Konzert mit Annemieke Schwarzenegger und Bernhard Bücker
"Cellikatessen" schmecken Zuhörern

Mit einem "Cellikatessen-Klangzauber", so der Titel des Konzerts, begeisterte in Speinshart das Ehepaar Annemieke Schwarzenegger (Cello) und Bernhard Bücker (Klavier). Bild: do
Kultur
Speinshart
09.04.2018
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Schwarzenegger? Da war doch was! Gibt es da verwandtschaftliche Beziehungen zu Arno, dem österreichisch-amerikanischen Schauspieler und Ex-Gouverneur? Jedenfalls sorgte Annemieke Schwarzenegger für Aufmerksamkeit. Für musikalische Feinschmecker wurde das Frühlingskonzert in Speinshart mit der berühmten Cellistin und ihrem Ehemann Bernhard Bücker am Klavier zum stürmischen Frühlingserwachen.

Vielen Musikbegeisterten gilt das Violoncello als das wohl vielseitigste aller Instrumente. Mit seinem Tonumfang von fast fünf Oktaven klingt es dunkel und kraftvoll in der Tiefe und samtig lyrisch in der Tenorlage. Am "Weißen Sonntag" demonstrierte die Österreicherin Annemieke Schwarzenegger die grenzenlosen Möglichkeiten dieses Instruments, das seit dem 16. Jahrhundert von zahlreichen Komponisten geschätzt und ausgekostet wird und für das Musikjahr 2018 zum Instrument des Jahres auserkoren wurde. Vielseitigkeit versprach deshalb der Klangzauber der "Cellikatessen", so der Titel des Konzerts, die in kongenialer Besetzung mit Ehepartner Bernhard Bücker am Piano zum bunten Frühlingszauber wurden. Die musikalischen Ansprüche waren im überfüllten Musiksaal des Kloster Speinshart hoch gesteckt. Das Künstlerehepaar bot als ein souverän aufeinander eingestimmtes Duo ein faszinierendes musikalisches Mosaik aus dreihundert Jahren Musikgeschichte. Charmant erläutert von Bernhard Bücker lud das Paar zunächst in die Klangwelten König Ludwigs XIX. am Hofe von Versailles ein. Wie ein Gebet in Klänge geformt begann das Klassikkonzert mit Francois Couperins "Pièces en concert". Immer im Vordergrund das Violoncello, verhalten vom Klavier untermalt. Schließlich wurde in den weiteren Sätzen zur Jagd geblasen und mit "Brillianza" gefeiert.

Die "Cellikatessen-Reise" setzte sich auf argentinisch fort. Die Intensität des Programms steigerte sich mit Astor Piazollas "Tanti anni prima", einer gefühlvollen Rückbesinnung des Komponisten auf glückliche Tage. Das Stück fing in fabelhafter Weise die Gefühlswelten des berühmten Argentiniers und Begründer des argentinischen "Tango-Noevo" ein. Beeindruckend auch die Klanggemälde bei Piazollas "Primavera Portena". Ein Frühling im Hafenviertel verführte zu unsterblichem Tango-Zauber mit einem leidenschaftlichen Finale. Als eher unbekannten Komponisten stellte Bernhard Bücker Daniel van Goens (1858-1904) vor. Doch das "Scherzo op. 12" mit dem Violoncello im Mittelpunkt verlieh dem Konzert mit einem bezaubernden Feuerwerk im Rondo-Bereich Entspannung pur.

Die Krone gehörte selbstverständlich auch den Kompositionen Ludwig van Beethovens. Sich in die Welt des jungen Beethovens vertiefend ließ Schwarzenegger ihr Cello jubilieren, und Bernhard Bücker vollzog mit "Rondo op. 5 Nr. 2", einem Frühwerk des Komponisten, die Partnerschaft zwischen Klavier und Violoncello. "Verwandtschaftliche Töne" erinnerten an die Nähe von Wolfgang Amadeus Mozarts Zauberflöten-Motiven. Zum bunten Querschnitt der "Cellikatessen"-Literatur gehörte auch George Gershwin. Das Künstler-Ehepaar unterstrich die Vielfalt des Programms aus Wiener Klassik, atemberaubenden südamerikanischen Rhythmen und Meilensteinen der Kammermusik-Literatur mit einem berauschenden Festival an den Grenzen zu Pop und Musicals. Die "Evergreens" beförderten die "Cellikatessen" zum musikalischen Festmahl. Eine Zugabe musste sein. Das Duo verzückte mit einem "Liebesgruß".

Die KünstlerDie österreichische Cellistin Annemieke Schwarenegger studierte an der Musikhochschule in Essen. Prägende Impulse verliehen ihr Begegnungen mit renommierten Kammermusikpartnern und Tourneen durch Europa. Neben ihrem vielseitigen kammermusikalischen Engagement lehrt Annemieke Schwarzenegger an der Folkwang-Universität der Künste in Essen-Werden.

Internationale Auszeichnungen bieten das Fundament vielseitiger Konzerttätigkeiten von Pianist Bernhard Bücker. Neben CD- und Rundfunk-Aufnahmen konzertiert er mit Orchestern unter namhaften Dirigenten in vielen berühmten Musik-Metropolen. Als anerkannter Musikpädagoge leitet er Meisterkurse. (do)
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