10.01.2018 - 15:32 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Kunsthistoriker bezeichnet Kirche auf dem Barbaraberg als "herausragenden und beeindruckend ... Der "Kappl" ebenbürtig

"Die Barbarabergkirche war ein herausragender und beeindruckend ausgestatteter Wallfahrtsort, der sich nicht hinter der Kappl zu verstecken braucht." So urteilt Kunsthistoriker Adolf Mörtl beim Dreikönigstreffen des früheren Speinsharter Burschenvereins.

Teil des Barbaraberg-Wallfahrtsweges sind seit dem 18. Jahrhundert einige Heiligenstatuen, darunter jene der zweiten Kapellenpatronin Maria Magdalena. Sie entgingen bei der Säkularisierung von 1803 nur knapp dem Verkauf. Bild: bjp
von Bernhard PiegsaProfil

Süßenweiher/Speinshart. Seine Bedeutung als eines der bedeutendsten Wallfahrtsziele der Oberpfalz habe das Gotteshaus auch bewahrt, als nach dem Sieg des kaiserlich-christlichen Heeres über die Osmanen bei Wien 1683 zahlreiche Wallfahrtsstätten neu errichtet worden seien, erläuterte Mörtl in seinem Vortrag im Gasthof "Waldeslust" in Süßenweiher. Der Ruf der Barbaraberg-Wallfahrt spiegele sich in der Entwicklung der 1760 gegründeten Barbaraberg-Gebetsbruderschaft wider, die 1802 fast 9500 Mitglieder in der ganzen Oberpfalz und in benachbarten Gebieten gezählt habe.

Erst die obrigkeitlich verfügte Auflösung des Klosters Speinshart 1803 habe der bis in vorreformatorische Zeit zurückreichenden Wallfahrtstradition ein Ende bereitet. Zwar habe sich sogar das lutherische Neustadt am Kulm für den Erhalt der Kirche und der Wallfahrten mit ihrem beliebten Marktbetrieb verwandt, doch habe dies die Kapelle nicht vor Profanierung und Ausverkauf bewahrt.

Das Gebäude habe der Bamberger Oberst Konrad Freiherr von Malsen erworben, informierte der Kunsthistoriker. Dieser habe die Anlage als Sommerresidenz und ab 1822 sogar wieder als Privatkapelle genutzt: "Er hat sich sehr um die Kirche gekümmert und sie so vor dem Abriss bewahrt."

Altar in Bärnau verbrannt

Wichtige Teile der Ausstattung - wie Seitenaltäre und Beichtstühle - habe die Erbendorfer Stadtpfarrei für ihre Kirche ersteigert. Nach Konrad von Malsens Tod haben dessen Söhne das Gebäude 1826 an eine örtliche Landwirtsfamilie verkauft. Der bis dahin noch vorhandene Hochaltar sei nach Bärnau gelangt und dort 1839 einem Kirchenbrand zum Opfer gefallen, teilte Mörtl mit.

Die neuen Eigentümer der Kapelle seien mit deren Unterhalt überfordert gewesen, bedauerte er: "Es kam zu Wasserschäden, die letztlich den Untergang der Kirche bedeuteten." 1888 seien große Teile des Kirchenschiffes abgebrochen, die verbleibenden Gebäudeteile in landwirtschaftliche Nebengebäude umgewandelt worden. "15 oder 20 Jahre später, als im Zeitalter des Historismus solche Bauwerke eine neue Wertschätzung erfuhren, hätte sich vielleicht eine andere Lösung finden lassen", merkte der Redner an.

Kirchenbauverein

Am 6. April 1914 habe dann ein Blitzschlag den Giebel schwer beschädigt: "Kurz darauf gründete sich ein Kirchenbauverein Barbaraberg, der die Kirche wiederherstellen wollte. Aber der Erste Weltkrieg hat das vereitelt." Erst der Erwerb der Ruine durch den Münchener Domkapitular Dr. Michael Hartig 1919 habe den Weg für den Einbau einer neuen Kapelle in die alten Gemäuer geebnet.

Diese wurde 1921 geweiht, als der Prämonstratenserorden auch das Kloster wieder besiedelte. In dem neuen Kapellenbau habe auch das Gnadenbild aus der Zeit vor der Säkularisierung eine Heimat gefunden.

Heiliger Dismas verschollen

Noch im 18. Jahrhundert sei der von Heiligenfiguren gesäumte Wallfahrtsweg von Speinshart nach Barbaraberg angelegt worden, berichtete Kunsthistoriker Adolf Mörtl. Hierzu merkte der Prior des Klosters Speinshart, Pater Benedikt Schuster, an, dass auch die Standbilder bei der Säkularisierung 1803 verkauft werden sollten: "Es gab einen Kaufinteressenten, der aber wohl wegen finanzieller Probleme wieder absprang." Einzelne Statuen seien allerdings nicht mehr an ihrem ursprünglichen Standort. So sei die Figur des laut Pater Benedikt im Prämonstratenserorden besonders verehrten heiligen Dismas, des mit Jesus gekreuzigten bußfertigen "Schächers", verschollen. (bjp)

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