten der ausgewählten Kompositionen überzeugend zu erobern und effektvoll zu gestalten.

Besonders die große emotionale Sprengkraft in Sergei Rachmaninows sechs Momenten in "Morceaux, Op. 11, Satz 4 und 5" kommt mit viel individuellen Stimmungen und Schwingungen bis hin zum majestätischen Kanon in farbenreicher Dynamik zum Tragen. Was in diesen "Momenten" aus dem Herzen Rachmaninows kam, übertragen die "vier Hände" virtuos in das barocke Schatzkästlein des Musiksaales. Schon zu Beginn des Konzerts löst der Charme schwelgender Lyrik in den "Lebensstürmen" von Franz Schubert Beifallsstürme aus. Noch vor der Pause bezaubern die Görög-Schwestern mit der "Sonatina" von György Ligeti.

In überzeugender Manier gestalten die beiden Künstlerinnen auch den zweiten Teil des Klavierkonzerts. Feurige Stimmungen beherrscht nun das Programm. Das Publikum wähnt sich zuweilen auf einem Volksfest. In ausgelassener Heiterkeit zelebriert das Duo mit dem "Slawischen Tanz in E-Moll" von Antonin Dvorák ein folkloristisches Festival und der "Ungarische Tanz No. 6" von Johannes Brahms wird zum rhythmischen Csárdás-Feuerwerk.

Rassige Melodienfolge

In perfekter Einheit erinnert das Klavier-Duo schließlich an die "Souvenirs, Op. 28" von Samuel Barber, dem Spätromantiker aus der Neuen Welt und beim serbischen Volkstanz "Kolo" imponieren die hochmusikalischen Schwestern mit einer rassigen Melodienfolge aus der Heimat. Den stürmischen Beifall der Besucher belohnt das "Duo Piano" mit zwei Zugaben.

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.