16.04.2018 - 10:06 Uhr
SpeinshartOberpfalz

Lyrisch, verträumt, minimalistisch, oder energiegeladen: Kilian-Kemmer-Quartett stellt im ... Schräges Experiment sorgt für Aufsehen

Ungewöhnlich: Jazz in barocker Umgebung beobachtet von vier Dutzend weißen Engeln. In der Klosterkirche Speinshart ist es möglich. Es scheint, als ob sich auch das himmlische Botschaftspersonal vom Sound des Kilian-Kemmer-Quartetts begeistern lässt. Denn das Stimmungsbarometer zeigt Höchstwerte an, obwohl es kalt ist es in der Klosterkirche, der Winter steckt noch in den Mauern des Gotteshauses.

"Jazz und Zeit" heißt es am Sonntagnachmittag in der Klosterkirche Speinshart. Das Münchner Quartett von Kilian Kemmer vereint in elf Kompositionen das Thema Zeit in ein lyrisch-verträumtes Klangerlebnis. Bild: Dotzauer
von Robert DotzauerProfil

Pianist mit vielen Talenten

In der Klosterkirche herrscht Frühlingserwachen, die das Kilian Kemmer-Quartett in das barocke Ambiente zaubert. Andächtig lauschen die 200 Besucher den ungewohnten Rhythmen, wenn zum Beispiel das Saxofon mit pochenden Bass-Fundamenten und fein gezeichneten Oberstimmen brilliert. Da wird auch für Kemmer & Co. die Atmosphäre in einem Kleinod des Barocks zur Bewährungsprobe.

Die besondere Herausforderung für das Quartett: Es wagt sich mit eigenen Kompositionen an ein zeitloses Thema. Das Quartett brilliert mit elf Stücken aus der jüngsten CD "Beyond Time". Das Thema Zeit ist in Speinshart allgegenwärtig. "Jetzt und in echt" ist das erste CD-Projekt von Jazzpianist Kilian Kemmer, in dem er sowohl als Bandleader, Komponist, Arrangeur und Moderator tätig ist.

Auch in der Klosterkirche führt Kemmer durch das Programm, erläutert aus seiner Sicht das Thema Zeit und lässt sie musikalisch vorübergleiten. So läuft sie einmal zu schnell, bisweilen dann wieder nicht schnell genug.

An "Wunderland" habe er so lange geschrieben, es verändert, verworfen und neu arrangiert, bis es letztendlich wieder klang wie ein Stück, das es schon lange gibt: "Alice in wonderland", erklärt der Künstler. Beim "Jetzt" denkt Kemmer an das Stück "Juli im Juni". Sein Sohn heißt Julius. Und weil er im Juni geboren wurde, heißt ein Stück eben "Juli im Juni".

Klare Melodien und komplexe Arrangements machen die Musik von Kemmer und seinen Band-Kollegen aus. Musik in Echtheit. Jazz. Jetzt und nicht nachher.

Unkonventionell und echt

Sie ist unkonventionell, verträumt und filigran zugleich, ein intelligenter, poetischer Kammerjazz, der Geschichten erzählt und die Zeit vergessen lässt. Das Quartett schafft mit ihren Eigenkompositionen eine außergewöhnlich intime Atmosphäre. "Gleichzeitig bleibt genug Raum, um immer wieder neue Geschichten zu erfinden mit Protagonisten, Dramatik und szenischem Umfeld", bemerkt der Jazzpianist. Die elf Kompositionen in Speinshart beweisen es.

Das Quartett verzaubert das Publikum mit seinem Projekt "Zeit". In weiteren Stücken geht es mal lyrisch verträumt, mal minimalistisch oder die Grenzen der Harmonik ausreizend um das Thema, die Zeit. Die Musiker verschmelzen in ihren Soli mit ihren Instrumenten. Kemmer am Piano, Matthieu Bordenave am Saxofon, René Haderer am Bass und Matthias Gmelin an den Drums. Musik, die die Zeit vergessen lässt. Zeit zu Ovationen hat auch das dankbare Publikum. Das Ensemble dankt mit spritzigen Zugaben.

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