Pater Benedikt Schuster, Prior der Speinsharter Prämonstratenser-Abtei, stellt Auszugsbilder in ...
Den Blick nach oben richten

Wer betrachtet schon angesichts der Mächtigkeit der großen Altarbilder die kleinen Kunstwerke? Dabei erstaunen in der Klosterkirche Speinshart auch die Auszugsbilder über den Altären mit bemerkenswerten Botschaften, wie zum Beispiel "Mutter Anna lernt Maria das Lesen". Bilder: do (2)
Kultur
Speinshart
06.07.2017
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Über die "Sprache der Altäre" informierte Pater Benedikt Schuster in seinem Vortrag. Im Mittelpunkt standen die sogenannten Auszugsbilder in den Gotteshäusern in Speinshart, Oberbibrach und Tremmersdorf.

Meist fällt bei einem Kirchenbesuch der Blick zuallererst auf den Hochaltar. Die kleinen, bescheideneren Auszugsbilder darüber werden gar nicht zur Kenntnis genommen. Das soll sich ändern, wünscht sich Pater Benedikt Schuster, Prior der Speinsharter Prämonstratenser-Abtei.

Er lud zum Vortrag über die Details der sakralen Bildersprache in die Internationale Begegnungsstätte. Das Thema stieß auf großes Interesse: Der Dientzenhofer-Saal war voll besetzt. Barocke Kirchenräume wirken durch das Raumerlebnis. Aber erst die Wahrnehmung einzelner Elemente macht den Eindruck komplett. Der Blick des Betrachters richtet sich in der Regel zunächst auf den Hauptaltar. Beeindruckt vom Hauptbild wandert in der Klosterkirche der Blick, von Engeln begleitet, vielleicht auch in die Höhe - und erreicht plötzlich Kunstwerke, die in Speinsharts barocker Bildsprache leicht übersehen werden.

Über den Altarbildern sind weitere, wenn auch viel bescheidenere Bildelemente zu entdecken. Pater Benedikt Schuster nennt sie "Auszugsbilder". Details dieser kleinen Kunstwerke in der Klosterkirche, in der Expositurkirche St. Johannes in Oberbibrach und in der Filialkirche St. Peter und Paul in Tremmersdorf beschrieb der Chorherr in seinem Vortrag. Gleichzeitig warnte der Prior vor falschen Rückschlüssen: "Nicht jede Darstellung christlicher Kunst erhebt den Anspruch auf Tatsachen."

Bild-Exkursion

Die Bilderreise begann mit der Vorstellung von Auszugsbildern über den Seitenaltären der Klosterkirche und mit Hinweisen zur Motivgestaltung vor und nach der Säkularisation: "Umstrittene Bilder wurden hochgepuscht." Detailbetrachtungen führten zum Kreuzaltar mit dem Motiv des "Herz Mariäe" und dem beliebten Marienmonogramm im Altaraufsatz sowie zum gegenüberliegenden Seitenaltar mit der Darstellung "Herz und Dornenkrone".

Die Bild-Exkursion führte weiter zur Andreas-Kapelle zur Betrachtung eines Engels mit Palmwedel, zur Michaels-Kapelle, zur Allerheiligen-Kapelle mit dem Thema "Die Engel verehren das sogenannte apokalyptische Lamm", zur Muttergottes mit dem Jesuskind und der demütigen heiligen Katharina in der Katharinen-Kapelle. Auch von den weiteren Auszugsbildern zeigten sich die Besucher angetan.

Bedeutende Rokokokirche

Zum Bestaunen gab es am Magdalenen-Altar das Motiv "Anna lernt Maria das Lesen", und in der Taufkapelle beeindruckte die seltene Abbildung des heiligen Josef und dem Jesuskind mit Blumenkranz. Neugierde weckten zudem die Erläuterungen über den heiligen Nikolaus in der Nepomuk-Kapelle. Der Streifzug ging weiter in die Dorfkirche Peter und Paul in Tremmersdorf mit Erläuterung des Altaraufsatzes, einem Marienbild mit Jesuskind am Seitenaltar und einer Betrachtung des heiligen Sebastian mit Pfeil.

Der Oberbibracher Kirchenraum zählt mit seiner bemerkenswerten Ausstattung zu den bedeutendsten Rokokokirchen der nördlichen Oberpfalz. Der Hochaltar der Johanneskirche ist jedoch ohne Auszugsbild. Zum Bild des heiligen Florian als Patron der Feuerwehren stellte der Prior fest, dass es zu dessen Lebzeiten noch keine Feuerwehren gegeben habe. Es handele sich vielmehr um ein "eingebürgertes Standardbild". Das Patronat führt Pater Benedikt auf das Ersäufen Florians in der Moldau zurück. Daraus sei später eine willkürliche gedankliche Verknüpfung mit den Löschaufgaben der Feuerwehr entstanden. Eine kurze Diskussion schloss sich an.
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