Musikalisch-lyrischen Abend im Kloster Speinshart
Poesie und Musik verschmelzen

Die Verquickung von Lyrik und Gesang aus den Texten von Heinrich Heine stellten Sopranistin Birgit Muzzolini und Pianist Reinhard Maier her.
Kultur
Speinshart
18.10.2017
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Mit dem Schauspieler Hilmar Berndt als Rezitator und Nadine Hoffmann als Moderatorin gaben bei "Heinrich Heine in Lyrik und Gesang" zwei Experten einfühlsame Kostproben aus dem poetischen Schaffen eines Großen der deutschen Literatur. Bilder: do (2)

Auf den Flügeln des Gesangs schwebten die Besucher beim jüngsten Speinsharter Kulturevent. Das lag an Heinrich Heine. Einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller des 19. Jahrhunderts stand im Mittelpunkt eines musikalisch-lyrischen Abends.

Seit sich in Speinshart der Poet und der Ton trafen, gibt es bestimmt viele Heine-Verehrer mehr. Unvergesslich geisterte bereits vorher Heines berühmtestes Gedicht durch die Köpfe, das sein schmerzlich-erotisches Verhältnis zu Deutschland klärt. Der 45-jährige Heine verrät in seinen 1843 niedergeschriebenen "Nachtgedanken", von denen meist nur die beiden ersten Verse zitiert werden: "Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht. Ich kann nicht mehr die Augen schließen und meine heißen Tränen fließen."

Der literarisch-musikalische Abend im voll besetzten Musiksaal des Klosters entwickelte sich zu einer fesselnden Erinnerung an das poetische Schaffen eines Großen der deutschen Literatur. Gestaltet von Schauspieler Hilmar Berndt vom Theater Trier (Rezitation), Nadine Hoffmann (Moderation), Birgit Muzzolini (Sopran), eine im Bayreuther Raum hochgeschätzte Sängerin und dem durch zahlreiche Konzerte in der Region bekannten und beliebten Pianisten Reinhard Maier hieß es frei nach Heinrich Heine "Die Deutschen sind ein gemeingefährliches Volk: Sie ziehen unerwartet ein Gedicht aus der Tasche und beginnen ein Gespräch über Philosophie".

Von wegen gemeingefährlich und unerwartet. Die Besucher fieberten geradezu den lyrischen Impulsen des großen Deutschen entgegen. Die Künstler begaben sich auf eine lyrisch-musikalische Reise mit Zyklen und Gedichten, die oft an die Stigmatisierung Heines erinnerten. Sein Leben lang hatte er durch seine jüdische Herkunft zu leiden. Seine Texte singen von Dichterliebe, erzählen von Landschaften und Menschen, glühen vor brennender Liebe für Deutschland - jedoch für ein Deutschland, das Heine schmerzlich vermisste. Denn für die Restaurationspolitik des preußischen Deutschland hatte der rheinische Kaufmannssohn nur Kritik und beißende Ironie übrig.

Und so ist in seinen Texten stets auch Sehnsucht zu spüren, und mancher Zorn und bittere Enttäuschung. Heine brachte die Behörden gegen sich auf, bald standen seine literarischen Einfälle unter Zensur. Paris wurde für den verfolgten Dichter zum Zufluchtsort der Freiheit, doch der Schmerz über die verlorene Heimat brannte in den Texten weiter.

Der Abend in Speinshart war all diesen Stimmungen des großen Dichters gewidmet. Die Gedichte, Lieder und Prosastücke zeichneten dabei seinen Lebensweg nach. Einem bunten, gewagten, ja provokanten Weg, dessen faszinierende, feinsinnigen Texte auch noch dem heutigen Zeitgeist widerspiegeln. Überzeugend gelang den "Darstellern von Speinshart" der weite Spannungsbogen Heinrich Heines von Liebe und Feinsinn bis hin zu Ironie, Spott und Schmerz in Heines Texten sinnenreich in das barocke Juwel des Klosters zu bringen. Piano, Gesang, Rezitation und ein bisschen Schauspiel gaben die unterschiedlichen Facetten von Heines Dichtung wider. Eine meisterliche Darstellung über die Biografie des berühmten Deutschen und selbstverständlich seiner unvergesslichen Zyklusfolge.

Auch seine Vertonungen kamen hinter Klostermauern nicht zu kurz. Die Forschung zählt 8000 Heine-Lieder, die allein im romantischen Musikzeitalter entstanden sind. Viele Komponisten haben sich von Heines Lyrik inspirieren lassen. Auf dem Programm stand die geballte Gefühlswelt des Dichters und der Komponisten. Heines Poesie allein war schon fast Musik. Ein Experiment mit einem "gesungenen Gespräch" hielt die Spannung hoch. Musik sei die gesteigerte Sprache, fand der Rezitator.

Die Antwort kam sogleich. Musikalischen Träumereien gleich, verzückte Sopranistin Birgit Muzzolini mit Klavierbegleitung mit ausgewählten Heine-Liedern. Auf den Flügeln des Gesangs schwebte Muzzolini zum Beispiel aus der "Dichterliebe" von Robert Schumann. Nicht fehlen durfte "Die Loreley", ein frühes Lied Franz Liszts nach Heines Lyrik von der verführerischen Jungfrau, die durch ihren Gesang vom Rheinfelsen herab vorbeifahrende Schiffer betörte und in den Tod lockte.

"Die Loreley" verführte auch die Besucher, Gott sei Dank ohne Todesfolge - im Gegenteil. Das Publikum lechzte nach Zugaben. Noch beim Abgang im Treppenhaus erinnerten Heines Leben und seine Beobachtungen an den zeitlosen Grundsatz: "Mit einer Kindheit voll Liebe kann man ein ganzes Leben aushalten".
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